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Konzepte

Ländliche Idylle: Das Kartoffel-Hotel in der Lüneburger Heide spricht Naturliebhaber an. Sie bekommen hier Wellness mit der Knolle Foto: Alexander Schmolke (2), Hotel

Konzepte: Kartoffel-Hotel in der Lüneburger Heide

Kartoffeliger geht es nicht

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/26 vom 25. Juni 2011
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LÜBELN. Wer keine Kartoffeln mag, sollte lieber einen großen Bogen um dieses Hotel machen: Hier bekommt der Gast Kartoffel-Gesichtspackungen, feiert Pellkartoffel-Partys, isst Kartoffelwürste und trinkt Kartoffelschnaps aus ausgehöhlten Kartoffeln. Willkommen im 1. Deutschen Kartoffel-Hotel in der Lüneburger Heide.
 
Auch wenn das „1.“ Im Namen suggeriert, dass es noch ein zweites, drittes, viertes Kartoffel-Hotel gibt – gibt es nicht. Der Betrieb in Lübeln ist einmalig. Die Idee dazu entstand Ende der Achtzigerjahre, als Joachim und Gerlinde Stehr Verwöhnwochenenden in ihrem Hotel gegen Naturalien anboten. So wollten sie an Hafer und Stroh für ihre Pferde kommen, doch auch Äpfel oder Kartoffeln waren willkommen. Die Aktion war ein Erfolg, die Bauern reisten in Scharen an. Dass jedoch wegen des damals niedrigen Kartoffelpreises fast alle mit Erdäpfeln zahlten, war nicht geplant. Und so hatten die Stehrs bald einen Kartoffel-Berg vor dem Haus.
  Spezialität Bratkartoffeln
 
Der Sohn und heutige Hotelchef Olaf Stehr erinnert sich gut, wie seine Eltern überlegten, was sie mit Zigtausenden Kartoffeln anfangen sollten. Ihnen fielen zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten für die Knolle ein, und sie entwickelten das Konzept für ein Kartoffel-Hotel. 1991 wurde es eröffnet. „Damals dachte ich, die beiden wären durchgeknallt“, sagt Stehr. Heute weiß der 41-Jährige: „Die Idee meiner Eltern war genial, die Kartoffel lässt sich als roter Faden durch jeden Bereich des Hotels ziehen.“
 
Beispiel Wellnessbereich: Es gibt Kartoffelbäder und Kartoffel-Gesichtspackungen, auch eine Kartoffeldiät können die Gäste machen.
 
Beispiel Hotelzimmer: Sie sind nach Kartoffelsorten wie „Granola“ oder „Cilena“ benannt, die Zimmerschlüssel hängen an einer Tonkartoffel, auf dem Tisch steht Kartoffelschnaps.
 
Beispiel Aktionen: Das Hotel lädt zu Kartoffel-Kochkursen oder Pellkartoffel-Partys auf dem Acker, bei denen die Teilnehmer, klar, vor dem Essen Kartoffeln sammeln.
 
Und selbstredend spielt die Kartoffel auch im Restaurant die Hauptrolle: Kartoffelgulasch, Kartoffeltorte, Kartoffelstäbchen, Kartoffelcremesuppe und natürlich Bratkartoffeln, die Spezialität des Hauses.“ Alle Gerichte, aber auch Marmelade oder Kekse sind haus- und handgemacht“, betont Stehr. Zudem setze man seit dem ersten Tag auf Regionales: Eingekauft wird beim Bauern oder Imker von nebenan, über die Zubereitung diskutiert Küchenchef Bernd Bluhm gern mit den Landfrauen aus der Nachbarschaft.
 
Dass Regionalität heute der wohl größte Gastro-Trend ist, findet Stehr gut: „Ist doch schön, dass plötzlich in ist, was wir seit 20 Jahren machen.“ Sein Hotel, Mitglied im Verbund „Regionale Esskultur“, probiert auf allen Kanälen, die Küche der Lüneburger Heide anzupreisen. Etwa mit dem Internetblog www.blog-heidefarmen.de , der jeden Tag das Rezept eines neuen Kartoffelgerichts präsentiert.
 
Die Hauptzielgruppe des Hotels sind WellnessEigenständiges Wort, das in der englischen Sprache seit mindestens 350 Jahren existiert und sich nicht - wie immer wieder behauptet - aus den Begriffen "wellbeing"und "fitness"zusammensetzt.
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- und Naturfans. „Bei uns waten die Gäste im Vogelgezwitscher durch den eiskalten Müllerbach.“ Zudem vermarktet sich Lübeln als „Hochzeitsdorf“ – inklusive traditionelles „Danz op de Deel“ im Hotel. Und Stehr bespielt auch den Eventmarkt, lädt zu Planwagenfahrten durch die Heide oder zum „Bauern-Dreikampf“ mit Gummistiefelwerfen, Wettnageln und Schubkarrenrennen ein.
 
Alle Gäste zusammen haben 2010 für das zweiterfolgreichste Jahr der Hotelgeschichte gesorgt – mit einer 60-prozentigen Zimmerauslastung. Stehr ist damit zufrieden. „Wir liegen weit ab vom Schuss, zufällig kommt keiner vorbei, daher müssen wir um jeden Gast hart kämpfen“, sagt der Hotelier und fügt hinzu: „Dass alleine die Existenz des Hauses ein USP ist, hilft da natürlich.“
  Eigener Youtube-Kanal
 
Der Begriff USP steht für „Unique Selling Proposition“, also für Alleinstellungsmerkmal, und zeigt, dass Stehr sich für Marketing interessiert. Sein Hotel ist auf Facebook, Flickr oder Twitter vertreten. „Aber man twittert nicht zweimal, und schon ist das Haus voll“, sagt der Hotelinhaber. „Social Media sind eine gute Ergänzung zu Standards wie Homepage oder Pressearbeit.“ Sogar einen eigenen Youtube-Kanal hat Olaf Stehr eingerichtet. Darauf unter anderem zu sehen: Sprechende Kartoffeln, die das Hotel vorstellen und ein Video mit dem schönen Titel: „How to make Bratkartoffeln“. Kartoffeliger geht es wirklich nicht! Alexander Schmolke


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