Branche aktuell
Frauen reisen anders
Studie: Wie Businessfrauen sich Hotels wünschen / Mit einfachen Ideen können Hoteliers weibliche Reisende glücklich machen
STUTTGART. Frauen reisen anders. Und Hoteliers, die das erkennen, haben einen Wettbewerbsvorteil. Pflegeleicht sind weibliche Hotelgäste allerdings nicht: Die neue Studie „Frauenzimmer. Wie Businessfrauen sich Hotels wünschen“ beschreibt Frauen zwischen dreißig und vierzig als „most demanding“. Sie haben hohe Ansprüche und schrecken auch nicht vor Beschwerden zurück. Und fühlen sie sich nicht ernst genommen, buchen sie bei der nächsten Geschäftsreise ein anderes Hotel – ganz wie ihre männlichen Kollegen.
Sinnliche Zimmer
Ein bisschen Wellness in Form einer Duftkerze und dazu vielleicht ein paar Erdbeeren entlocken Frauen auf Geschäftsreisen bestenfalls ein Lächeln. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl reisender Geschäftsfrauen weltweit verdoppelt – erstaunlicherweise gehören diese Hotelgäste trotzdem zu den vernachlässigten Zielgruppen. In Amerika hat man den Trend erkannt, dort gibt es seit zehn Jahren „female-friendly Hotels“. In Deutschland hingegen gibt man sich auch im 21. Jahrhundert lieber den traditionellen Wertevorstellungen hin: Die reisende Frau ist im Idealfall die Begleitung eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Eine Nachlässigkeit, die sich langfristig rächen könnte.
Schlaue Hoteliers lesen deshalb die Studie von Uta Brandes, Professorin an der Köln International School of Design. Ihr Fazit: „Frauen benutzen ein Hotel anders als Männer. Sie erkennen in ihrem Zimmer eine Burg auf Zeit. Deshalb muss dieses Zimmer entsprechend sinnlich sein.“
Die Professorin, selbst viel auf Reisen, plant nun einen Business-Hotelführer für Frauen und fordert ein europaweites Gütesiegel für frauenfreundliche Hotels. Warum eigentlich nicht. Was für Kinder und Tiere gilt, sollte auch weiblichen Reisenden zugute kommen. In der von Uta Brandes kürzlich präsentierten Studie wurden vielreisende Frauen befragt, was für sie den perfekten Hotelaufenthalt ausmache. Immerhin sind 25 Prozent aller Gäste, die in Hotels einchecken, weiblich.
Es geht nicht um Investitionen in Millionenhöhe. Oft sind es kleine Serviceaspekte, die dafür sorgen, dass ein Gast ein Hotel lange in guter Erinnerung behält. Frisches Obst, ein gutes Raumklima, ein großer Spiegel, ein qualitativ hochwertiger Kosmetikspiegel oder ein einfach steuerbares Lichtsystem gehören für weibliche Gäste dazu.
Frauen vermissen in Hotelzimmern praktische Ablageflächen, einen Rockbügel und kostenloses Mineralwasser. Sie wünschen sich kostenlose Wellnessbereiche, Zimmer ohne Teppichboden, Matratzen, die nicht zu weich sind, große Handtücher und eine Roomservice-Karte, die nicht nur Kalorienreiches, sondern auch gesundes Essen beinhaltet. Und sie mögen, wie im „richtigen“ Leben, keine dunklen, leeren Hotelflure und keine einsamen Tiefgaragen. Auch über einen Haarfön, der mehr als ein laues Lüftchen verströmt, freuen sich Frauen auf Reisen.
Die Hotel-Wirklichkeit sieht anders aus, leider lauern in den meisten Badezimmern Haarföns, die offensichtlich von Mitarbeitern ausgesucht wurden, die keine Haartrockner (mehr) benutzen. Da die Geräte allerdings meist auch keine optische Bereicherung sind, gehören sie in die Kategorie Fehlinvestition. Auch Badbeleuchtung, die an einen OP-Saal erinnert, erfreut Frauen nicht.
Die meisten Hotels, auch die guten, teuren, scheinen da am liebsten auf die Sparvariante zurückzugreifen: Neonlicht oder Lichtquellen, die so platziert sind, dass sie das morgendliche Schminkritual zuverlässig zum Ärgernis machen. Hauptsache, der Innenarchitekt konnte sich austoben – die Bedürfnisse des Gastes treten in den Hintergrund.
Oft beginnt der Ärger schon, wenn man das Hotelzimmer betritt: „Herzlich willkommen, Herr Susanne Müller!“ verkündet die völlig überflüssige Begrüßung, sobald man den Fernsehapparat einschaltet. Schlechtes Benehmen, schlechtes Hotel. Eigentlich sollte man gleich abreisen.
Ganz anders beispielsweise die kleine Kette W-Hotels, die Häuser in New York betreibt. Dort hat man längst erkannt, was ein weiblicher Notfall ist, im „Emergency Kit“ befinden sich Lidschatten, Mascara und Parfum. Eine gute Idee ist auch der „Beauty Fridge“ im Maia Luxury Resort & Spa auf den Seychellen. Der kleine Kühlschrank hält Cremes und Schminkutensilien frisch. Natürlich überlebt man als reisende Frau auch ohne den Fridge. Aber es ist eben schön, ihn zu haben. Weil man sich willkommen fühlt.
Yoga und Damentisch
Im Hilton Hotel in London hat man nach Gästebefragungen „Women only“-Flure eingerichtet, im Abba Parque Hotel in Bilbao gibt es ein eigenes Stockwerk nur für Frauen. Das Hotel Mintrops Stadthotel Margarethenhöhe in Essen offeriert weiblichen Gästen im Notfall eine Ersatz-Strumpfhose. Kleiner Einsatz, große Wirkung. Im Hilton in Köln gibt es auf Wunsch Yoga-Matten und eine passende DVD auf den Zimmern.
Und im Stobo Castle in Peeblesshire (Schottland) essen weibliche Gäste auf Wunsch abends gemeinsam. Und wenn sie davor in die Sauna gehen, wissen gut geschulte Mitarbeiter: Der weibliche Gast wünscht sich meist, dort keinen fremden, nackten Männern zu begegnen. Mit Prüderie hat das nichts zu tun – mit gutem Service schon. (Seite 8) Silvia Meixner
