Konzepte: Wirtshaus in der Au in München
Hier dreht sich alles um den Knödel
MÜNCHEN. Als Florian Oberndorfer das Wirtshaus in der Au 1993 übernahm, hieß seine Vision ganz klar „bayerisch“. Aber was ist das eigentlich? Schweinebraten und Schweinshaxe? Sicher, aber nicht nur. Der Knödel ist zwar lediglich eine Beilage. Oberndorfer schaffte sich damit aber ein Alleinstellungsmerkmal.
„Ich wollte es etwas anders machen“, sagt Oberndorfer. So spielte er mit den Knödeln auf kreative, originelle und vor allem schmackhafte Weise. Damit landete er einen Volltreffer. Mittlerweile entwickelte sich die Knödelkompetenz im Wirtshaus in der Au zur Submarke „Münchner Knödelei“ und ist sogar seit 2002 auf dem Münchner Oktoberfest präsent.
WEITERE BILDER ZUM ARTIKEL
Zwar stehen auf der Karte noch andere Gerichte, stets aber präsentieren Knödel in fünf bis sechs Versionen die Spezialität des Hauses. Der Rote-Beete- oder Tomaten-Oliven-Knödel, der Spinatknödel und die Variante mit Andechser Bio-Kas, auch mal süß wie der Schoko- oder der Topfenknödel. Das Angebot ändert sich saisonal. Natürlich bringt jetzt auch die neue Küchenchefin Andrea Seban als gebürtige Österreicherin viele neue Ideen ein.
Knödel-Kurs für Gäste
Als perfekte Abrundung des Themas bietet das Wirtshaus in der Au seit drei Jahren auch einen „Königlichen Knödel-Kochkurs“ an, in dem die Teilnehmer ihr Königliches Knödel-Diplom machen können. Und auch auf dem Oktoberfest gibt es jedes Mal originelle Highlights: wie den „Eckigen“, den Weißwurstknödel und den „Wiesn“-Knödel aus Almwiesen-Weizengras.
Mit den räumlichen Gegebenheiten hatte Oberndorfer großes Glück, selbst wenn der Zustand der Gaststätte 1993 verheerend gewesen war. Das denkmalgeschützte Gebäude, erbaut im Jahr 1901, strahlt viel Atmosphäre aus, mit Gewölben, Säulen und großen Fenstern. Das Münchner Unikum Karl Valentin war einst Gast hier. Daran erinnert der Wirt mit dem „Valentinssaal“ im ersten Stock, der für Festivitäten mit bis zu 250 Personen beliebt ist, vor allem bei Hochzeiten.
Im Erdgeschoss spielt für das junge Konzept die Cocktailbar mit langer Theke eine sehr wichtige Rolle. Das Ambiente rundum ist von legeren Holzbänken, langen sowie Hoch-Tischen geprägt und einer Deko, die mit alten Küchengeräten und bayerischen Utensilien die Detailverliebtheit des Wirtepaars Bettina und Florian Oberndorfer belegt. Dazu gibt es draußen noch einen kleinen Wirtsgarten mit Stehbereich unter hohen alten Kastanienbäumen.
Längst ist das Wirtshaus in der Au zu einem Anziehungspunkt für Nachbarn und Zugezogene geworden, ebenso wie für Banker und Manager, Familien, Senioren und junge Leute. Das war es, was Oberdorfer wollte. Der Erfolg hat viel mit der Kreativität des 47-jährigen Wirts zu tun. „Man darf nie stehen bleiben“, sagt der gebürtige Münchner, der nach dem Abitur eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolvierte und in verschiedenen Betrieben von Michael Käfer gearbeitet hatte. Unter anderem im P1, wo er Franz Rauch kennenlernte, mit dem er – damals gemeinsam mit Martin Kolonko – die ROK Gastronomie gründete.
Noch heute sind Rauch und Oberndorfer Geschäftspartner und zudem Teilhaber von Käfers P1, während Martin Kolonko eigene Wege geht. Das Wirtshaus in der Au ist allerdings Oberndorfers besonderes „Baby“ – und es macht ihm noch jeden Tag Spaß, wieder einmal etwas Neues auszuprobieren. Witzige Aktionen etwa wie die Luis-Trenker-Wochen mit Gipfelbuch und „Alpenpizza“ oder das zünftige Lederhosenfest im Sommer.
Zudem bereichert das selbstkreierte Auer Kraftbier die Getränkepalette ebenso wie der eigene „Valentin“-Weiß- und -Rotwein, die hausgemachten Bio-Limonaden und der Marillen-Secco. Kreativität gehört nach Oberndorfers Meinung ganz selbstverständlich zum Geschäft. „Ich mag das Wort ‚Erlebnisgastronomie’ nicht“, sagt er, „ich bin der Meinung, dass Gastronomie ganz grundsätzlich ein Erlebnis sein sollte. Und ich sage immer, man darf alles machen – es darf nur nicht nullachtfünfzehn sein“.
Mitarbeiter mit Ausstrahlung
So leger das Ganze nach außen wirkt, so perfekt organisiert ist der Betrieb hinter den Kulissen. Oberndorfer nennt sich selbst einen „Optimierungsfreak“. Er überlässt nichts dem Zufall. „Ich liebe Checklisten“, lacht er. Den Erfolg des Wirtshauses führt er auch auf seine ungewöhnliche Mitarbeiter-Auswahl zurück: „Ich suche meine Mitarbeiter fast nur noch nach Sympathie aus.“ Seiner Ansicht nach kann man alles lernen, die richtige positive Ausstrahlung aber muss man einfach in sich haben.“ Karin Gabler




