Diese Woche
Preisdruck hält an
Deutscher Tourismusgipfel: Steuerersparnisse für Investitionen nutzen
BERLIN. Verhalten optimistisch zeigte sich die Branche auf dem diesjährigen Tourismusgipfel des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), zu dem mehr als 500 Teilnehmer in das Berliner Hotel Adlon gekommen waren.
Im Mittelpunkt der Vorträge, Foren und Podiumsdiskussionen stand die Frage, welche Wege aus und Chancen in der Krise es gibt und wie die Branche wieder in Fahrt kommt. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Spitzenvertreter touristischer Unternehmen und Verbände teil.
„Die Buchungszurückhaltung und die dadurch sinkenden Passagier- und Gästezahlen begleiteten viele Unternehmen der Branche durch die ersten zehn Monate des Jahres“, sagte BTW-Präsident Klaus Laepple. Allein die Airlines würden in diesem Jahr weltweit einen Verlust von rund 7,5 Mrd. Euro verzeichnen. Bessere Aussichten seien noch nicht erkennbar, erläuterte Michael Engel, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF).
Flexible Angebote
Durch zahlreiche Veranstaltungen zog sich wie ein roter Faden das Thema Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie, der Umgang damit und die Effekte daraus. „Wir werden die Ersparnis aus der Reduzierung der Mehrwertsteuer in Investitionen einbringen und nicht in den Gewinn“, sagte Hans Doldi, Vizepräsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV). Wichtig sei nun auch, die Ersparnisse dazu zu nutzen, die Eigenkapitaldecke vieler Unternehmen zu stärken, so André Witschi, Vorstandsvorsitzender der Steigenberger Hotel AG. Diese ermöglichten Investitionen, hieß es von anderer Seite. Witschi erwartet zudem, dass die Entwicklung neuer Hotelprojekte zurückgehen wird.
„Nach den aus Sicht der Tourismuswirtschaft durchaus begrüßenswerten Ergebnissen ist es nun spannend, wie es auf der politischen Bühne weitergeht“, erläuterte Laepple. Dem Mittelstand helfen vor allem, da waren sich die Vertreter aus Hotellerie und Reiseunternehmen bei einer Podiumsdiskussion einig, die vereinbarten Entlastungen bei Erbschaft-, Unternehmen- und Mehrwertsteuer aus der Krise. „Die Branche hat eine Chance bekommen“, betonte DEHOGA-Präsident Ernst Fischer, „aber jetzt müssen die Banken uns bei den notwendigen Investitionen noch besser unterstützen, damit wir gestärkt aus der Krise hervorgehen.“ Zudem müssten die Unternehmen in der Krise noch schneller mit kurzfristigen und noch flexibleren Produkten und Angeboten auf das geänderte Kundenverhalten und die verstärkte Preissensibilität reagieren, betonte Norbert Fiebig, Vorstandsmitglied der Rewe Group für Touristik und Finanzen. „Die Krise beschleunigt die Verdrängung. Und dabei sind die Schnellen im Vorteil“, zeigte sich Fiebig sicher. Darauf setzt auch der DRV-Vizepräsident. „Die Regierung hat nun eine gute Ausgangsposition für die Branche geschaffen“, so Doldi, „die müsse nun aber auch durchstarten.“
Preis für Museumsinsel
Dabei setzen Politik wie Industrie nach wie vor auf die soziale Marktwirtschaft als Gesellschaftsmodell der Zukunft. Allerdings mit geringerem staatlichen Einfluss,wie der neue Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Ernst Burgbacher (FDP) und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel betonten.
Bei der Veranstaltung wurde zum zehnten Mal der Innovationspreis der Deutschen Tourismuswirtschaft verliehen. Er ging an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Berliner Museumsinsel und das Humboldt-Forum. „Die beiden Projekte sind ein gelungener Brückenschlag zwischen Historie und Moderne“, begründete BTW-Präsident Klaus Laepple die Entscheidung. Gästen werde eine Zeitreise durch 6000 Jahre Geschichte geboten. (Editorial, Seite 8) Uwe Lehmann


