Branche aktuell
Mehr Betten, weniger Ertrag
Die Übernachtungszahlen in Deutschland steigen im ersten Halbjahr 2007 / Umsätze und Zimmerraten stagnieren
STUTTGART. Freud und Leid in der Hotellerie: Obwohl die Übernachtungszahlen – bei größerem Bettenangebot – im ersten Halbjahr 2007 gestiegen sind, stagnieren Umsatz und Zimmerraten. Zu diesem Fazit kommt das Münchner Treugast Institut in seinem jüngsten Trendgutachten Hospitality.
Für die Zunahme der Übernachtungen sorgten Gäste aus dem In- und Ausland. Lag die Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben im ersten Halbjahr 2006 noch bei knapp 155 Mio., stieg sie im gleichen Zeitraum 2007 um 3,3 Prozent auf zirka 160 Mio. Allein in den Hotels nahm die Zahl der Übernachtungen um 2,7 Prozent zu (AHGZ vom 11. August).
Diese Ergebnisse führten allerdings nicht zu den erhofften Zimmerraten. Im Gegenteil: Fast alle Städte (außer Bremen, Freiburg im Breisgau, Dresden, Kassel, Rostock und München) mussten nach Angaben von Deloitte eine Abnahme hinnehmen. Am meisten verloren Leipzig (-11,9%) und Essen (-10,95%). München (+12,3%) und Rostock (+15,1%) zählten bei den Zimmerraten zu den Top-Gewinnern. Bestätigt werden diese Zahlen auch durch das wöchentlich erscheinende AHGZ-Barometer–ermittelt von MKG Consulting.
„Dies zeigt“, so Treugast-Präsident Stephan Gerhard, „dass die Stadthotellerie, die 2006 noch am meisten von der Fußball-WM profitierte, vor einem schwierigen Gesamtjahr 2007 steht“.Insgesamt sind die Preise nach der WM um zirka 9 Prozent gesunken. Dies geht aus der aktuellen Analyse des Buchungsportals Hotels.com hervor. Hingegen hat Hotels.com ermittelt, dass die Hotelpreise in anderen europäischen Ländern im zweiten Quartal 2007 einen Höchststand erreicht haben – plus 5,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Pro Nacht und Zimmer zahlten Reisende in Europa durchschnittlich 132 Euro. Am teuersten waren im zweiten Quartal die Zimmer in Venedig (204 Euro), London (176 Euro), und Genf (173 Euro). In Deutschland lagen in diesem Zeitraum Düsseldorf (129 Euro) und Stuttgart (122 Euro) an der Spitze.
Stark zu kämpfen haben die deutschen Hotelbetriebe 2007 mit finanziellen Belastungen durch gestiegene Mehrwertsteuer, Energie- und Lebensmittelkosten. „Logisch, dass die Ertragsituation der Betriebe mäßig bleibt“, so Gerhard. Obwohl laut Angaben des Statistischen Bundesamtes das Gastgewerbe im ersten Halbjahr 2007 nominal 0,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum umgesetzt hat, handelte es sich real um einen Verlust von 2,1 Prozent. In der Gastronomie ist die Lage dabei schlechter (nominal -0,7%, real -3,3 %) als in der Hotellerie (nominal +1,6 %, real -0,8 %) (AHGZ vom 18. August). Für Zuwächse in der Hotellerie sorgen weiter Wellness- und Gesundheitsangebote. Insbesondere der medizinische Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung. „Ferienhotels, die sich in den vergangenen Jahren bereits mit Wellnessofferten profilieren konnten, bietet der Medical-Wellness-Trend Potenzial für neue Zielgruppen“, heißt es in dem Treugast-Gutachten.
Der Trend zu Medical Wellness führt auch zu einer Renaissance der Kurorte. Immer mehr Investoren zeigen Interesse an veralteten Gebäuden und Kureinrichtungen. Werden diese Anlagen auf einen technisch neuen Stand gebracht und mit einem qualitativ hochwertigem Gesundheitskonzept unterlegt, „steht einem Revival der Kurorte nichts mehr im Wege“, erläutert Treugast-Präsident Gerhard. Weiterhin auf dem Vormarsch ist die Budgethotellerie. Wie die etablierten Accor-Marken und die Münchner Gruppe Motel One versuchen immer mehr Gesellschaften, in diesem Hotelsegment Fuß zu fassen. Außer der britischen Unternehmensgruppe Easy, die mindestens 10 Hotels in Deutschland eröffnen will, haben auch die französischen Ketten B&B (AHGZ vom 4. August) und Louvre Hotels (mit der Marke Campanile) ehrgeizige Pläne (Seite 9). Die Treugast rechnet damit, dass Angebot und Nachfrage in der Budgethotellerie weiter zunehmen werden – zu Lasten der Privathotels, Gasthöfe und Pensionen.
Konkurrenzdruck bekommt die Budgethotellerie allerdings zunehmend von den Hostels. Auf den Markt drängen außer dem Marktführer A&O Hostels&Hotels die Meininger Gruppe und die österreichische Wombat’s City Hotels. Rüdiger Rüster
