Branche aktuell
Intergastra mit Besucherrekord
Klotzen statt kleckern: Bei der Stuttgarter Fachmesse trotzt die Branche allen Widrigkeiten / Trends in der AHGZ Arena
STUTTGART. Die Intergastra auf dem neuen Stuttgarter Messegelände war ein Publikumsmagnet. Bereits am vierten Tag zählte die fünf Tage dauernde größte Branchenschau in Süddeutschland so viele Gäste, wie vor zwei Jahren an sechs Tagen, teilte die Messeleitung mit. Insgesamt 78.000 Fachbesucher informierten sich in den neuen Hallen über Neuheiten der Zulieferindustrie. Ein Plus von gut 10 Prozent: Zur Intergastra 2006 waren rund 70.000 Gäste gekommen.
Auch die Aussteller zeigten sich zufrieden. „Das ist ein guter Messestandort und ein guter Gegenpol zur Internorga in Hamburg. In München tut sich dagegen nicht viel“, sagte Heinrich Brunner, Verkaufsleiter Deutschland bei Convotherm. Auch die Nachbarschaft zum Flughafen sei ideal. Rund 900 Aussteller, 25 Prozent mehr als 2006, präsentierten ihre Neuheiten zum Teil in spektakulären Bauten, die mit dem schlichten Wörtchen Messestand nicht annähernd treffend beschrieben wären.
Partner mit gutem Rat
Allein der DEHOGA entfaltete sich in Halle 5 auf 2600 Quadratmetern zu voller Pracht, um unübersehbar die Kompetenz als ratgebender Partner des Gastgewerbes zu verdeutlichen. Über allem schwebten Plakate mit einem freundlich lächelnden baden-württembergischen DEHOGA-Präsidenten Peter Schmid und anderen Mitgliedern. Und das alles in Ausmaßen, wie man es sonst nur von Werbe-Ikonen wie Heidi Klum oder Kate Moss gewohnt ist. Think big. Das dürfte sich gelohnt haben: Rege Nachfrage an den Beratungsschaltern zu Hotelklassifizierung, Recht, Energiesparen.
Volle Ränge vor der Show-Bühne bei Fachvorträgen und Kochvorführungen. Jubel, Trubel, Heiterkeit bei den flott choreografierten Berufsmodenschauen, Gedränge vor den gedeckten Tischen des Wettbewerbs Couvert d’Or und bei den Kochkunstschauen. Marietta Schweizer vom Restaurant Hahnen in Filderstadt ließ sich gerne von den filigranen Fingerfood-Kreationen inspirieren: „Früher hat unser Betrieb auch mitgemacht und viele Medaillen gewonnen.“
Neben den Neuheiten spielten Trends und Weiterbildung eine wichtige Rolle auf der Intergastra. In der Halle 3 gaben auf der Aktionsbühne der AHGZ Arena die Meister ihres Fachs ihr Wissen weiter, um die Motivation der Besucher zu stärken, sie mit neue betriebswirtschaftlichen Impulsen oder innovativen Kochtechniken vertraut zu machen (Seiten 6 und 7). Spitzenkoch Heiko Antoniewicz ließ bei seiner Vorführung keinen Zweifel daran, dass die molekulare Küche Zukunftsperspektiven hat. In ein paar Jahren werde man den Begriff sicher nicht mehr verwenden. „Nur die Techniken, die werden bleiben“, so seine Einschätzung.
Geblieben ist schließlich auch das Thema Kaffee. In Halle 6 hatte sich ein beeindruckendes Aufgebot renommierter Maschinenhersteller und Röstereien versammelt. Der Kaffee in der Gastronomie habe sich sensationell verbessert, doch jetzt sei die Zeit reif für eine tiefergreifende Professionalisierung. Das wünschten sich unter anderem die Verkäufer von Siebträgermaschinen, wie Roberto Pampanin. Die Bedienung dieser Geräte erfordert eine gewisse Kunstfertigkeit. „In Italien ist der manuelle Betrieb eine Selbstverständlichkeit“, sagte Sabrina Marin, die auf der Intergastra die historischen Espressomaschinensammlung der Collezione Enrico Maltoni präsentierte. Im Stiefelland gibt es sogar ein Qualitäts-Siegel für die Gastronomie, das signalisiert: Hier steht ein echter Barista hinterm Tresen. Schade, dass keiner dieser Meister sein Können auf der Showbühne weitergab. Vielleicht beim nächsten Mal.
Moderne Technik hilft
In der Food-Halle 7 witterten die Zulieferer gute Geschäfte mit Rohstoffen und Convenience-Produkten in Bio-Qualität. Zu Recht. Messebesucher Waldemar Fretz, Inhaber des Hoepfner-Burghofs in Karlsruhe, darf seit Anfang Februar mit dem Hinweis auf Bio werben und bietet nun jeden Tag zu 16,90 Euro ein Menü aus ökologisch erzeugten Zutaten an. Obendrein profitiert er vom Preisvorteil durch seine Mitgliedschaft in einer Einkaufsgenossenschaft: „Ich bekomme die Bio-Produkte etwa 10 Prozent günstiger.“ Den Rabatt-Joker kann er bei 15 Lieferanten ausspielen – vom klassischen Großhändler bis zum Naturkosthändler ist alles dabei.
Gutes Geschäft auch für die Einrichter und Ausstatter. Jürgen Jahn von der Firma Zorn: „Ich habe in den vergangenen drei Monaten wegen des Nichtraucherschutzes 20 Trennwände eingebaut.“ Des einen Freud’ ist des anderen Leid. DEHOGA-Chef Peter Schmid wies bei der Eröffnung auf die Schwierigkeiten der Branche hin. In das Thema Rauchverbot scheint zwar etwas Bewegung zu kommen und Ministerpräsident Günther Oettinger versprach in seiner Rede, die Branche zu fördern. Aber das wird weder an der Mehrwertsteuererhöhung noch an den steigenden Energiekosten etwas ändern.
Umso wichtiger wird es, Kostendruck durch entsprechende Technik entgegenzuwirken. Ein Signal in diese Richtung setzt der auf der Intergastra verliehene Gastro Innovationspreis. (Seite 13). Die vom DEHOGA Baden-Württemberg und der AHGZ initiierte Auszeichnung geht in diesem Jahr unter anderem an den zeit- und energiesparenden „Airblade“-Händetrockner der Dyson GmbH. Die Firma BHS Tabletop AG erhält den Innovationspreis für ein automatisiertes Abrechnungssystem in der Gemeinschaftsverpflegung. Kernstück sind dabei die Teller, die dank eines integrierten Transponders speichern, was der Gast in der Kantine aufgeladen hat.
Spannende Wettbewerbe
Wie immer trugen auch in diesem Jahr hochkarätige Wettbewerbe zur Attraktivität der Messe bei. Siegerin beim Barmaid-Festival wurde die Saarbrückerin Christina Schneider. Wohlfühl-Ambiente in gläsernen Kugeln – mit ihrem Konzept „Mood Pebbles“ haben vier Studentinnen der Fachhochschule Salzburg den von der Zeitschrift Gastronomie-Report ausgeschriebenen Wettbewerb „Restaurantwelten der Zukunft“ gewonnen. Die Ergebnisse der anderen Wettbewerbe standen bei Redaktionsschluss noch nicht fest. (Seiten 4, 6-8, 13, 26) Micaela Buchholz
www.intergastra.de
