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Mit Bio gegen Fettsucht

Gastronomie und Hotellerie begrüßen „Nationalen Aktionsplan“ der Bundesregierung / Gesundes Essen auf der Karte

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/27 vom 5. Juli 2008

STUTTGART. Die Deutschen sind zu dick: 37 Mio. Erwachsene und 2 Mio. Kinder und Jugendliche leiden laut Gesundheitsministerium unter Übergewicht oder gar Fettsucht (Adipositas). Diesem Problem will die Bundesregierung mit einem „Nationalen Aktionsplan“ zu Leibe rücken. Dieser nimmt auch die Gastronomen in die Pflicht und verlangt von ihnen einen Beitrag zur Abhilfe. Die begrüßen das Vorgehen für mehr Lebensqualität mehrheitlich und wagen beispielsweise die Umstellung auf Bio.

So offeriert Martin Kolonko im Café Forum, das zu seiner Münchner Rok Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Betriebs KG gehört, Szenegängern, Müttern und Business-Leuten auch eine Bio-Karte. Als erfolgreicher Marathon-Läufer weiß der drahtige Gastronom um die Bedeutung ausgewogener Ernährung und motiviert seine Mitarbeiter, den mit dem Bio-Angebot verbundenen Mehraufwand mitzutragen. Der Erfolg gibt ihm Recht: Die Bio-Karte kommt hervorragend an – und ist ein probates Mittel, sich vom noch überwiegend „Bio-losen“ Münchner Mitbewerb abzugrenzen.

„Gesunde Alternativen sollten selbstverständlicher Bestandteil des Angebotes sein“, so der Appell des „Nationalen Aktionsplans“ an die Gastronomen. Schließlich essen rund ein Viertel der Bundesbürger einmal täglich auswärts. Das Papier wendet sich aber nicht nur an Restaurants, sondern will über die häufigsten Ursachen der Fettleibigkeit aufklären. Dieses Vorhaben ist längst überfällig. Denn infolge falscher Ernährung und Bewegungsmangel leiden ein Viertel der Deutschen an Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem gibt es rund 4 Mio. Diabetiker.

Diese Entwicklung zu stoppen, hat sich auch Marcell Kästner, Küchen- und Wirtschaftsdirektor im Maritim pro Arte Hotel Berlin, auf die Fahnen geschrieben. 15 Prozent Bio verzeichnet sein Haus – Tendenz steigend.

„Motor für Kollegen und Mitbewerber“ möchte Kästner sein. „Wir sind das erste Bio-zertifizierte Tagungshotel in Berlin und Brandenburg“, betont er. Ausschlaggebend dafür war allerdings nicht die Ministeriumskampagne. Kästner hatte sich bereits im vergangenen Jahr zur Zusammenarbeit mit der CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH entschlossen, die mit der Kampagne „Bio. Mir zuliebe“ angetreten war. Die CMA und das Unternehmen ÖGS (Ökologischer Großküchenservice) lotsten das Hotel erfolgreich durch die Bio-Zertifizierung.

Einen Betirag für bessere Ernährung leistet auch der Szenegastronom Michi Kern. Er bietet in seinem veganen Lokal Saf im Zerwirk in der Münchner Altstadt bereits seit 2005 gesundheitsbewusste Gerichte an. Die werden von Gästen jeden Alters geschätzt, denn die auf Fleisch und Tierprodukte verzichtende vegane Küche ist nicht nur tier- und umweltfreundlich, sondern hat auch cholesterinarme Gerichte auf der Speisekarte.

Oft schreckt Hoteliers und Gastronomen jedoch die Hürde der Bio-Zertifizierung ab. Hilfe gibt es vom DEHOGA, der in der Broschüre „Bio mit Brief und Siegel in Gastronomie und Hotellerie“ erklärt, wie Betriebe mit den Worten „Bio“ oder „Öko“ werben.

Auch die CMA liefert mit ihrer Kampagne Informationen und darüber hinaus persönliche Beratung und Mitarbeiterschulungen. Der Aufwand lohnt sich. „Mittlerweile erreichen den DEHOGA immer mehr positive Rückmeldungen gastgewerblicher Unternehmer, die nach einer erfolgten Zertifizierung mit Bio-Produkten gute Erfahrungen gemacht haben und das Bio-Siegel als Gütesiegel gern nutzen“, berichtet Rechtsanwalt und DEHOGA-Geschäftsführer Jürgen Benad. Barbara Euler

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