Leserforum – Print & Online
HRS dreht an der Preisschraube & Azubis schieben Frust
„Erinnerung an den Sündenfall“ Zum Editorial von Chefredakteur Hendrik Markgraf auf ahgz.de und in AHGZ vom 28. Januar:
Genau nachgerechnet
„… warum noch immer kein eigenes Buchungsportal der Hotellerie? Vielleicht hat ja noch niemand genau nachgerechnet. Ausgenommen Google. Nach einer, zugegebenermaßen sehr vereinfachten, Rechnung hat jedes Hotel in Deutschland 2011 fast 44.000 Euro Provisionen bezahlt. Und das allein an die Buchungsportale. Das macht bei rund 18.000 Hotels um die 788 Mio. Euro. Eine Rechnung: 240 Mio. Übernachtungen in Deutschland 2011 sind bei 89 Euro pro Person und Nacht in der Summe 21.360 Mio. Euro. Und 25 Prozent der Buchungen über Buchungsportale sind 59 Mio. Buchungen, also 5251 Mio. Euro. Und 15 Prozent Provision sind 788 Mio. Euro bei rund 18.000 Hotels in Deutschland gleich 43.778 Euro Provision pro Hotel. Meine Quellen: Statistisches Bundesamt, Hotelverbande Deutschland (IHA), Hoteldirektorenvereinigung (HDV) und Hotel.com …“
Peter Löbel, St. Gallen
Gäste aufklären
„… HRS hat in den letzten Jahren eine Menge Kunden verloren, die immer öfter auf der Homepage der Hotels online buchen. Besonders Freizeitreisende und Urlauber nutzen HRS & Co. nur noch für die Hotelauswahl und googeln dann direkt das Hotel. Um diese entgangenen Umsätze mit auszugleichen, hat HRS seine Marktmacht spielen lassen und die Provision auf 15 Prozent erhöht. Wir müssen weiterhin mit allen Mitteln unsere Gäste aufklären, dass man nur direkt beim Hotelier das beste Angebot bekommt. Wir geben lieber dem Onlinebucher auf unserer Homepage einen Nachlass von 10 Prozent brutto als 15 Prozent netto Provision zuzüglich Mehrwertsteuer …“Andreas Hensel, Pirna
Mehr Selbstbewusstsein
„… endlich wird die Hotellerie wach und guckt wie das Geschäft günstiger ins Hotel kommen kann … Nur bestehen hier zwei Probleme. Das eine sind die Kosten. Nicht jedes Hotel kann sich einen Vertrieb leisten oder die Vertriebsmannschaft weiter aufstocken. Das zweite Problem ist, dass Privat-Hotels kaum noch Termine bei großen Konzernen bekommen, da diese lieber selbst mit den Key Accounts der Ketten und Kooperationen über Gesamtvolumenverträge reden wollen. In einigen Städten geben sich die Hotelverkäufer beim Kunden die Klinke in die Hand, was es generell nicht einfacher macht, überhaupt Termine zu bekommen. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass die eigene Webseite immer aktuell ist: mit guten Texten und aktuellen Fotos. Die Raten müssen immer aktualisiert werden. Am besten mit einem Channel Manager. Des Weiteren stellt sich die Frage, wieso die Hotels eine Ratenparität machen müssen. Jetzt ist es an der Zeit, die eigene Webseite mit einer besseren Rate als bei den anderen OTAs darzustellen. Es reicht auch mit einem bis fünf Euro Differenz. Schon werden sich die Gäste bei Trivago, Google Hotelfinder oder anderen dies zunutze machen und direkt auf der Hotelseite buchen. Wir müssen lernen, das Tool Internet besser und optimaler zu nutzen. Das bedeutet: nicht immer mit den Raten runtergehen oder die Provisionszahlungen zu erhöhen. Wir müssen aufrecht und selbstbewusst unsere eigene Ratenstruktur darstellen und noch erfolgreicher werden. Und natürlich helfen die besten Raten nichts, wenn die Qualität des Hotels schlecht ist und die Mitarbeiter unfreundlich oder arrogant sind. Deshalb muss intern alles gemacht werden, dass der Gast sich wohlfühlt und gerne zurückkommen möchte …“
Zeev Rosenberg, Berlin
Zum Beitrag „Azubis schieben Frust“ auf ahgz.de und in AHGZ vom 26. Januar:
Ursachenforschung betreiben
„… ich möchte an dieser Stelle nur mal darauf hinweisen, dass nicht alle Auszubildenden so sind. Ich gebe ja zu, auch ich schüttle so manches Mal den Kopf. Ich sehe es aber als unsere Aufgabe an, die Probleme nicht nur zu erkennen, sondern sie auch in Zusammenarbeit mit den Azubis zu lösen. Schnell wird ein Azubi auch mal als ‚Depp’ abgestempelt. Aber liegt der Fehler nicht dann bei uns? Haben wir uns nicht genug Zeit genommen, ihm alles zu erklären? Erwarten wir manchmal nicht einfach zu viel? Natürlich gibt es welche die wirklich nicht arbeiten wollen, aber die gab es auch schon früher …“
Simon Jäger, Hannover
Andere Bedürfnisse
„… die jungen Menschen von heute haben andere Bedürfnisse. Ihre Ansprüche und Gastronomie – das passt selten zusammen. Jeder Betrieb, der noch damit angibt, keine Überstunden zu bezahlen oder kein Weihnachtsgeld, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Azubis ausbleiben. Wir Älteren haben schon immer für diese schlechten Bedingungen gearbeitet. Leider!“
Peter Baake, Heusenstamm
Eltern einbinden
„… als Gastronom auf dem Lande habe ich ein nicht zu unterschätzendes Problem. Ich kann mich über die Zahl der Bewerbungen nicht beschweren. Im Gegenteil – und das ist unser Problem. Viele gute Stammkunden dienen uns ihre Töchter und Söhne geradezu an. Aber natürlich erst wenn sie festgestellt haben, dass zu einer attraktiveren Berufswahl einfach weder die schulischen noch sozialen Voraussetzungen vorhanden sind. Und dann muss man den Eltern freundlich, aber auch mit Bestimmtheit sagen, dass es nichts wird mit der Lehrstelle …“ Ursel Volk, Grünstadt
Mittelstand besonders betroffen
„… in den letzten drei Jahren ist die Zahl der qualifizierten oder besser gesagt ausbildungsfähigen Azubis für kleine und mittelständische Betriebe gleich null. Minus-Stunden auf dem Zeitarbeitskonto, pünktliche Bezahlung, regelmäßige zusammenhängende freie Tage …. ohne Erfolg. Die Azubis von heute sind bequem, körperlich und geistig nicht belastbar. Oder einfacher ausgedrückt: erschreckend! Andererseits können sich die großen Hotels alles erlauben, denn es warten 100 andere Azubis, die eine Ausbildung suchen. Allerdings war es vor 20 Jahren auch nicht anders. Wie hieß es vor vielen Monden? Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Aber diese Zeiten sind lange vorbei …“
AJK Horschau
Ausbilder sind gefragt
„… mich berührt so ein Beitrag zutiefst. Ich komme mir da immer wieder vor, als lebte ich auf einer Insel. Jahr für Jahr stelle ich zwei Azubis ein und ich hatte noch nie Grund zur Klage. Gut, vielleicht war der eine oder andere etwas sperrig. Zumindest in der Anfangsphase. Aber dann ist die Qualität des Ausbilders gefragt …“ Frank Meester, Ulm
