Editorial
Fußball-Fieber
Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur
Wovon träumt ganz Deutschland? Von einer erfolgreichen Fußballweltmeisterschaft. Doch was heißt erfolgreich? Vor einem Jahr noch waren die Erwartungen gewaltig. Denn beim Spiel um den Ball geht es nicht einfach ums Kicken, um eine gute Platzierung. Nein, das Schicksal der Nation steht auf dem Spiel(feld). Wie schon damals, 1954, als die Helden von Bern das Land aus einer tiefen Niedergeschlagenheit rissen, soll auch diesmal ein Ruck durch Deutschland gehen.
Was den Politikern nicht gelungen ist, könnten doch die Nationalspieler schaffen. Ja, die politische Klasse setzt selber auf das Großereignis – ein Eingeständnis eigener Wirkungslosigkeit. Und so hoffen alle, dass die wirtschaftliche Lage sich bessert, schlechte Stimmung und schlechter Ruf einem neunen Nationalgefühl und Renommee weichen.
Zugleich aber machte sich vor Beginn der WM ein Stimmungsumbruch bemerkbar, Folge einer übersteigerten Euphorie. Nicht nur das Vertrauen in Klinsmann und seine Truppe litt, sondern auch das in den guten Gastgeber Deutschland. Die Furcht vor rassistischen Übergriffen, vor dem hässlichen Deutschen geht um.
Jetzt, nach dem Anpfiff, überwiegen wieder die Hoffnungen. Auch das Gastgewerbe setzt auf die WM. Und auch hier mussten die Erwartungen heruntergeschraubt werden. Doch obwohl viele Hotelbetten leer sind, so ist das letzte Wort noch nicht gesprochen (

