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Im Streit um die Lastschrift

EU vereinheitlicht Zahlungsverkehr bis Ende 2009 / Hotelverband befürchtet hohe Kosten

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/24 vom 14. Juni 2008
 Stefanie Reinhardt

BERLIN. Das Hotelzimmer entweder mit EC-Karte, Kreditkarte oder Bargeld bezahlen – viele Hotels bieten ihren Gäste diesen Service an. In Restaurants zahlen Gäste häufig mit ihrer EC-Karte und einer Unterschrift. Dieses Verfahren ist sicher, bequem und unkompliziert. Und es ist typisch deutsch.

Doch die Tage des beliebten deutschen Lastschriftverfahrens mit EC-Karte und Unterschrift könnten gezählt sein. Wenn es nach der EU geht, steht ein Nachfolger schon in den Startlöchern. Mit dem sogenannten Sepa-Lastschriftverfahren macht die EU einen weiteren Schritt in Richtung eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes in ihren Mitgliedsstaaten. Die Brüsseler Politiker haben beschlossen, dass die 27 EU-Staaten die Sepa-Richtlinien bis Ende 2009 in nationales Recht umsetzen müssen. Die deutsche Bundesbank unterstützt das Vorhaben der Politiker. Sepa sorge für mehr Sicherheit und einen fairen Wettbewerb.

Eigentlich begrüßt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des deutschen Hotelverbandes in Berlin, die Idee der Sepa. Trotzdem sieht er zwei große Probleme für Hoteliers und Gastronomen: höhere Gebühren und jede Menge Umstellungsarbeit. „Die Details, wie das deutsche Lastschriftverfahren auf Sepa umgestellt wird, sind bislang unklar“, kritisiert Luthe. „Vor allem bei kleinen Beträgen, in Höhe von 20, 50 oder 100 Euro, die Gäste per Lastschriftverfahren bezahlen möchten, rechnen wir mit hohen Gebühren“, befürchtet Luthe. „Wir wollen das preisgünstige deutsche Lastschriftverfahren nicht einfach aufgeben“, betont der Hauptgeschäftsführer.

Mit seinen Befürchtungen steht der Hotelverband nicht allein da. Auch andere Wirtschaftsverbände vermuten, dass die Umstellung auf Sepa mit hohen KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
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verbunden ist. Der deutsche Einzelhandelsverband und der Sparkassenverband wehren sich gegen den Wechsel vom deutschen Verfahren zur neuen Sepa-Lastschrift. Größtes Problem sei, dass die heute bestehenden Einzugsermächtigungen aus rechtlichen Gründen nicht weitergeführt werden könnten. Bankkunden müssten ihre Zustimmung für laufende Lastschriftverfahren mit einer Unterschrift erneuern. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels fordert deshalb, das derzeitige Verfahren der Einzugsermächtigung beizubehalten. „Das Bezahlen per EC-Lastschrift sei für den Kunden absolut sicher“, betont Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Einzelhandelsverbands. Beide Systeme könnten nebeneinander betrieben werden, meint er.

Der Bundesverband deutscher Banken beruft sich dagegen auf die Vorteile des neuen Sepa-Lastschriftverfahrens. Per Sepa-Lastschrift könne nicht nur national, sondern auch grenzüberschreitend bezahlt werden. Das Verfahren biete mehr Sicherheit für den Zahlungspflichtigen bei Abbuchung der Beträge. Außerdem sei klarer geregelt, wie unberechtigte Lastschriften zurückgefordert werden. Die Bundesbank räumt Kreditinstituten und Unternehmen außerdem eine Übergangsfrist ein. Stefanie Reinhardt


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