Der andere Blick
Rein und raus – Outsourcing ade?
Von Barbara Goerlich
Eine AHGZ-Schlagzeile hat es mir angetan: „Zimmermädchen wieder im Team“ hieß es da kürzlich. „Outsourcing), Auslagerung von traditionellen Kerntätigkeiten des operativen Betriebs an Dritte, die diese Leistung kostengünstiger und/oder effizienter erbringen können.
weiter mit Mausklick... war gestern“, sagt der Direktor vom Marriott Leipzig. Halleluja! Ist das der Wendepunkt? Setzt ein Umdenken ein und dürfen wir Gäste uns künftig über In-Sourcing im hochsensiblen Zimmerbereich freuen?
Viele Jahre habe ich mich gewundert, warum externe Dienstleister etwas können sollen, das gewiefte Hotelpraktiker nicht hinbekommen: Ihre Putztruppen so im (KostenDer in Geldeinheiten bewertete Verbrauch von Produktionsfaktoren und Dienstleistungen, der zur Erstellung und zum Absatz der betrieblichen Leistung erforderlich ist.
weiter mit Mausklick...-)Griff zu haben, dass Haus und Zimmer trotzdem makellos sauber sind.
Nie hat mir ein Hotelier schlüssig erklären können, was ein externes Putzkommando besser macht, was nicht auch hoteleigene Mitarbeiter unter entsprechender Anleitung hinbekämen. Immer wieder ins Feld geführt wurde der Kostenaspekt: Leiharbeiter werden weder krank noch schwanger.
Falls doch, trägt der Dienstleister das Risiko. Wunderbarerweise kostet das Putzen des Zimmers trotzdem nur 5 Euro (wie in Frankfurt). Für Hoteliers natürlich eine gut zu kalkulierende Größe. Nur, was kommt dabei heraus? Die Zimmerreinigung erfolgt im Formel 1-Tempo. Time is money. Wer einen einigermaßen ordentlichen Stundenlohn zusammenschrubben will, muss sich sputen. Und davon werden dann auch noch die Organisation des Putzkommandos, Steuern, Abgaben bezahlt? Wie rechnet sich so was? Und: Ist „so was“ im Zeitalter der viel beschworenen Corporate Social Responsibility ein unterstützenswertes Geschäftsmodell?
Das wollte und will mir nicht einleuchten. Als Gast habe ich mich immer unwohl gefühlt beim Gedanken, dass sich hotelfremde Putzkolonnen in meiner Intimsphäre – dem Hotelzimmer mit meinen Sachen – zu schaffen machen. Eine Putzkraft ist naturgemäß näher und unmittelbarer am Gast und seinem Intimbereich als es ein Hoteldirektor je sein wird.
Wenn schon Outsourcing, dann also bitte die Direktoren. Das würde uns Gästen vielleicht weniger auffallen als „fremde“ Zimmermädchen.


Sylvia Lehmann, Nürnberg
17.08.2012 um 20:39
Betreff: Outsourcing o.k. oder ade?
Ich gratuliere Ihnen zu diesem absolut treffenden Artikel-besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Das Housekeeping und allen voran die Hausdame hat sehr selten den Stellenwert, den es/sie haben sollte. Ich trainiere Hausdamen und Zimmermädchen und werde oft gefragt, was denn besser sei - eigenes Personal oder Fremdreinigung.Spontan möchte ich antworten:"Eigenes Personal!" Aber die Hausdamen haben so gut wie nie Argumente und Kalkulationen an der Hand, um die Direktion zu überzeugen. Hausdamen müssen endlich den Status eines vollwertigen ALs bekommen-durch Qualifikation, Information und Anerkennung, dann können sie ihre berechtigten Forderungen auch durchsetzen und zum Wohle der Gäste, der Mitarbeiter und des Hauses agieren.
Ich finde den Gedanken sehr spannend, Direktoren out zu sourcen :-)Das gut trainierte Zimmermädchen hat sicherlich mehr Gästebindungspotential als der Chef hinter dem Schreibtisch....