Editorial
Panikzentrale Atlantic
Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur
Hotels leben von Geschichten, von Legenden. Und wenn sie keine haben, dann erfinden sie welche oder nehmen Bezug auf die Story, die der Ort, die Umgebung erzählt. Letzteres macht beispielhaft 25hours, etwa in seinem neuen Hamburger Haus in der HafenCity: In dem ehemaligen Seemannsheim wird ordentlich Seemannsgarn gesponnen. Oder im Goldmann 25hours in Frankfurt, das in seinen Zimmern die Geschichte ganz unterschiedlicher Menschen erzählt.
Sich Geschichten borgen muss ein Hotel wie das Atlantic in Hamburg nicht. Es hat einfach Geschichte, es ist eine Legende, ein Roman. Einer der Romanhelden dort heißt: Udo Lindenberg. Seit 1995 residiert der Panikrocker in der Suite 212, seinem Refugium, seinem Zuhause.
Jetzt geht das Gerücht um, er wolle in das benachbarte Royal Méridien umziehen, wo er wegen der Renovierungsarbeiten in seinem alten Domizil vorübergehend logiert. Doch der Rock-Dino passt viel besser ins Atlantic, ein klassisches Grandhotel. Denn wie hatte er schon einst befunden: „Die hohen Räume erlauben hohes Denken“. Eine Qualität, die das Haus 200 Meter weiter – wie andere Neubauten auch – nicht hat.
Die Rocklegende steht in einer alten Tradition: Denn für Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle war das Grandhotel im vergangenen Jahrhundert ein kultureller Treffpunkt. Sie haben das Hotel, diesen Ort der Öffentlichkeit, mit Gestalten der Weltliteratur bevölkert und dadurch zu einem kulturellen Gemeinbesitz gemacht.
Manchem Künstler wurde das (Grand) Hotel gar zum Paradies. „Wenn ich von einem späteren Leben im Himmel träume, dann spielt sich immer alles im Ritz ab“, befand Ernest Hemingway, der vom Toilettenbecken aus schon mal Schießübungen abhielt und die Eskapaden späterer Hotelgäste, Rock- und Popstars, vorwegnahm. Das Hotel als Lebensform, als Panikzentrale. Es lebt.
Udo Lindenberg passt am besten ins Atlantic. Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit.
