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Gastkolumne

Gastgeber in der Zwickmühle

Von Hannes Finkbeiner

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2009/21 vom 23. Mai 2009

Rütteln wir einmal am Thron. Nicht, um den König Gast hinter seinem Rücken mit herablassendem Kopfschütteln zu verschmähen, wenn er morgens einen frisch gepressten Erdbeersaft ohne Kerne wünscht. Oder den letzten Gang ans Frühstücksbuffet nutzt, um sich die Brötchen für das Mittagessen zu schmieren. Diese Mentalität wurde ihnen schließlich über Jahre anerzogen: Es gibt kein Nein.

Es geht auch nicht um die ausgetrunkene Malteserfläschchen, die mit Wasser befüllt werden und zurück in die Minibar des Hotels wandern. Das ist nur lächerlich. Es geht um den unangenehmen Augenblick, wenn Stammgäste den Gastronomen zu Gastgeberschaft nötigen: das gemeinsame Fläschchen nach dem Abendservice – auf Gedeih und Verderb. Das ist keine Seltenheit, sondern gang und gäbe. Der Gastgeber gerät in eine Zwickmühle. Stammgäste sind ein immer selteneres Gut und man verprellt sie nicht.

Natürlich bilden sich auch geschäftliche Freundschaften, die gepflegt sein wollen. Natürlich machen es die Gastgeber oft gern. Natürlich gehört es für viele Gäste zu einem prestigeträchtigen Ritual ihres Urlaubs.

Aber Stammgäste verlieren oft ihre Sensibilität. Es interessiert nicht, ob der Arbeitstag des Gastronomen anstrengend war. Es interessiert nicht, dass der Gastgeber bis drei Uhr morgens ins Glas schaut und morgens um sechs aus der Wäsche – während die Gäste noch in der Koje liegen.

Gastronomie fordert ihren Tribut, Gastronomen müssen mit ihrer Energie haushalten. Irgendwann ist es nicht mehr möglich, zweimal in der Woche bis in die Puppen im eigenen Restaurant zu sitzen. Auch ein Gast muss sich gastlich verhalten und manchmal eben ein „Nein“ nicht akzeptieren, sondern verstehen.

Der Autor ist Restaurantfachmann und freier Journalist Nutzen Sie auch die Kommentarfunktion auf

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