Anzeige

Branche aktuell

Gute Geschäfte mit der Eitelkeit

Ob Five Star Diamond Award oder Gastro-Star – auch gekaufte Auszeichnungen bringen Glanz und Umsatz für das Gastgewerbe

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/50 vom 16. Dezember 2006
 Barbara Goerlich

BERLIN. Jetzt haben sie wieder gerichtet, die Schlemmer-, Feinschmecker- und sonstigen Bibeln. Für die einen hat sich das Bibbern gelohnt: Sie sind ausgezeichnet und geehrt worden. Die anderen, die nicht oder nicht ausreichend gut bedacht wurden, hadern mit sich, den Testern und der Welt.

Denn nur allzu gern schmücken sich Hoteliers und Gastronomen mit Auszeichnungen und Preisen. Sie hängen Plaketten „Von xy empfohlen“ an ihre Tür. Denn wer am Eingang mit einem Schild aufwarten kann, das den Betrieb als eines der „besten Hotels oder Restaurants“ ausweist, darf sich der Wirkung auf die Gäste sicher sein: Sie fühlen sich in der Wahl des Hauses bestätigt.

Wer keinen PreisTransaktionspunkt zwischen Angebot und Nachfrage eines Produkts bzw.
weiter mit Mausklick...
abbekommen hat, kann sich einen beschaffen. Hoteliers und Gastronomen, die sich von den großen Guides wie Michelin, Feinschmecker, Gault Millau & Co. ignoriert oder unzureichend bewertet fühlen, können bei anderen Preisen in Eigenregie ein bisschen nachhelfen. Der eine Veranstalter nennt es Vermarktungsgebühr, der andere erwartet als Gegenleistung die Ausrichtung der Party zum Preis, erhebt eine Gebühr für den anonymen Testbesuch oder einen Druckkostenzuschuss fürs Siegermagazin. Das System ist immer ähnlich. Die Konzepte gleichen sich auf verblüffende Weise. Denn egal, wer den Preis auslobt, ob er in den USA ersonnen oder im Hessischen geboren wurde: Es ist stets auch ein Geschäft mit den Eitelkeiten der Branche. Doch wie auch immer mancher Preis zustande kommen mag: Die Imagewirkung von Preisen und Auszeichnungen ist nicht zu unterschätzen. Selbst wenn Ansehen und Wert innerhalb der Branche nicht unumstritten sind, fühlen sich die Gäste, Lieferanten und Mitarbeiter bestätigt in der Wahl ihres Hotels oder Lokals, ihres Kunden oder Arbeitgebers. Und die Mitbewerber sind neidisch. Ganz billig ist das Preis-Vergnügen allerdings nicht immer. Wer seinen Betrieb auf internationaler Ebene mit einem Diamond Star Award positionieren möchte, muss mindestens 12.000 Dollar anlegen. Beim Gastro-Star ist man ab 300 Euro dabei (Seite 5,8).Barbara Goerlich


KommentierenDrucken
Begeisterung für den Kochberuf:<em> (von links) Martin Baudrexel und seine Kollegen Fred Nowack und Mario Kotaska<tbs Name=" width="125" border="0" align="left" class="orientation-landscape aspect-13" />
Auch interessant

„Die Küche muss wieder richtig duften“

Qualität ist machbar und keine Frage der Unternehmensgröße: „Hauptmanko ist es, zu vergessen, wie schön und verantwortungsvoll unser Beruf ist“, brachte TV-Koch Martin Baudrexel das für ihn größte „Geschmackshindernis“ auf den Punkt. mehr...

Weitere Artikel aus Archiv vom :

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige