Kommentar
Reformen braucht das Land
Von Cornelia Küsel, Redakteurin
Die nach Europa geschwappte US-Hypothekenkrise, explodierende Energiepreise, hohe Inflationsraten, starker Eurokurs: So manches Damoklesschwert schwebt derzeit über der deutschen Wirtschaft. Dennoch sind sich die führenden Institute einig, dass sich der Aufschwung im neuen Jahr fortsetzt, allerdings auf geringerem Niveau als 2007.
Weiterhin positive Zeichen also auch für das Gastgewerbe? Nicht ganz. In der Branche zeigt sich eine immer tiefere Spaltung zwischen Hotellerie und Gastronomie. Klarer Sieger: die Beherbergungsbetriebe. Für sie sieht die Zukunft nach wie vor recht rosig aus. Die Hotellerie kann sich vermutlich über erneut steigende Gästezahlen insbesondere aus dem Ausland freuen. Gleichzeitig macht ihr zwar ein verschärfter Wettbewerb zu schaffen, und die gewünschten Preiserhöhungen sind daher wohl nicht durchsetzbar. Alles in allem aber steht die Hotellerie auf festem Fundament.
Ganz anders die Gastronomie. Während schon 2007 Verluste mit sich brachte, wird auch 2008 kaum Besserung bescheren. Schuld ist vor allem die geringe Kaufkraft der Verbraucher, die für Energie und Lebensmittel immer mehr berappen müssen. Von Lohnzuwächsen bleibt dank Preis- und Mehrwertsteuererhöhung unterm Strich nichts übrig – zum Leidwesen der Gastronomie. Denn am Essengehen wird zuerst gespart, wenn das Geld knapper wird.
Hier muss man wieder an die Bundesregierung appellieren, wie versprochen für steigende Nettolöhne zu sorgen. Bevor hohe Lohnforderungen den Aufschwung gefährden, sollte die Abgabenlast im Interesse des Binnenmarktes sinken. Ein niedrigerer Beitrag zur Arbeitslosenversicherung ist der richtige Schritt – aber ein viel zu kleiner. Weitere Reformen braucht das Land, damit die Deutschen endlich wieder mehr Geld in der Tasche haben und den Aufschwung kräftig stützen. Davon profitieren alle. (Seiten 1,3,10)

