Anzeige

Branche aktuell

Konkurrenz aus dem Handel

Kaufhaus-Restaurants und Shop-Imbisse verbuchen starke Zuwächse / Klassische Gastronomie kontert mit Qualität

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/50 vom 16. Dezember 2006
von

STUTTGART. Jahresumsätze im dreistelligen Millionenbereich sind in der so genannten Handelsgastronomie keine Seltenheit. Doch darüber, wie ernst die Konkurrenz
weiter mit Mausklick...
von Karstadt, Dinea, Ikea und Co. tatsächlich zu nehmen ist, gehen die Meinungen auseinander.

„Wir haben kein Problem damit“, sagt Jean-Philippe Demougeot, Inhaber des Lokals Kitchenette im Zentrum von Köln. „Was wir machen, ist ziemlich einmalig und dadurch haben wir keine Konkurrenz.“ Viele Gäste nutzen das Take-Away-Angebot des Restaurants, das seit fünf Jahren steigenden Erfolg melden kann.

Ähnlich selbstbewusst geben sich viele Gastronomen in den Shopping-Hotspots der großen Städte. „Ich denke, dass wir mit unserem Essen und unserem Service überzeugen“, so Personalleiterin Turan vom „Bohne & Malz“. Seit Jahren behauptet sich erfolgreich die trendige LocationMeist außergewöhnlicher Ort für Feste, Filmaufnahmen sowie sonstige Veranstaltungen bzw.
weiter mit Mausklick...
direkt am Münchner Marienplatz. Gleiches gilt für „Hofer – Der Stadtwirt“. „Keine Probleme“, gibt hier GeschäftsführerBezeichnung für das Leitungsorgan der Gesellschaft mit beschränkter Haftung .
weiter mit Mausklick...
Stipe Krajinovic zu Protokoll, ebenso wie Guido Schweighart, Inhaber des „Guido al Duomo“ neben der Münchner Frauenkirche, der seinen Erfolg der gehobenen Qualität und Preisklasse seines Angebots zuschreibt. Schwierig ist es nur für die anderen: „Die Kollegen im mittleren Preissegment haben damit schon Probleme“, so der Gastronom.

Gelassene Gastronomen

Ebenso gelassen ist Alexander Stein, Inhaber des „Grill and Green“ in der Hamburger Innenstadt: „Es ist eine Situation, die nicht neu ist“, so Stein. „Es tangiert unsere Gäste nicht, die wollen ordentlich essen und nicht irgendwas im Stehen.“

Diese vielfach beobachtete Geringschätzung der gastronomischen Qualität in Malls oder Metzgereien steht in krassem Gegensatz zu ihrem tatsächlichen Erfolg. Der hat viele Gründe. Tempo, Qualität, günstige Preise und Serviceorientierung führt Ellen Maldaner-Münst von der Pressestelle der SSP (früher Mitropa) an. Auch bei Esso stellt man die Verzehrgewohnheiten einer mobiler gewordenen Gesellschaft in den Mittelpunkt, sieht sich aber aufgrund unterschiedlicher Zielgruppen nicht als Konkurrenz zur klassischen Gastronomie, wie Pressesprecherin Gabriele Radke betont.

Unbestrittener Vorteil der Kaufhausgastronomie sind die ohnehin vorhandenen Kundenströme, erklärt Peer Tiedjen, Marketingleiter bei LeBuffet (Karstadt). Die Frische des Angebots und das moderne Ambiente machen den Erfolg aus, so Tiedjen. Eindringlich beschwor denn auch Trendexperte, Berater und Gastronom Pierre Nierhaus die Gefahren im Februar 2006 auf der Intergastra: „Vor allem das Mittagsgeschäft wird für die klassische Gastronomie langfristig verloren gehen.“ Neue Anbieter wie Bäckereien, Pizza-Services, Tankstellen und so genannte Convenience-Shops in Einkaufszentren hätten dem Tagesgericht in der Eckkneipe längst den Rang abgelaufen. Denn Zeit sei Geld. Wer auf die geänderten Bedürfnisse der Kunden reagiere, habe eine Überlebenschance.

Ähnliche Umsatzkurven

Wird die Mahnung gehört? Ein Blick auf die Statistik macht durchaus Hoffnung. In der von rückläufigen Umsätzen geplagten Gastrobranche verbuchte zwar die Handelsgastronomie im Jahr 2005 ein Plus von 2,8 Prozent (aktuellere Daten waren bei Redaktionsschluss nicht erhältlich). Allerdings: 2004 hatte der Anstieg noch 5 Prozent betragen. Insbesondere die großen Kaufhausgastronomien verzeichnen stagnierende oder gar deutlich rückläufige Umsätze (siehe Kasten). Gleichzeitig weist der DEHOGA
weiter mit Mausklick...
fürs erste Halbjahr 2006 einen deutlich gebremsten Umsatzschwund des gesamten Gaststättengewerbes aus: Nur noch 0,8 Prozent betrug der Rückgang gegenüber 2,7 Prozent im Jahr 2005 und 4,2 Prozent für 2004. Die getränkeorientierte Gastronomie darf sich jetzt sogar über ein Umsatzplus von 0,8 Prozent freuen.

Handelsgastronomie und klassische Gaststätten nähern sich also derzeit in ihren Werten wieder an. Auch die Erwartungen der Gastronomie für den Zeitraum Oktober 2006 bis März 2007 sind weniger pessimistisch als für den letzten Winter. Vielleicht haben die selbstbewussten Innenstadt-Gastronomen ja wirklich Recht. Barbara Euler


KommentierenDrucken
Begeisterung für den Kochberuf:<em> (von links) Martin Baudrexel und seine Kollegen Fred Nowack und Mario Kotaska<tbs Name=" width="125" border="0" align="left" class="orientation-landscape aspect-13" />
Auch interessant

„Die Küche muss wieder richtig duften“

Qualität ist machbar und keine Frage der Unternehmensgröße: „Hauptmanko ist es, zu vergessen, wie schön und verantwortungsvoll unser Beruf ist“, brachte TV-Koch Martin Baudrexel das für ihn größte „Geschmackshindernis“ auf den Punkt. mehr...

Weitere Artikel aus Archiv vom :

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel

Anzeige