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Geschafft: Inge Struckmeier und Roland Zadra besiegeln die AG Foto: Hotel

Hotellerie

Romantik-Chef Zadra: „In Europa können und werden wir wachsen“

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/23 vom 5. Juni 2011
von  

Herr Zadra, aus der Romantik Hotels & Restaurants GmbH und Co. KG wurde eine Aktiengesellschaft. Warum?

Zadra: Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 von jetzt 205 Mitgliedshäuser auf 300 bis 350 zu wachsen. Ausländische Hoteliers für Romantik zu gewinnen, ist aber schwierig, weil man die Kommanditgesellschaft in anderen Ländern nicht kennt. Es gibt sie nur in Deutschland. Das heißt: Neben der Überzeugungsarbeit ist es ein immenser bürokratischer Aufwand, bis ein ausländisches Haus Mitglied werden kann.

Warum Wachstum in Europa, warum kein weltweites?

Zadra: Unser Markenzeichen sind inhabergeführte Hotels. Jedes Haus hat eine eigene Seele. Dies macht Romantik unique. Einzigartig. Es ist wichtig, dass die Romantik-Kollegen sich mit der Marke identifizieren, sich intensiv einbringen und den Weg der Romantik Hotels & Restaurants mitbestimmen. Umgekehrt muss die Zentrale die Betreuung der Mitglieder gewährleisten. Aus unserer Sicht gelingt diese Symbiose am besten in Europa.

Ist der Standort Deutschland für Romantik ausgereizt?

Zadra: Nein, hier sehe ich noch Potenzial. In Deutschland sind wir in der Vergangenheit stark gewachsen, etwa die Hälfte aller Mitgliedshäuser steht hier. Der Gebietsschutz garantiert Hoteliers, dass es im Umkreis von 30 Kilometern kein weiteres Romantik-Hotel gibt. Unser Ziel ist es, in anderen europäischen Ländern eine ähnliche Dichte an Romantik-Hotels zu erreichen, um die Reiseströme besser zu lenken und enger vernetzt zu sein.

Das heißt?

Zadra: Wer seinen Urlaub in Italien in einem Romantik-Hotel verbringt, soll in Deutschland seine Geschäftsreise in einem Romantik-Hotel buchen. So empfiehlt ein Haus das andere. In Europa können und müssen und werden wir wachsen.

Warum ist Wachstum für die Marketing-Kooperation so wichtig?

Zadra: Weil es wichtig ist, die überzeugten Romantik-Gäste in Europa innerhalb der Romantik-Hotels zu halten und die gegenseitigen Reiseströme voll auszunutzen. Darum müssen wir auch in den anderen Ländern noch mehr Reiseziele anbieten. Dadurch erhöhen wir die Attraktivität der Marke.

Wie groß ist das Interesse von Hoteliers, Mitglied von Romantik zu werden?

Zadra: Wir haben im Jahr mehr als 100 Bewerbungen. Etwa ein Zehntel der Häuser besteht alle Tests. Zurzeit registrieren wir viele Anfragen aus Österreich und Italien. Wir hatten auch mal eine Phase, da waren die Benelux-Länder sehr stark. Auch aus Mallorca bekommen wir viele Anfragen.

Aus welchem Land würden Sie sich mehr Interesse wünschen?

Zadra: Dänemark würde gut zu uns passen. Oder auch Portugal, wo wir mit nur einem Haus vertreten sind, und natürlich auch Spanien.

Wo sehen Sie das größte Potenzial?

Zadra: Wachsen wollen wir in Polen, Tschechien und Ungarn, weil diese Länder als Reiseziel immer attraktiver werden.

Von der GmbH und Co. KG zur AG – wie war der Weg dahin?

Zadra: Die Idee stammte von den deutschen Kollegen. Die Partner aus dem Ausland waren perplex: Sie dachten, die KG sei eine heilige Kuh der Deutschen. Den Beschluss zur AG trafen die Gesellschafter einstimmig am 27. April 2009. Damit begann ein Riesenprozess: Bilanz erstellen, Steuerprüfung, eine ganze Reihe von Formalien – ein mühsamer, kräftezehrender und zeitintensiver Weg.

Was verändert sich?

Zadra: Die Unternehmensstruktur verändert sich. Mit der AG bekommen wir eine Rechtsform, die klaren Regeln unterliegt. Es gibt einen Aufsichtsrat, einen Vorstand und es gibt Aktionäre. Der Kommanditanteil eines Hotels wurde 1:1 in Aktienanteile umgewandelt. Wir vergeben Namensaktien in einem Paket von 2500 Euro. Für das angestrebte Wachstum sieht die Satzung vor, dass bis zu 100 neue Aktienpakete ausgegeben werden können. Damit vermeidet man bei jedem neuen Romantik-Mitglied einen Beschluss zur Kapitalaufstockung.

Jeder Hotelier ist Aktionär, was ist seine Aufgabe?

Zadra: Seine Aufgabe ist es, bei den Aktionärsversammlungen Beschlüsse zu fassen. Die Aktionäre müssen sich jetzt wesentlich klarer und mutiger als bisher erklären. Sie entlasten den Aufsichtsrat und den Vorstand.

Schon bei der KG gab es einen Aufsichtsrat. Was hat sich hier geändert?

Zadra: Früher war er beratendes Gremium, in der AG ist er kontrollierendes Organ. Übt der Aufsichtsrat diese Kontrollfunktion nicht aus, wird er von den Aktionären zur Verantwortung gezogen.

Verändert hat sich auch Ihre Rolle.

Zadra: Durch die Umwandlung bin ich nun Vorstandsvorsitzender statt Präsident. Ähnlich wie ein Geschäftsführer oder Direktor eines Hotels habe ich klar definierte Verantwortungs- und Aufgabenfelder. In der Vergangenheit gab es das Präsidium, bestehend aus Urs Zurbriggen und mir, das der Geschäftsführung gegenüber weisungsbefugt war. Die letzte Entscheidung oblag Inge Struckmeier. Künftig werden Inge Struckmeier und der Vorstandsvorsitzende – heute ich, die Entscheidungen treffen. Dafür kann ich, wie jeder Vorstand einer AG, haftbar gemacht werden. Das ist neu.

Diese neue Verantwortung schlägt sich sicher im Gehalt nieder?

Zadra: Mein Gehalt orientiert sich an der Aufwandsentschädigung, die ich schon als Präsident von Romantik bekommen habe. Offen gesagt: Das Geld verdiene ich leichter zu Hause.

Lässt sich der Vorstandsvorsitz überhaupt im Nebenjob ausüben?

Zadra: Spätestens wenn wir auf 300 Häuser angewachsen sind, ist es aus meiner Sicht ein Fulltime-Job. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen, diese Aufgabe in Vollzeit auszuüben.

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