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Spannend und unterhaltsam: Vor großem Fachpublikum (oben) diskutiert die Branche Herausforderungen der Zukunft. Zum Schlagabtausch „Fachkräftemangel“ treten an: (unten rechts, von links) Klaus Kobjoll, Hendrik Markgraf, Christoph Jordi und Fred Hürst

Nachhaltige Strategien sind gefragt

Deutscher Hotelkongress begeistert rund 700 Teilnehmer in Berlin / Brennpunktthemen: Fachkräftemangel und Digitalisierung / Wenig Kontroverse

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2012/6 vom 4. Februar 2012

BERLIN. Fachkräftemangel und Digitalisierung heißen die Brennpunktthemen, die die Hotellerie derzeit umtreiben. Das wurde jetzt beim fünften Deutschen Hotelkongress im Berliner Maritim-Hotel mehr als deutlich. Rund 700 Teilnehmer lauschten bei dem zweitägigen AHGZ-Kongress gespannt den Referenten, die vielseitige Ansätze präsentierten, um das große Sorgenkind der Branche, den Fachkräftemangel, in den Griff zu bekommen.

AHGZ-Chefredakteur Hendrik Markgraf unterstrich bei seiner Eröffnungsrede, dass man sich als Hotelier schwerlich dem Internet entziehen könne. Denn mittlerweile sei fast jeder im Internet zu finden, ob er wolle oder nicht. Es komme also darauf an, Einfluss darauf zu nehmen, wie dies geschehe. Ein Hotel, das seine Homepage geschickt mit sozialen Netzwerken verlinke, errege Aufmerksamkeit. „Doch Netzwerke sind kein Wundermittel“, gab Markgraf zu bedenken. Will heißen: Nicht jedes Netzwerk passt zu jedem Betrieb. Und erfolgreiches Networking braucht eine Strategie, die sich auf wesentliche Inhalte konzentriert und die Alleinstellungsmerkmale des Arbeitgebers herausstellt. Das können – bei der Suche nach Mitarbeitern – flexible Arbeitszeiten für Eltern sein, Karrierechancen, Verantwortung und Weiterbildung.

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Ein Gastgeber bewirkt also viel, wenn er Manpower in eine ansprechende Facebook-Seite investiert, die seinen Betrieb transparent macht. Dazu gehören authentische Fotos, offene Statements von Mitarbeitern, Bewertungen der Gäste. „Die beste Werbung für ihren Betrieb machen Sie selbst und Ihre zufriedenen Mitarbeiter“, so Markgraf.

Mitarbeiter brauchen Liebe, Verantwortung und Perspektiven. So lautet das Fazit zum Themenkomplex „Mitarbeiter der Zukunft.“ Warum? „Wer seinen Arbeitgeber gut kennt, schätzt und weiß, was er mit einem vorhat, der zieht nicht so leicht die Reißleine“, betonte Marcus Smola. Zur Freude des Kongresspublikums stellte der Geschäftsführer von Best Western Deutschland in seinem Vortrag nicht nur seine Chefqualitäten als Undercover-Boss unter Beweis, sondern auch seine Entertainerqualitäten am Klavier. Von der Hommage „Das Hotel ist mein Beruf …“ an die Branche bis zum Seitenhieb auf die HRS-Debatte „Was heute zählt ist nur der Preis. Wo es hinführt, wer weiß?“ reichte sein Repertoire.

Potenzial ist da

In der Diskussionsrunde zum Thema „Fachkräftemangel 2020 – Ende der Hotellerie?“ diskutierten, moderiert von AHGZ-Chefredakteur Hendrik Markgraf, Klaus Kobjoll vom Schindlerhof, Fred Hürst, General Manager vom Grand Hyatt Berlin, und Christoph Jordi, Geschäftsführer der Beratungsfirma DoDifferent. Die Hotellerie solle ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen, schließlich biete sie vielfältige Berufsbilder und Entwicklungsmöglichkeiten, meinte Jordi und erhielt Zustimmung von Fred Hürst, der das hohe Potenzial an guten Leuten hervorhob.

Klaus Kobjoll hat wiederum seinen ganz eigenen Weg gefunden: „Wir verstehen uns nicht als Hotel, sondern als Schule für künftige Entrepreneurs“, sagte der Privathotelier und reizte auf eine entsprechende Frage des Moderators seine Kollegen von der Kettenhotellerie mit den Worten: „Wir stellen keine Mitarbeiter mit Konzernerfahrung ein. Die können nicht selbstständig denken und sind versaut.“

Es seien vor allem drei Dinge, die für Mitarbeiter künftig immer mehr zählen würden, so Christoph Jordi: Sinnhaftigkeit, Autonomie und fachliches Weiterkommen. In einem weiteren Punkt bewiesen die Diskussionsteilnehmer Einigkeit: Wer dem Fachkräftemangel begegnen will, muss auch auf Nachhaltigkeit setzen, so der Tenor. „Sie müssen langfristig planen, wie Sie Ihre Mitarbeiter im Unternehmen weiterbringen wollen“, sagte Jordi. Das fängt schon im Kleinen an, beispielsweise bei der langfristigen Einsatzplanung der Mitarbeiter. Der Schindlerhof geht auch hier mit guten Ideen voran: „Wir starten in Kürze eine App für unsere Mitarbeiter, die die Dienstplanung für die nächsten Wochen enthält“, verriet Kobjoll.

Wie können Hoteliers ihre Kunden dazu bewegen, auf der hoteleigenen Website zu buchen? Wie fangen sie Gäste im Web 2.0? Darum drehte sich alles bei den Kongressschwerpunkten „Technik der Zukunft“ und „Social Media“. Antworten auf diese Fragen gab unter anderem Sanjay Sauldie. Der Direktor des Europäischen Internet Marketing Instituts und Akademie legte allen Hoteliers die sogenannte Drei-Klick-Regel ans Herz, um die eigene Website für potenzielle Kunden attraktiv zu machen. „Diese Regel besagt, dass ein Besucher einer Website maximal drei Klicks bis zu seinem Ziel benötigen sollte.“ Das Buchungstool auf der Hotelwebsite muss also einfach gehalten und unkompliziert zu bedienen sein.

Um die Kunden auf die hoteleigene Website zu ziehen, können Hoteliers den „Social-Media-Effekt“ nutzen. „Die Meldung einer Person kann sich exponentiell schnell im Netz verbreiten“, sagt Sauldie. Für Hotels ist es daher sinnvoll, viele Facebook-Fans um sich zu scharen. Denn diese teilen die Social-Media-Inhalte des Hotels wiederum mit ihren Freunden und verhelfen dem Hotel somit zu höherer Bekanntheit im Netz. Diese kann wiederum dabei helfen, in den Google-Ergebnislisten weiter nach oben zu rutschen. Das ist wichtig, wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland pro Tag über Google 82.000 Suchanfragen gestartet werden. Diese Zahl verkündete Christian Bärwind, Head of Travel bei Google Germany.

Online wird mobiler

Bärwind sieht im Online-Reisemarkt zurzeit vier große Trends. Erstens: Die Suche wird intensiver und genauer. Die User geben nicht mehr nur die Stadt an, in der sie ein Hotel suchen, sondern auch den Stadtteil oder möglicherweise die Straße. Eine Chance für Hotels, bei der Suchmaschinen-Optimierung auf entsprechende Keywords zu setzen. Zweitens: Die Hotelsuche über mobile Endgeräte nimmt zu. Drittens: Die Reiseplanung wird von Interaktionen und persönlichen Empfehlungen auf Social-Media-Kanälen beeinflusst. Und viertens: Hoteliers können mit Videos Emotionen wecken und Gäste begeistern.

Auch die derzeitige Debatte um die Provisionserhöhungen des Buchungsportals HRS ließ der Deutsche Hotelkongress nicht außen vor. Dem aktuellen Anlass geschuldet, änderte HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge sein Vortragsthema und erläuterte den Hoteliers die Gründe der Provisionserhöhung und die Vorteile der Distribution über HRS: Reichweite und neue Kunden. Die Zuhörer waren – bis auf Hotelier Olaf Feuerstein – ziemlich baff, sodass sich daraus keine Diskussion entwickelte. Weitere Berichte zum Hotelkongress folgen.

Alexandra Leibfried,Raphaela Kwidzinski, Brit Glocke Seiten 1, 14, Editorial Seite 6




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