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Konzepte

Alles Originale: Im Zimmer Waschanlage (unten) stehen Rotierbürsten, in der „Tankstelle“ befindet sich eine Zapfsäule Fotos: Hotel / Frank Hoppe

Konzepte: V8 Hotel in Böblingen

Schlafen im Oldtimer

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2011/24 vom 11. Juni 2011
von  

BÖBLINGEN. Es riecht nach Benzin, Motoren röhren. Eigentlich nicht das Ambiente, das der Gast in einem 4-Sterne-Hotel erwartet. Im V8 Hotel im Böblingen gehört aber genau das zum Konzept.
 
Aus dem Fenster seines Themenzimmers blickt der Gast in die Handelshalle des Meilenwerks. Dort kaufen, verkaufen und reparieren Händler und Sammler klassische Automobile. „Das Bild ändert sich hier täglich“, schwärmt Hotelier Simeon Schad. Bentleys und Lamborghinis, Ferraris und Maseratis machen in der Halle Station.
 
Auch im Hotelzimmer selbst dreht sich alles ums Automobil. Das fängt bei den Betten der zehn Themenzimmer an. Hotelier Schad hat dafür zehn echte Oldtimer zerlegen lassen. Die Motorhaube bildet das Fußende, das Heck des Autos das Kopfende.
 
„Jedes Zimmer ist ein Unikat“, schwärmt der 41-Jährige. So ist das Bett im Zimmer „Waschanlage“ von zwei mannshohen Rotierbürsten umgeben, im Zimmer „Tankstelle“ misst das Zählwerk einer Zapfsäule den Duschwasserverbrauch. In der „Werkstatt“ schläft der Gast zwischen Reifenstapeln, Werkbank und Schrauber-Utensilien. Außer den Themenzimmern bietet das Hotel 24Zimmer im Bauhausstil. Hier erinnern Schwarz-Weiß-Bilder an die Anfangszeit des Motorsports in den Zwanzigerjahren.

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Damals befand sich auf dem Gelände des heutigen Meilenwerks der erste Flughafen Baden-Württembergs. Er war von 1925 bis 1945 in Betrieb. Danach diente das Areal als Militärbasis der Amerikaner. 2009 errichtete der Investor Andreas Dünkel hier das Meilenwerk, das sich als „Forum für Fahrkultur“ versteht. Dazu gehören Handel, Werkstatt, Gastronomie und Events wie Oldtimer-Ralleys. In das Meilenwerk hat Dünkel insgesamt 25 Mio. Euro investiert, davon 3 Mio. in das Hotel. Hotelier Schad hat noch einmal 600.000 Euro oben drauf gelegt. Er besitzt selbst zwei klassische Automobile und hat, wie er sagt, „Benzin im Blut“. Das Thema Automobil setzt er in seinem Hotel mit viel Liebe zum Detail um. Sogar die Seife im Bad hat die Form eines Oldtimers. Auf dem Nachttisch findet der Gast ein Auto-Pocketquiz.
 
Der Erfolg gibt Schad Recht. Die durchschnittliche Auslastung des Hotels lag vom Start weg bei 70 Prozent. Unter der Woche kommen Businessgäste. „Individualisten, die nicht ins Kettenhotel möchten“, sagt Schad. Am Wochenende belegen automobilaffine Touristen vor allem die Themenzimmer. Für sie hat Schad zwei Packages aufgelegt, jeweils für zwei Übernachtungen: „Auf den Spuren des Automobils“ und „Emotion pur“. Das erste kostet 176 Euro pro Person und beinhaltet Eintrittskarten für die Museen von Mercedes und Porsche im nahen Stuttgart sowie ein Roadbook mit Touren durch den Schwarzwald und über die Schwäbische Alb.
 
Bei dem zweiten Package, „Emotion pur“ für 350 Euro pro Person, bekommen die Gäste für einen Tag lang den Sportwagen MF3 Wiesmann inklusive 300 Freikilometern gestellt. Schads Augen leuchten, wenn er von dem Arrangement spricht: „Wenn Sie das Auto beschleunigen, werden Sie merken: Mehr Emotion geht nicht.“ Kein Wunder, der Wiesmann lässt sich innerhalb von 5 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen. Der Erfolg des V8 Hotels fußt aber nicht nur auf der Begeisterung des Hoteliers für die Oldtimer. „Der V8-Motor ist etwas Kraftvolles, Langlebiges und Hochwertiges“, sagt Schad. Das gleiche gilt für das Hotel: Seit der Eröffnung trägt es die 4-Sterne-Klassifizierung. Im September, wenn der neue Wellnessbereich eröffnet wird, soll es 4 Sterne superior bekommen. „Wir bieten einen Mehrwert, für den der Gast bereit ist zu bezahlen“, sagt Schad. 165Euro kostet eine Übernachtung für zwei Personen im Themenzimmer, fürs Frühstück kommen noch einmal 15 Euro pro Person hinzu. Rabatte wegen geringerer Nachfrage gibt es nicht. „Unsere Preise sind auf allen Kanälen gleich, die Rabattschlacht machen wir nicht mit.“
 
Der Unternehmer bringt die nötige Branchenerfahrung mit, um standhaft zu bleiben.
 
Seit 1996 betreibt Schad in Stuttgart-Zuffenhausen das 2-Sterne-Hotel Keinath. Er war gerade einmal 26 Jahre alt, als er es übernommen hatte und damals Stuttgarts jüngster Hotelier.
 
Mit dem V8 Hotel im Meilenwerk ist für Schad nun ein Traum in Erfüllung gegangen: „Ich kann meine Liebe zum Automobil mit meiner Liebe zur Hotellerie verbinden“, sagt der 41-Jährige und blickt stolz in die Einganghalle seines 4-Sterne-Hotels. Direkt neben der Rezeption hat er den Wiesmann platziert. Wenn gerade kein Arrangement gebucht ist, steigt der Hotelier gern selbst in den Sportwagen ein. Um „Emotion pur“ zu erleben. Raphaela Kwidzinski


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