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gegen nikotin und alkohol

Italien greift durch

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/3 vom 22. Januar 2005

Italien hat die Raucher vor die Tür verbannt. Durchgesetzt hat es Gesundheitsminister Girolamo Sirchia. Die Raucher müssen ihrer Sucht jetzt im Privaten nachgehen. Vor allem die Gastronomie hatte gegen die strengen Auflagen heftig protestiert. Im Süden sollen nur zwei Prozent Lokale separate Räume für Raucher eingerichtet haben, im Norden sollen es immerhin acht Prozent sein. „Zu kostspielig“ beziehungsweise „architektonisch nicht machbar“ lauten die Argumente aus dem Gastgewerbe, das mit heftigen Umsatzeinbußen und leeren Lokalen rechnete. Gleich zu Beginn der neuen Regelung ein paar (symbolische) Strafen. So stellte die Polizei etwa in Neapel eine Minute nach Mitternacht einen Raucher in einer Bar und verhängte ein Bußgeld. Zwischen 27.50 und 275 Euro betragen die Strafen für Raucher, in die tausende geht das Bußgeld für Gastwirte. Das neue Gesetz will, dass die Wirte den Gast anzeigen, der sich trotz des Verbots einen Glimmstengel ansteckt. Doch hier weigern sich die Gastronomen vehement: „ Wir verpfeifen doch nicht unsere Kunden,“ wehren sie sich. Allenfalls wollen sie ihre Gäste höflich und nachdrücklich auf die neuen Regeln hinweisen: Die befürchteten Einbußen beim Umsatz sind bisher ausgeblieben. Einige Restaurant- und Pizza-Betreiber rechnen sogar in der Zukunft mit mehr Gästen.

Während in Neapel, Rom und Mailand die Raucher bereits auf der Straße stehen, ziehen sie in Bozen noch genüsslich in der warmen Gaststube an ihrer „Bionda“. Die Landesregierung in Südtirol hat bestimmt, dass hier das Verbot erst ein halbes Jahr später in Kraft treten wird.

Noch wird über die neue Regelung mehr oder weniger heftig diskutiert, da zeichnet sich aus dem Gesundheitsministerium in Rom schon die nächste Ungemach ab. Und wieder sind die Gastronomen davon unmittelbar betroffen. Gesundheitsminister Girolamo Sirchia’s nächste Offensive gilt dem Alkoholgenuss von Jugendlichen. „Bereits mit zwölf Jahren konsumieren die meisten italienischen Jugendlichen Alkohol,“ will der Politiker wissen. Das sei zu früh, denn Alkohol, der von Jugendlichen unter 16 Jahren getrunken werden, wirke auf den Körper wie Gift. Sirchia hat deshalb schon eine große Werbekampagne gegen den Alkoholgenuss von Jugendlichen vorbereitet. Sie soll demnächst starten. Derzeit trinken 77 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Italien Alkohol. Die Gastronomie sieht auch bei dieser Kampagne rot und ihre Umsätze schwinden. Immer lauter werden die Stimmen die behaupten, dass Sirchia mit diesen Maßnahmen von vielen Unzulänglichkeiten im italienischen Gesundheitssystem ablenken wolle. Ein Beispiel: Für Vorsorgeuntersuchungen müssen in Italien oft Wartezeiten von über einem halben Jahr hingenommen werden.

Ingrid Sachsenmaier

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