Köche wollen, Kinder nicht
Gastro-Umfrage zur Kinderkarte: Gesundes zieht gegen Schnitzel-Pommes den Kürzeren
STUTTGART. Kreative, gesunde Gerichte für Kinder? Diesen Anspruch hat offenbar fast jeder zweite Gastronom: In einer AHGZ-Umfrage gaben gut 46,2 Prozent der Befragten an, ihre Kinderkarte mit derartigen Speisen zu bestücken. Aber: Bestellt wird dann doch meist Pommes rot-weiß.
Stephan Ruhmöller vom Restaurant Ruhmöller in Saerbeck winkt beim Thema Kinderkarte genervt ab. Er versuche es wirklich, berichtet er: Ob gebratener Fisch mit Gemüse oder Rostbratwürstchen mit Salat. „Alles, was ich in der Küche höre, ist: einmal Schnitzel-Pommes“, so Ruhmöller. Sogar das selbstgemachte Apfelmus dazu bestellen die Eltern häufig ab. „Isst mein Kind eh nicht“, heißt es dann. Ähnliche Erfahrungen macht das Bremer Ausflugslokal Emma am See: „Unsere Gemüsesticks versauern ebenso wie der Tomaten-Gurken-Salat, stattdessen werden zu 95 Prozent Schnitzel und Pommes oder Spagetti mit Tomatensauce bestellt“, sagt Geschäftsführer Frank Hallmann. So erleben es auch seine Kollegen, mit denen er sich zum Thema Kinderkarte austauscht.
Gut 30 Prozent setzen laut AHGZ-Umfrage auf die ewigen Favoriten Schnitzel und Pommes – und werden dafür kritisiert: „Ich finde es ätzend, dass es für Kinder immer nur Fischstäbchen, Hähnchennuggets und Spagetti gibt“, regt sich eine gewisse „rosenma“ im Internetforum einer Elternzeitschrift auf. Angesichts der Erfahrungen von Ruhmöller und Hallmann geht die Kritik am Kern vorbei: Wirte würde Kindern gerne etwas Gesundes vorsetzen – nur wird es meistens einfach nicht bestellt. alex