Diese Woche
Olympia wühlt Garmisch auf
Garmisch-Partenkirchen und München bewerben sich für die Winterspiele 2018 / Gastgewerbe erhofft sich Imagegewinn / Protest kommt von Bauern
GARMISCH / MÜNCHEN. Erst ist Oberammergau ausgestiegen, dann weigerten sich die Garmischer Bauern und Grundstücksbesitzer, ihre Wiesen und Felder zur notwendigen Bebauung mit Parkplätzen und Unterkünften bei einer Winterolympiade 2018 in München abzutreten. Sie wollen vor allem, wie sie sagen, den Boden und dessen Beschaffenheit erhalten. Hoteliers und Gastronomen dagegen hoffen, dass die Winterspiele mitsamt Sportlern, Trainern und Organisatoren kommen und dass die Zuschauer strömen.
Zur Chefsache erklärt
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat das Thema zur Chefsache erklärt und will den streitbaren Landwirten und Grundstücksbesitzern eine Garantie geben, dass die betroffenen Flächen anschließend wieder zurückgeführt werden. Notfalls sogar per Gesetz. Die Zeit drängt. Spätestens zum 11. Januar 2011 mit der Abgabe des Bid Books, des Bewerbungsdokumentes, in dem unter anderem die Optionsverträge mit den Hotels enthalten sind, muss die Planung für die Olympia-Bewerbung unter Dach und Fach sein.
Die Bewerbungsgesellschaft München 2018 zeigt sich zuversichtlich. Sie hat anscheinend, falls die Grundstücksbesitzer nicht nachgeben, noch einen Plan B in der Hinterhand. Diesen will sie aber nicht preisgeben.
Speziell für das Image von Garmisch, sagt Jutta Griess, zweite Stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) und selbst Gastgeberin im Hotel Rheinischer Hof, wäre ein Scheitern der Olympia-Bewerbung katastrophal: „Wir in Garmisch brauchen die Olympiade 2018 dringend, auch weil dadurch die bessere Verkehrsanbindung sowie längst anstehende Renovierungen bestimmter Gebäude realisiert werden.“ Die allein im BHG-Kreisverband Garmisch-Partenkirchen 400 eingetragenen Betriebe, so Griess weiter, wären dankbar für den Schub, den sie sich von der Winterolympiade versprechen. „Es geht nicht um die sechs Wochen Olympia, sondern um das Danach. Wir hätten dann eine Infrastruktur, die auf dem neuesten Stand wäre.“ Die brauche Garmisch. Dort soll unter anderem eine Außenstelle für die Schneewettbewerbe entstehen. Gegner, die auch aus den Reihen des Bundes Naturschutz kommen, wollen dies verhindern. Dabei lebt der Ort Garmisch, der vom Jahr 1936 an bis noch vor fünf Jahren als „Winterolympiaort unter der Zugspitze“ warb, zu gut 80 Prozent vom Tourismus.
Internationale Gäste kommen
So wie Jutta Griess in Garmisch befürworten auch die Münchener Gastronomen und Hoteliers eine Olympiade im Jahr 2018.
„Für München wäre das nur positiv“, schwärmt Gastronom Sepp Krätz, „da könnten wir uns mit unserer Vielfalt und Identität als wahres Mekka der Gastronomie darstellen.“ Der Wirt des Andechser und der Waldwirtschaft Großhesselohe weist auf die nachhaltigen Auswirkungen von Veranstaltungen wie etwa auch der Fußball-WM 2006 hin. „Früher gab es in der Stadt durchaus ein Sommerloch“, sagt Krätz, „seitdem der internationale Gast wieder vermehrt kommt, sind schwächere Zeiten seltener geworden.“ Aber selbst für eine Weltstadt wie München sei „noch Luft drin“, ist Krätz überzeugt.
Karl Niggemann, der die Bewerbung mit dem Münchner Hotel Verbund aktiv unterstützt, betrachtet die Olympischen Winterspiele gar als „größte PR, die sich eine Stadt nur wünschen kann“. Seiner Kenntnis nach gibt es in der Hotellerie in und um München nur positive Resonanz.
Das bestätigt auch Michael Schlüter, Direktor des Le Méridien am Münchner Hauptbahnhof: „Wir Hoteliers würden uns über den Zuschlag natürlich sehr freuen. Wir versuchen beispielsweise mit der Munich Hotel Alliance als Gesamtheit für die Winterspiele einzutreten.“ Und Innegrit Volkhardt, die Chefin des Hotel Bayerischer Hof, weist auf die gute „Work-Life-Balance“ der Stadt München hin mit ihrem ausgewogenen Verhältnis von innovativen Strukturen und hohem Freizeitwert. Volkhardt ist davon überzeugt: „Eine erfolgreiche Bewerbung würde die Stadt speziell in den Wintermonaten verstärkt einem noch größeren internationalen Publikum bekannt machen.“ Karin Gabler
