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Die Low-Carb-Bewegung in Amerika setzt vom Höhenflug wieder zur Landung an

Mehr Mode als Methode

Von Ulrich Jungk, Chefredakteur

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/3 vom 22. Januar 2005

Selbst ganzjährig eher seriös daherkommende Publikumstitel machen in diesen noch frühen Tagen des neuen Jahres auf Waschbrettbauch und knackigen Po. Die Anklage in dicken Lettern ist nicht zu übersehen: Runter mit dem Winterspeck! Aber natürlich mit uns und dieser Ausgabe. Soundsoviel Kilo weniger in nur einer Woche. Mein Verstand schlägt sich auf die Seite meines Bauches. Leichtes Lesefutter für die Figur-Fetischisten, lästert er. Aber die Botschaft ist allgegenwärtig. Mobilmachung im Kampf gegen überflüssige Pfunde. Gut bestückte Kioske werden im Vorfrühling zum Spiegel, aus dem dich die Unvollkommenheit des eigenen Körperbaus teuflisch angrinst. Ich halte dagegen: Mein Bauch gehört mir. Aber die Diät-Flüsterer brüllen mich geradezu an. Selbstmord mit Messer und Gabel! Ich in der Rolle des nimmersatten Triebtäters, den es immer wider an den Tatort des gedeckten Tisches zurücktreibt. Von allem zuviel, dafür zu wenig Bewegung! Wer hat der Presse mein Patienten-Stammblatt zugespielt?

Ich fasse für mich und das Problem den hilfreichen Entschluss: Mensch, gehe in Dich und bleibe dort!

Wäre nur der Hunger auf dieser Welt etwas gerechter verteilt, die vielen Diät-Moden und Schlankheitsformeln hätten global kaum eine Chance. Aber so ist keine Nation davor gefeit, dem Massenphänomen einer Diätbewegung oder Ernährungstheorie – zumindest zeitlich befristet – in die Fänge zu geraten. Uncle Sam kann ein Lied davon singen. Die Begeisterung der Amerikaner für Atkins und seine Theorie, wonach der Körper gerade dann Fett verbrennt, wenn er hauptsächlich Fett zu sich nimmt, lässt zwar wieder deutlich nach, hatte aber zuvor die Nation in den Grundfesten ihrer Essgewohnheiten erschüttert.

Amerika feierte das Fett in vollen Zügen. Low Carb, high Fat“ – „iss Fett – meide Getreide“! Ein Ruf wie Donnerhall, der schnell und massiv in den Vereinigten Staaten so an Popularität gewonnen hatte, dass er die gesamte Ernährungsindustrie kräftig durcheinander wirbelte. Kohlenhydratreiche Produkte wie etwa Brot oder Nudeln fanden sich unversehens auf dem Index der Konsumverweigerung wieder. Wer hingegen sein Business mit Fleischprodukten oder Eiern betreibt, der sah sich plötzlich im satten Umsatzplus. Hausse für Frühstücksspeck, Nüsse und Käse – Baisse für Müsli & Co. Der Trend hinterließ auch in der Gastronomie Spuren des Verzichts: Restaurants reichten den Gästen kein Brot mehr, Imbissketten servierten Hamburger ohne das vor Fettfinger bewahrende Brötchen.

Indes erklären Kenner den Low-Carb-Höhenflug für beendet. Die Zahl der US-Amerikaner, die angeben, auf eine kohlenhydratarme Ernährung zu achten, ist im letzten Quartal 2004 auf nur noch knapp über vier Prozent zusammengebrochen. Auf dem Höhepunkt der Fieberkurve waren es fast doppelt soviel.

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