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DEHOGA-Branchentag: Politische Prominenz, Fachvorträge und Gala / Wirtschaftsminister Glos bewegt sich beim Jugendarbeitsschutz
BERLIN. „Unsere Branche ist ein starkes Stück Wirtschaft! 56 Mrd. Umsatz, 1 Mio. Beschäftigte, 100.000 Auszubildende – Hotellerie und Gastronomie sind die Hauptleistungsträger der Tourismusindustrie in Deutschland“, schlug Ernst Fischer, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), gleich zu Beginn seiner Rede einen scharfen Steilpass. Den nahmen die geladenen Gastredner Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Guido Westerwelle, Bundes- und Fraktionsvorsitzender der FDP; und Fritz Kuhn, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen beim dritten DEHOGA-Branchentag in Berlin in ihren Redebeiträgen gern auf.
Einigkeit herrschte in der Frage der vom DEHOGA-Präsidenten angesprochenen Mini-Jobs. „Die 400-Euro-Regelung bleibt“, äußerte sich der Wirtschaftsminister eindeutig und schloss auch eine Absenkung aus.
Unterschiedlicher waren die Meinungen zur Forderung Fischers – er bezeichnete die Mehrwertsteuererhöhung als gewagtes konjunkturelles Experiment – nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent für die Branche. FDP-Chef Westerwelle konnte darauf verweisen, dass seine Fraktion bereits einen entsprechenden Antrag im Bundestag eingebracht hat.
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Der Bundeswirtschaftsminister erklärte hingegen, er habe die Absicht gehabt, den gesamten Bereich „Mehrwertsteuer“ neu zu ordnen, sei allerdings am Widerstand des Finanzministers gescheitert.
Der Grüne Fritz Kuhn plädierte gegen den reduzierten Satz und favorisierte eine einfache Regelung ohne viele Ausnahmen und eine europaweite Harmonisierung. Möglich scheint zukünftig, fasst man die Politikeraussagen zusammen, eine Lockerung des Jugendarbeitsschutzgesetzes mit einer Verlängerung der Arbeitszeit zumindest bis 23 Uhr. Gegebenenfalls zuerst einige Jahre probeweise, wie Bundesminister Glos sich vorstellen konnte.
Mit Westerwelle stimmte er zudem überein, dass leichtere Einstellungsbedingungen nötig seien, also der Kündigungsschutz flexibilisiert werden müsse. Eine Maßnahme, die sich der DEHOGA schon lange auf die Fahne geschrieben hat.
Beim Nichtraucherschutz legte sich der grüne Fraktionsvorsitzende eindeutig fest. Er erteilte Fischers Vorstoß nach Abwehr eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie eine Absage. „Die Gesundheit hat oberste Priorität“, so Kuhn: „Die Grünen sind für ein absolutes Rauchverbot.“ Michael Glos sah in diesem Punkt immerhin noch begrenzte Spielräume. So hofft er, dass es nicht zu sechzehn verschiedenen Länderregelungen kommen werde
Der Nachmittag des gut besuchten Branchentages gehörte den Fachvorträgen von Bernd Michaels über neun neue, auch für die Branche interessante Werbetrends, sowie von Management-Trainer Lutz Herkenrath über Strategien für ein sicheres Auftreten und eine bessere persönliche Präsenz.
In einer lockeren Talkrunde mit den vier Branchengrößen Thomas Althoff (Althoff Hotels & Residences), Gerd Käfer (Feinkost Käfer), Roland Mack (Europa-Park) und Günter Steinberg (Hofbräukeller/Hofbräu-Festzelt) erfuhren die rund 700 Gäste im Publikum, dass das Erfolgsgeheimnis des Quartetts eigentlich kein Geheimnis sei. „Man muss einfach immer einen Tick besser sein“, so Thomas Althoff. Oder, noch besser, wie Gerd Käfer alles verkaufen können. Egal, ob 20.000 Staubsauger oder Bulgari-Schmuck. Zum Abschluss des Tagesprogramms wurde DEHOGA-Präsident Fischer zum Turner. Für den „Dreifachen Berliner“ musste er sich zusammen mit Reckweltmeister Eberhard Gienger und dem Turnakrobaten Bernd Effing ans Reck hängen. Der Präsident als Vorturner: Das gefiel dem Publikum.
Hochzufrieden zeigte sich am Abend Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. „Der Branchentag hat sich als Top-Event der Hotellerie und Gastronomie etabliert, mit begeisterten Teilnehmern aus der gesamten Bundesrepublik.“ Es habe sich gezeigt, „dass sich die Verbandsarbeit lohnt und die Anliegen der Branche von der Politik ernst genommen werden“, so die Hauptgeschäftsführerin weiter. Grund für ihre gute Laune war auch die fröhliche Stimmung auf der vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit zuvor eröffneten Gala.
Begeisterungsstürme entfachte Ex-Bundesminister Karl-Heinz Funke, der ein leidenschaftliches Plädoyer für den Genuss hielt. „Menschen werden durch Genuss zur Leistung motiviert“, so Funke. Seinen politischen Nachfolgern schrieb er mit Blick auf Nikotin- und Alkoholverbote ins Stammbuch: „Wer die Party verbietet, beschwört die Orgie herauf!“ (Seiten 6, 8)
Uwe Lehmann


