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Gastronomie Die Kleineren (10)

Keine Spur von typisch griechisch

Als das Ilyssia vor zehn Jahren in Kassel öffnete, war es in der nordhessischen Stadt ein Trendsetter. Mancher Gastronom hat versucht, den Stil zu kopieren. Das sprach für das griechische Restaurant, das immer noch da ist – mit kontinuierlichem Erfolg

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/50 vom 16. Dezember 2006
 Silke Liebig-Braunholz

KASSEL. Die blaugelbe Farbe an den Wänden und die großen Palmen sind gewichen. Heute überwiegen dezente, hellbraune Töne. Die Tischdekoration wirkt schlicht und gibt dem Ilyssia ein Flair, das man sonst eher in der gehobenen Gastronomie findet. Edel und nicht überladen. Der Gast soll sich wohl fühlen, wenn er Platz nimmt auf den Holzstühlen an den weiß eingedeckten Tischen.

„Wir wollen unsere Gäste nicht zum großen Menü zwingen. Sie sollen selbst entscheiden, ob sie viel oder wenig verzehren wollen. Wer sich bei uns nur ein paar entspannende Stunden bei einem guten Glas Rotwein gönnen möchte, kann auch das gerne tun“, sagt Inhaber Evangelos Doukas. Er hat sich im Jahr 1996 mit dem Ilyssia selbstständig gemacht, nachdem er seine Ausbildung zum Koch abgeschlossen hatte. „Ich wollte beruflich etwas erreichen“, sagt der 36-Jährige.

Der wirtschaftliche Anfang allerdings war schwer. Die Banken gaben keinen Kredit und die damalige Vertragsbrauererei finanzierte nur die Inneneinrichtung. Wesentlich teurer waren die eigentlichen Bauarbeiten: Das Haus wurde extra für das zweistöckige Restaurant geplant, gebaut und schließlich über Familienkredite finanziert. „Das hätte auch nach hinten los gehen können. Aber der Standort hier in den gehobeneren Vierteln von Kassel war so gut, dass wir von Anfang an zahlungskräftige Gäste hatten“, erzählt der Wirt.

Seine Frau Sofia Vassiliou war immer an seiner Seite. Wenn Evangelos Doukas in der Küche stand, organisierte sie den Service. Und dies mit einer Warmherzigkeit, die viele Gäste begeisterte.

Gastronom mit Prinzipien

„Wir haben im Oktober eröffnet und schon in den schwachen Monaten Januar und Februar ein volles Haus gehabt“, erinnert sich Doukas, der die Gäste schon früh mit seiner Kochkunst überzeugte. 20 Hauptgerichte und vier Menüvorschläge finden sich auf der häufig wechselnden Speisekarte. Neben griechischen Klassikern pflegt der Patron die mediterrane Küche. Fisch- und Lammgerichte sind echte Renner. Dazu findet Sofia Vassiliou immer einen guten Wein. Viele bekannte Winzer aus Griechenland, wie etwa Tsantalis oder Gerovassiliou, werden empfohlen. Serviert werden die edlen Rebensäfte flaschenweise.

Am Konzept hat sich in all den Jahren nichts geändert. Vor allem die Qualität hat nie nachgelassen. Sogar während der Euro-Umstellung, als die Zeiten schwer waren, verzichtete Doukas nicht auf seine Prinzipien. Dazu gehörten auch in dieser Zeit das gute Olivenöl aus Kreta sowie weitere hochwertige Rohprodukte, die in der Küche verarbeitet werden. „Aus Qualitätsgründen habe ich mich auch vom Mittagstisch wieder verabschiedet“, sagt Doukas. Weil er zu dieser Zeit nicht selbst in der Küche stehen konnte, ließ er den Mehrumsatz sausen und vollendete lieber sein Abendangebot. Den UmsatzWertmäßige Erfassung des Absatzes einer Unternehmung.
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habe er mit dieser Strategie locker wett gemacht. Fest steht: Doukas Anspruch macht, zusammen mit dem Faktor Mensch, den Erfolg des Hauses aus. Die gesamte Ilyssia-Mannschaft besteht aus neun Mitarbeitern, wobei allein drei Familienangehörige mithelfen. Seit Sofia zum zweiten Mal Nachwuchs bekam, sind auch die Geschwister von Evangelos im Team. Die Gäste wissen, dass auch Maria, Vassiliki und Kosta für „ihr“ Ilyssia leben. Doukas: „So kann es gerne weitergehen. Wir sind zufrieden und freuen uns, wenn die Gäste es auch sind.“ Silke Liebig-Braunholz


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