Märkte und Unternehmen
Krise schlägt mit voller Wucht zu
BERLIN/STUTTGART. Das Gastgewerbe leidet unter der Finanz- und Wirtschaftskrise. Besonders die Hotellerie spürt den wirtschaftlichen Einbruch mit „voller Wucht“. Das sagte DEHOGA-Präsident Ernst Fischer in Berlin bei der Vorstellung des aktuellen Branchenberichts Sommer 2009 – Ausblick Winter 2009/10, dessen Tendenz die Ergebnisse des jüngsten AHGZ-Monitors in vielen Punkten bestätigt (AHGZ vom 21. November 2009).
Als „katastrophal“ bezeichnete Fischer die Lage der Geschäftsreise- und Tagungshotellerie. „Solide mittelständische Betriebe, die in Deutschland tausendfach Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern, stehen völlig unverschuldet mit dem Rücken zur Wand“. Wie dramatisch die Lage ist, zeigen Zahlen aus Nordrhein-Westfalen. Das Gastgewerbe dort hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 10,5 Prozent seines Umsatzes verloren. Die Einbußen sind damit rund doppelt so hoch wie im Bundesschnitt.Laut der aktuellen Konjunkturumfrage des DEHOGA, an der sich 4000 Hoteliers und Gastronomen beteiligten, hat fast jeder zweite Beherbergungsbetrieb (44,5 Prozent) zwischen April und September 2009 Umsatzeinbußen verzeichnet. Ein Jahr zuvor lag der Anteil der Umsatzverlierer noch bei 26,6 Prozent. Nur knapp jedes dritte Hotel (31,9 Prozent) konnte den Umsatz steigern (Vorjahr 42,4 Prozent). Ursache hierfür sind der Umfrage zufolge sinkende Auslastungsquoten in 40,2 Prozent der Betriebe sowie weiter fallende Zimmerpreise. Besonders in den Großstädten und Geschäftszentren wirkt sich die Sparsamkeit der Unternehmen und der Reisenden massiv aus. Weniger Gäste und sinkende Preise bringen viele Betriebe an den Rand der Existenz. Die teils erfreuliche Entwicklung der Ferienhotellerie an den Küsten habe dies nicht kompensieren können, so Fischer. Besorgniserregend ist auch die Lage der Gastronomie. Sinkende Gästezahlen in 41,4 Prozent der Betriebe und weniger Pro-Kopf-Ausgaben führten zu weniger Umsätzen.
Fast die Hälfte der Gastronomen (45,4 Prozent) setzte in der warmen Jahreszeit weniger um als im Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen sind Fullservice-Restaurants, Sterne-Gastronomen und Caterer. Also Betriebe, die in nennenswertem Umfang vom Firmengeschäft abhängig sind. Außerdem würden viele Gäste in diesen Zeiten verstärkt Sonderangebote nutzen. „Davon profitieren außer dem Quickservicesegment wie Hamburger-Restaurants, Back-Cafés oder Pizzalieferdienste vor allem aber auch der Einzelhandel und die Tankstellen“, stellte Fischer fest.
Fast die Hälfte der Gastronomen (45,4 Prozent) hat Angst vor einer weiteren Eintrübung der Konjunktur und befürchtet im Winterhalbjahr Umsatzverluste (Vorjahr 48,6 Prozent). Und 52,2 Prozent kalkulieren mit geringeren Erträgen (Vorjahr 58,3 Prozent). Nur knapp jeder Fünfte (18,3 Prozent) glaubt an Umsatzsteigerungen (Vorjahr 17,6 Prozent).
Wenig optimistisch blicken auch die Hoteliers in das Winterhalbjahr: Nur 12,3 Prozent der Beherbergungsunternehmen gehen davon aus, von Oktober 2009 bis März 2010 ihren Vorjahresumsatz ausbauen zu können. Damit ist der Anteil der Umsatzoptimisten auf den schlechtesten Wert seit Sommer 2004 gesunken. 49,3 Prozent der Hoteliers rechnen mit weiteren Umsatzrückgängen. Das sind über 10 Prozent mehr als bei der Umfrage ein Jahr zuvor (38,4 Prozent).
Fischer unterstrich, dass Hotellerie und Gastronomie in Deutschland mehr als 1 Mio. Arbeits- und 100.000 Ausbildungsplätze sicherten. „Die standortgebundenen Unternehmer des Gastgewerbes sind sich ihrer wichtigen gesellschaftlichen Funktion bewusst. Nur mit fairen Rahmenbedingungen werden sie dieser Verantwortung auch künftig gerecht werden können“, erläuterte Fischer und bekräftigte die Forderung nach Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Hotellerie, so wie im Wachstumsbeschleunigungsgesetz vereinbart (Seite 1). Zugleich machte Fischer deutlich, dass auch für die Gastronomie die massiven Wettbewerbsnachteile endlich beseitigt werden müssten.