Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Branche aktuell

Neue Hoffnung für Alpenhoteliers

Der frühe Wintereinbruch lässt den Skitourismus aufleben / Trotzdem bereiten sich die Betriebe auf den Klimawandel vor

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/48 vom 1. Dezember 2007

STUTTGART. Nach einer miserablen Saison 2006 ohne Schnee ist der Winter in diesem Jahr außergewöhnlich früh in die bayerischen Skigebiete eingezogen. Das freut besonders ansässige Hoteliers, die ihre Häuser angesichts der weißen Pracht deutlich früher öffneten als gewöhnlich. „So viel Schnee haben wir seit vierzig Jahren nicht mehr gehabt“, so Manfred Wehn, Inhaber des Hotel Alpengasthof Hirsch im Allgäuer Kurort Bad Oberdorf. Doch der nächste Winter ohne Schnee kommt bestimmt – der Klimawandel sorgt dafür. Dagegen wappnen sich Touristiker und viele Betriebe mit wetterunabhängigen In- und Outdoorangeboten.

Anders als viele Experten geht Wehn aber nicht davon aus, dass die Wetterveränderung das Geschäft mit dem Skitourismus in Zukunft endgültig verhagelt. Das Klima habe sich schließlich schon immer gewandelt, auch ohne Zutun des Menschen, meint der Ozeanograf und Hotelier. Auch der diesjährige frühe Wintereinbruch spreche schließlich gegen einen Trend zur Erderwärmung. Von Panikmache hält Wehn deshalb nichts: „Wir hatten auch im schlechten Winter 2006 am Oberjoch hervorragende Pistenverhältnisse. Aber die Klimadiskussion in den Medien hat bewirkt, dass niemand mehr auf die Idee kam, in den Ski-Urlaub zu fahren.“ Sebastian Reisigl, Direktor im Hotel Oberstdorf, ist auf die Auswirkungen der öffentlichen Debatte auch nicht gut zu sprechen. „Die Presse hat uns die letzte Wintersaison vermiest, dabei müssen wir uns an der Nordseite der Alpen selten Sorgen um den Schnee machen.“

Doch für die Zukunft setzen Touristiker auf mehr künstliche Beschneiung. Hotels wollen ihren Wellnessbereich optimieren, mehr witterungsunabhängige Angebote entwickeln und das Speiseangebot verbessern.

Doch erst einmal spricht vieles dafür, dass die jetzige Saison die Alpenhoteliers für den im vergangenen Jahr ausgefallenen Winter entschädigen wird. Seit den ersten Schneefällen hätten sich die Anfragen in Oberstdorf mehr als verdoppelt, sagt Anne Riedler vom Tourismusbüro Oberstdorf. „Für die Zeit um Silvester ist Oberstdorf schon sehr gut gebucht. Für Fasching haben wir eine große Zahl an Anfragen und auch für Ostern, das nächstes Jahr sehr früh stattfindet und damit noch in der Wintersaison liegt, sind schon erste Anfragen eingegangen.“

Vielversprechend ist auch der Winterstart für die Region Bodenmais im Bayerischen Wald. Andreas Lambeck, Geschäftsführer von der Bodenmais Tourismus GmbH, kann sich keine bessere Werbung vorstellen als 1,35 Meter hohen Schnee am benachbarten Großen Arber: „Wir hatten bisher noch nie so viel Schnee im November. Und die Nachfrage nach Winterurlaub ist für die Monate Januar, Februar und März sprunghaft angestiegen.“ (Seite 28) Wenig Grund zur Sorge also auch für Anita Holzer, Chefin im Hotel Mooshof in Bodenmais. Viele Buchungsanfragen, vor allem über die Festtage, könne ihr Hotel nicht mehr bedienen, betont sie. Ob Schnee oder nicht, Hotels mit einem Wellnessbereich haben es leicht, Schneemangel auszugleichen. Deshalb traf sie die katastrophale Wintersaison 2006/2007 auch nicht ganz so hart. Die Häuser haben sich mit Kurz- und Verwöhnpauschalen auf die zunehmende Zahl an Spontanurlaubern aus dem näheren Umland eingestellt. „Neue Ideen sind überlebenswichtig“, sagt Sebastian Reisigl vom Hotel Oberstdorf. „Unsere Kurzzeitpackages und Schnupperangebote wie das aktuelle Herbstspecial, ein zweitägiges Wellnesspaket, sind derzeit unsere absoluten Renner.“

Nicole Blanz, Sales & Marketingverantwortliche im Alpenhotel Oberjoch in Bad Hindelang, setzt seit der Neuausrichtung des ehemaligen Kurbetriebs auf mehrere Angebotssegmente. Außer mit einem vergrößerten Wellnessbereich wartet das Hotel auch mit Angeboten für Familien und für Tagungen auf: „Das Tagungsgeschäft ist für das Alpenhotel Oberjoch eine wichtige Säule. Tagungsgäste sind in der Regel kaum wetterabhängig und die Outdoorprogramme konnten, dank eines sehr flexiblen Eventpartners, auf die Schnee- und Wetterlage abgestimmt werden“, erläutert Blanz. Neue Vermarktungswege will Andreas Lambeck für Bodenmais gehen, das noch den Ruf als schneesicherster Langlaufskiort in Bayern genießt: Mit kulturellen Events, dem möglichen Bau einer Musicalhalle und einer stärkeren Ausrichtung auf Wellness. Und mehr Qualität bei den Dienstleistern: Durch Maßnahmen wie das „Mahlzeiten“-Gutscheinsystem werden auch Pensionen mit Halbpension buchbar sein. „Der Klimawandel kommt nicht von heute auf morgen“, sagt der Marketingverantwortliche. „Aber das Kleinklima verändert sich. In 20 Jahren wird es den Wintersport wie heute nicht mehr geben“, lautet seine Prognose. Nathalie Kopsa

Kommentieren Drucken
Auch interessant

„Es kommt auf die Menschen an“

Haben Sie heute schon gelästert? Evertz: Warum sollte ich denn? Sie sind es doch, der immer behauptet, dass die Hotellerie Geld verschenkt. mehr...

Weitere Artikel aus Archiv vom 01.12.2007 :

Interview der Woche: „Es kommt auf die Menschen an“ (01.12.2007)
Branche aktuell: Kopf der Woche (01.12.2007)
Editorial: Kultur macht erfinderisch (01.12.2007)
Gastkolumne: Betriebe sind die Verlierer (01.12.2007)
Branche aktuell: Tops & Flops (01.12.2007)
Branche aktuell: Irish Malts immer gefragter (01.12.2007)
Branche aktuell: Deutscher Hotelkongress 2008 (01.12.2007)
Branche aktuell: NH erste Kette bei Energiekampagne (01.12.2007)
Branche aktuell: Zauberwort Qualität (01.12.2007)
Branche aktuell: Keine Zukunft für das klassische Hotel (01.12.2007)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel