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Historisches Haus: Das Radisson SAS Hotel Schwarzer Bock in Wiesbaden ist Ziel und Höhepunkt einer Führung Foto: Hotel

Branche aktuell

Hotels sind auch ein Stück Kultur

Immer mehr Stadtführungen steuern Traditionshäuser an / Gastgeber können von Imagegewinn und Publicity profitieren

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/43 vom 27. Oktober 2007

STUTTGART. Führungen durch ihre Häuser bieten viele Hotels an. Doch nur wenige sind bislang bereit, ihre Türen auch für Stadtführungen zu öffnen. Mag es an der Anzahl an Nobelherbergen, mag es an stolzem Traditionsbewusstsein liegen: Berlin liegt im Angebot deutschlandweit an der Spitze. Hier wiederum ist das Hotel Adlon Kempinski federführend. „Mit seiner hundertjährigen Geschichte im Herzen von Berlin ist es seit jeher Anziehungspunkt vieler Berlin-Besucher“, heißt es dort. Das Adlon weist laut Info aus dem Hotel „verschiedene Themenbereiche auf, die für Besucher von Interesse sind und die sie in das Hotel führen: die Architektur und Gestaltung der Räume, die Geschichte des Hotels im 20. Jahrhundert, die Kunstgegenstände, das kulinarische Angebot oder auch die verschiedenen beruflichen Perspektiven, die ein Grand Hotel bietet“.

Beobachtungen, die Jens Wiese und Tina Knaus von Cityangels und Elke Melkus von Art:Berlin bestätigen. „Die Teilnehmer unserer Stadtführungen möchten die große weite Welt schnuppern, erleben, wo Prominente ihr Haupt betten, eintauchen in eine lange und abwechslungsreiche Geschichte“, so Jens Wiese.

Beide Anbieter von Stadt- und Kulturführungen freut es, dass das Adlon offen ist für ihre Besuche. „Auch wenn sich die Angestellten in Bezug auf bekannte Persönlichkeiten zu Recht bedeckt halten, erzählen sie dennoch genügend Anekdoten“, berichtet Wiese. Auch andere Hotels stehen auf dem Programm, bei Art:Berlin sind das etwa das Maritim Hotel oder das Ellington. Weitere Häuser zu gewinnen sei allerdings recht schwierig, so die Erfahrung der Veranstalter.

Die Hemmschwelle senken

„Wo kann man denn sonst 500 Jahre Geschichte erleben?“, fragt Franziska Hruby, Sales Representative vom Nobelhotel Schwarzer Bock in Wiesbaden. Dort sind das „Ingelheimer Zimmer“ mit der Holzvertäfelung aus dem 16. Jahrhundert, die historische Bibliothek und der Ballsaal im Rahmen der Führung „Grand Hotels der Jahrhundertwende“ die Highlights einer Führung. Anbieter ist der Wiesbaden Tourist Service. „Wir fühlen uns den Wiesbadenern immer schon nah und freuen uns, die Hemmschwelle gegenüber unserem 5-Sterne-Haus niedrig zu halten“, sagt Franziska Hruby.

Auch in München sind Hotels Ziel von Stadtführungen. Stattreisen bietet seit 2006 eine Tour in Münchner Nobelherbergen an. Ins Leben gerufen hat sie Diplom-Geografin Susanna Lajtos, die ihre Diplomarbeit über „Das hochwertige Hotelsegment in München“ schrieb und heute die Tour durchführt. Bemerkenswert: Viele Teilnehmer der Tour kommen aus dem Hotelgewerbe. „Azubis, Hoteliers gerade aus dem 3-Sterne-Bereich und ältere ehemalige Beschäftigte schätzen es, etwas über die ersten Häuser am Platz zu erfahren“, so Lajtos. Entsprechend sind aktuelle Tipps, Trends und Probleme für diese Klientel von großem Interesse.

In der Tat wird alles Wichtige vorgestellt – Geschichte, Personen, Image, Küche, Zimmer, Wellnessbereich. Doch bislang – das ist der Haken in München – sei man oft noch zögerlich, die Türen weit zu öffnen. Allerdings signalisiert eine zunehmende Zahl von Luxushotels deutliches Interesse an einer Kooperation.

In Hannover begnügt man sich indessen mit der Außenansicht. Vor Kastens Hotel Luisenhof gibt es interessante Details zu hören. Schlicht schade findet es Andreas Krämer von Stattreisen Hannover, dass er mit seinen Gruppen nicht ins Hotel eintreten kann. Er schwärmt von einer Stadttour durch Bern, veranstaltet von Stattland. Dort wird das Hotel Bellevue besucht, bei dem der Concierge mit spannenden Informationen über das Hotel aufwartet – verpackt in einen kleinen Sketch. Die schauspielerisch vermittelte Episode ist Teil der einstündigen Führung „Bern besucht – Der Staat hält Hof“. Hier werden auch Orte gezeigt, wo Staatsgäste empfangen werden und residieren, charakterisieren die Veranstalter ihr Programm. „In der Eingangshalle des Hotels Bellevue Palace, wo die Gäste normalerweise empfangen werden, erlebt die Gruppe etwas vom Glanz eines Staatsbesuches“, so die Veranstalter.

Überschaubarer Aufwand

Ob Berlin, Wiesbaden, München, Hannover oder Bern: Groß ist der Aufwand für die beteiligten Hotels nicht. Geschichten können alle erzählen, auch weniger renommierte Häuser. Wenn die Hausdame zwei- bis viermal jährlich durch Gästetrakt, Wellnessbereich oder Küche führt, dann ist die personelle Leistung überschaubar. Dazu kommen noch Kaffee und Tee, Gebäck oder Häppchen. Verpflegung, für die die Teilnehmer gerne selbst aufkommen. Profitieren können Hoteliers vom Imagegewinn, von der Publicity und vom Publikum, das Mundpropaganda macht oder womöglich selbst wiederkehrt – als zahlende Gäste.Katharina Knieß

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