Hotellerie
Kameha zieht positive Bilanz
BONN. Optimismus am Rhein: Für das erste Geschäftsjahr von Januar bis Dezember 2010 präsentierte das Kameha Grand Bonn seine Bilanz: 16 Mio. Euro Umsatz, eine Belegung von 60 Prozent und eine Nettodurchschnittsrate von 130 Euro. „Viel besser, als ich es erwartet hatte“, sagt Carsten Rath, „zumal die ersten drei Monate schlecht liefen. Da spürten wir noch die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise.“ Angaben zum Gewinn wollte Rath nicht machen.
Der CEO und Gründer der Lifestyle Hospitality & Entertainment Management AG, die das Bonner 5-Sterne-Hotel konzipierte und betreibt, trotzte vorerst Skeptikern, die angesichts der hohen Investition die Rentabilität angezweifelt und ihn vor dem Standort gewarnt hatten. „Ich hielt Bonn für die meist unterschätzte Stadt Deutschlands“, sagt er. Die Befürchtungen anderer Hotels, das Kameha Grand schnappe ihnen vor allem Konferenz-Kunden weg, ist seiner Ansicht nach nicht eingetroffen. „Die Kollegen haben keine Umsätze verloren. Also sind sie dazu gekommen. Und das tut Bonn nur gut.“
Den Boom im Business-Bereich verdanke das Kameha Grand seinem Herzstück, dem Dome. „Er ist unsere Lebensversicherung, ohne ihn würden wir ein Drittel weniger Umsatz machen“, vermutet Rath. Eine solche Multifunktionsfläche für bis zu 2000 Personen gebe es in Deutschland kein zweites Mal. Das locke Kunden an den Rhein, die sonst nie auf Bonn gekommen wären. Mit Autopräsentationen, Pharmakongressen, Tanzabenden oder Konzerten des Beethoven-Orchesters wird er vielfältig genutzt. Dass das Life&Style-Hotel während der Woche vom Tagungsgeschäft leben würde, war Carsten Rath klar. „Überrascht hat mich, dass sich das Wochenende so gut vermarkten ließ.“
Internationaler Gäste-Mix
Dazu trugen vor allem Pauschalangebote wie das Rheinland-Package und das Siebengebirgs-Package bei. Sie wurden nach der Devise „weg von daheim und doch in der Nähe“ ganz bewusst für den regionalen Gast geschnürt, oft in Kooperation mit Reiseveranstaltern. Ebenfalls überrascht hat Rath der internationale Gäste-Mix. 73 Prozent kamen aus Deutschland, der Rest aus dem umliegenden Ausland und der Schweiz, aus Großbritannien, den USA und Russland/Ukraine. Der 5-Prozent-Gästeanteil aus den arabischen Staaten hob speziell im sonst kargen Monat August die Auslastung – es waren Medizintouristen, die sich in Bonn behandeln ließen.
Das Kameha Grand gewann schon im ersten Jahr so wichtige Architektur-Preise wie den Mipim Award der Immobilienbranche in Cannes. Der Schlummer-Atlas kürte das Haus zum „Hotel des Jahres 2011“ und zeichnete Rath als „Hotel-Manager des Jahres 2011“ aus. Seit sechs Monaten steht Rath mit Thomas Kleber ein ausgewiesener Grandhotelier zur Seite.
In seiner Bilanz lieferte der Hotelchef auch Zahlen aus Küche und Keller. Für das Kameha Grand mussten 35 Kühe, 55 Schweine und 425.88 Freilandhühner ihr Leben lassen. Es wurden 1005 Fässer Bier und 3225 Flaschen Champagner geleert. Was Rath besonders freut, sind die gastronomischen Weihen. Die Brasserie Next Level erhielt 14 Gault-Millau-Punkte, den Yo Sushi Club wählte das Feinschmecker-Magazin unter die besten drei Fischrestaurants in Deutschland. „Unser Etappenziel haben wir erreicht“, sagt Rath. „Jetzt können wir neue Projekte in Angriff nehmen.

