Anzeige

AHGZ - Das Fachportal für Hotellerie und Gastronomie

Anzeige

Branche aktuell

Putzen für Dumpinglohn

Hamburger Hotel distanziert sich von den Praktiken der Reinigungsfirma / Verträge genau prüfen

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/2 vom 13. Januar 2007
von

HAMBURG. Eine Welle der Empörung haben Hamburger Abendblatt und Bild mit ihren Titelgeschichten am Montag und Dienstag dieser Woche ausgelöst: Im Dorint Sofitel Am Alten Wall habe eine junge Frau Zimmer für einen Stundenlohn von 2,46 Euro brutto gereinigt. Als sie den vereinbarten Tariflohn von 7,87 Euro haben wollte, sei sie von ihrem Arbeitgeber, der Reinigungsfirma Lieblang, fristlos entlassen worden.

Der Accor-Konzern, zu dem das 5-Sterne-Hotel gehört, distanziert sich von dem Vorfall. „Das Hotel vergütet die Leistungen dieser Firma in einer Höhe, die das Unternehmen in die Lage versetzt, seinen Mitarbeitern Tariflöhne zu bezahlen. Unsere externen Dienstleister sind vertraglich verpflichtet, sich an Recht, Gesetz und vor allem an geltende Tarife zu halten. Geschieht dies nicht, werden wir die entsprechenden Konsequenzen ziehen“, erläutert Accor-Sprecher Marc Schnerr.

Auch Wirtschaftssenator Gunnar Uldall fordert Lieblang auf, sich an geltende Tarifverträge zu halten: „Für ordentliche Arbeit müssen auch ordentliche Löhne gezahlt werden.“ Der Hauptgeschäftsführer des Hamburger DEHOGA-Landesverbandes, Gregor Maihöfer, appelliert an die Hotels: Sie sollten in Zukunft die Verträge mit externen Reinigungsfirmen noch genauer prüfen und sich ausdrücklich bestätigen lassen, dass geltende Tarife eingehalten werden.

Auch die Landesinnung der Gebäudereiniger schlägt Alarm: „Wir wissen sehr wohl, dass viele Firmen untertariflich bezahlen“, sagt Geschäftsführer Volker Okun. Besonders im Hotelbereich sei die Situation dramatisch. Andreas Suß, Geschäftsführer der zuständigen Gewerkschaft IG Bau, spricht in diesem Zusammenhang von sittenwidrigem Lohndumping.

Der Hintergrund: Offiziell zahlt Lieblang seinen Mitarbeitern zwar den Tariflohn von 7,87 Euro die Stunde. Faktisch werden aber 3,50 Euro pro gereinigtem Zimmer gezahlt. Der Rechnung liegt die Annahme zugrunde, dass pro Stunde etwa zwei Zimmer gereinigt werden. Das sei aber unrealistisch, weil die Zimmer oft nicht frei seien und deshalb Wartezeiten entstünden, sagt die Gewerkschaft. Lieblang-Projektleiter Eberhard Witte verteidigt sich damit, dass andere Reinigungsfirmen noch schlechter zahlten.

Nach einem gemeinsamen Krisengespräch erklärten Wirtschaftssenator, DEHOGA, Gebäudereinigerinnung und Gewerkschaft, untertarifliche Entlohnung bekämpfen zu wollen. Die Innung des Gebäudereiniger-Handwerks erklärte sich bereit, allen in Hamburg tätigen Reinigungsunternehmen die Möglichkeit zu bieten, sich überprüfen zu lassen.

Die Prüfstelle der Innung vergibt das „Gütesiegel für Gebäudereiniger“, das die Einhaltungen der Tarifbestimmungen und die Abführung von Steuern und Sozialabgaben kontrolliert. An die Auftraggeber von Reinigungsbetrieben appellieren die Teilnehmer des Gesprächs, nur solche Betriebe zu beauftragen, die das Gütesiegel für Gebäudereiniger besitzen oder die eine schriftliche Tariftreueerklärung im Ausschreibungsverfahren abgeben.

Mathias Thurm

Kommentieren Drucken
Auch interessant

Drei Fragen an

1. Wie schätzen Sie den Bedarf an energiesparenden Maßnahmen in der Hotellerie ein? Angesichts steigender Ausgaben für Energie gibt es wohl kaum einen Hotelier, der nicht den Kostendruck spürt. mehr...

Weitere Artikel aus Archiv vom 13.01.2007 :

Das Thema: Drei Fragen an (13.01.2007)
Das Thema: Energiemanagement (13.01.2007)
Branche aktuell: Kopf der Woche (13.01.2007)
Editorial: Zukunftsweisende Gastronomen (13.01.2007)
Das Thema: Tops & Flops (13.01.2007)
PRO: Steinbutt & Co weiter verwenden? (13.01.2007)
Gastronomie Die Kleineren (13): „Per Zufall kommt hier keiner“ (13.01.2007)
Kommentar: Nicht kopieren – selber machen (13.01.2007)
Interview der Woche: „Japaner wollen Maultaschen“ (13.01.2007)
Branche aktuell: Design auf dem stillen Örtchen (13.01.2007)

Diesen Artikel bei Google+, Xing, Twitter oder Facebook weiterempfehlen:

Bisher keine Leser-Kommentare zum Artikel