Erfolgreiche Gastronomie Die Kleineren (31)
Hier trifft sich die Prominenz
In Baden-Baden bedarf es eines originellen und guten Angebots, um das hier besonders zahlungskräftige Publikum zu überzeugen. Gastronom Michael Hertweck bewältigt diese Aufgabe im „Le Bistro“ seit der Übernahme im Jahr 1990 mit Bravour
BADEN-BADEN. Nicht nur Gäste, auch die Kunst belebt „Le Bistro“ in Baden-Baden. „Ich habe vor fünf Jahren auf Sylt eine Bildhauerin kennengelernt. Zunächst habe ich mir nur einen Engel gekauft, aber dann habe ich richtig zugeschlagen“, sagt Gastronom Michael Hertweck, der sein kunstsinniges Investment nicht bereuen musste. Im Gegenteil: „Ich habe das Gefühl, die Figuren ziehen mehr Kunden in das Haus.“
Für Atmosphäre sorgen die Skulpturen überdies, was auch viele prominente Gäste zu schätzen wiessen. Hans-Dietrich Genscher war schon hier, Unternehmer Rudolf August Oetker, die Moderatoren Dieter-Thomas Heck, Michael Steinbrecher und Frank Elstner, Fußballer Oliver Kahn, die Sänger Udo Jürgens und Tony Marshall, um nur einige zu nennen. Sie und die „normalen“ Gäste schätzen die lockere Stimmung, ebenso aber das Angebot von Küche und Keller. Die Weinkarte bezeichnet Hertweck als „mein Spezialgebiet“. Aus Baden sind Güter wie die Kaiserstühler Heger, Stigler, Keller und Salwey besonders gut vertreten. Stark ist er bei Italien, der ganze Stolz aber ist die Bordeaux-Kollektion mit einer Reihe bedeutender Bordelaiser Gewächse. Eher bistro-orientiert: die Küche. Einmal, nach einem Jagdausflug nach Sibirien, gab es eine „Bärenspeisenkarte“, einmal war sie als „offener Brief“ gestaltet, dann wieder durfte ein Maler seiner Fantasie freien Lauf lassen.
Krumme Preise fallen auf
Aktuell sind es vor allem die Preise, die auffallen. Die Spaghetti Carbonara KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
weiter mit Mausklick... 8,23 Euro, hinter der Wildschweinterrine steht 9,42, beim Schweinerückensteak sind es 12,36. Hertwecks Erklärung: „Das habe ich bei einem Italiener in München gesehen – eine gute Antwort auf eine Kampagne der Bild-Zeitung gegen die angeblich Preistreiberei während der Euro-Umstellung.“ Der Euro ist inzwischen schon Gewohnheit, aber Hertweck ist dennoch bei den originellen Cent-Angaben geblieben. „Die Leute reden darüber, das ist gut für uns.“ Daneben liegt, wer denkt, dem gebürtigen Baden-Badener Michael Hertweck wäre der Erfolg in den Schoß gefallen: Der Gastronom durchlebte bewegte, manchmal wirtschaftlich harte Zeiten. 1985, als 24-Jähriger, machte er seine erste Kneipe in Baden-Baden auf, das „Hertier“. Zwei Jahre später musste er mit 88.000 Mark Schulden^ Verbindlichkeiten.
weiter mit Mausklick... schließen, bewirtschaftete anschließend eine Tennishalle.
Das war der Wendepunkt. 1990 übernahm Hertweck „Le Bistro“, außerdem betrieb er zwischen 1993 und 1995 noch ein Ausflugslokal bei Achern. „Der Erfolg dort war allerdings mäßig“, erinnert er sich kühl. Umso vehementer investierte der Gastronom 1998 in sein Lokal. Mit einer Gesamtsumme von 800.000 Mark machte er aus dem ursprünglich kleinen „Le Bistro“ ein ausgewachsenes Restaurant. Die Lust am Risiko führte zwei Jahre später zur Gründung der Cafe-Bar-Lounge In der Trinkhalle auf dem Baden-Badener Kurgelände. Diesmal war es zwar kein Flop, aber verkauft wurde dennoch. Trotzdem tanzt Hertweck wieder auf zwei Hochzeiten, wenn auch nur indirekt. Seine Frau Dunja führt seit 2005 das CaféBewirtungsbetrieb mit Verkauf von Speisen, insbesondere von Konditoreierzeugnissen und sonstigen kalten Speisen, sowie damit verbundenem Verkauf von Aufgussgetränken - im Allgemeinen zum Verzehr an Ort und Stelle.
weiter mit Mausklick... L8, nicht weit entfernt in der Staatlichen Kunsthalle. Die Kunst, so scheint es, ist im Leben des Gastronomen eine feste Größe. Rudolf Knoll

