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Branche aktuell

Kontroverse um Rauchverbot

Auf politischer Ebene gehen die Sichtweisen auseinander / DEHOGA bleibt bei seiner Linie

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/50 vom 16. Dezember 2006
 Christoph Aichele

BERLIN/MÜNCHEN. „Wir sind sehr überrascht von der bayerischen Kehrtwende. Sie vereinfacht die Sache nicht“, sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des mitgliederstarken DEHOGA
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Baden-Württemberg. Regelrecht verärgert ist man auch beim Bundesverband in Berlin. „Der Föderalismus tobt nicht nur in der Politik“, stellt Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges fest. Sie bringt dem jüngsten Vorstoß des Bayerischen Hotel- und Gaststätten-Verbandes (BHG) wenig Verständnis entgegen. Noch am 20. November waren sich die DEHOGA-Delegierten bei ihrer Versammlung – bis auf eine Gegenstimme – einig: Gesetzliche Reglementierungen werden abgelehnt.

Nach wie vor setzt der Bundesverband auf freiwillige Lösungen. Gleichzeitig warnt der DEHOGA vor Einbußen durch Rauchverbote. Doch der BHG schert aus: Kurz nachdem das bundesweite Rauchverbot aus verfassungsrechtlichen Gründen vom Tisch war, forderte der VorstandNeben der Hauptversammlung und dem Aufsichtsrat eines der drei Organe einer Aktiengesellschaft.
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des zweitgrößten DEHOGA-Landesverbandes überraschend ein Verbot in allen Restaurants, Kneipen, Discotheken und Bierzelten. Damit geht man bewusst weiter als der bayerische Ministerpräsident, der ein Rauchverbot in Restaurants will. Allerdings mit Ausnahmen, beispielsweise in Bierzelten oder Gaststätten mit abgetrennten Räumen. „Der Ruf seitens der Gäste nach einem deutlich größeren Angebot für Nichtraucher wird täglich lauter“, begründet BHG-Präsident Siegfried Gallus den Meinungsumschwung.

„Immer mehr Wirte befürworten eine einheitliche Regelung. Auch, um die Chancengleichheit zu bewahren“, so Gallus, der sich mit einer überwältigenden Mehrheit von Gästen einig sieht. „Die Zustimmung liegt bei etwa bei 90 Prozent.“

Ob die BHG-Mitglieder das genauso sehen, bleibt abzuwarten. In München zumindest sorgte Gallus’ Forderung für Unmut. Vor allem ein Verbot im Bierzelt stößt auf Widerspruch. „Wir sind stocksauer“, sagte Toni Roiderer, Sprecher der Wiesnwirte. „Kein Qualm in Bierzelten? Das halte ich für Unsinn“, pflichtet Michael Käfer bei. Gastronom Helmut Faulwasser (Kleine Schmausefalle) befürchtet Umsatzeinbußen: „Durch ein Rauchverbot im ganzen Lokal würden wir viele Gäste verlieren.“ „Wir sind voll dafür“, meint hingegen Thierry Leoncelli vom Restaurant Blauer Bock am Viktualienmarkt. Ähnlich sieht es Andrea Mungeano vom Corretto.

Welche Konsequenzen der BHG-Vorstoß im Vorfeld des „Rauchergipfels“ mit Kanzlerin Merkel hat, war bei Redaktionsschluss noch unklar. „Unsere Forderung ist revolutionär. Wir wollten die Politiker aufrütteln“, so Siegfried Gallus zur AHGZ. „Den Schwarzen Peter haben wir damit zurückgegeben.“Christoph Aichele


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Leser-Kommentare zum Artikel (1)

Udo Hattwig, 85757 Karlsfeld
Udo Hattwig, 85757 Karlsfeld

17.12.2006 um 15:02

Betreff: Kommentar zum Artikel

Sehr geehrte Damen und Herren

Fakt 1: Die Nichtraucher müssen geschützt werden
Fakt 2: Um die Chancengleichheit in der Gastronomie zu gewährleisten, kommt nur ein generelles Verbot in Frage. Alles andere kostet nur Geld, bevorzugt die Schankwirtschaften und benachteiligt die kleinen Geststättten.
Die ganze Welt wird über uns lachen, wenn wir nicht ein der Lage sind, dies bundeseinheitlich zu regeln. Vielleicht finden sich ein paar Angestellte aus der Gastronomie, die ihr Recht auf giftfreien Arbeitsplatz einklagen. Kann mir nicht vorstellen, dass Richter dies ablehnen werden.
mfg Udo Hattwig

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