Märkte und Unternehmen
Schwere Zeiten für die Ketten
Stuttgart. Weniger Umsatz, weniger Gewinn oder gleich Verluste – so lässt sich das Jahr 2009 für die internationalen Hotelkonzerne zusammenfassen. Die schlechte Wirtschaftslage spiegelt sich in den Jahreszahlen wider, die etwa Rezidor, Marriott oder IHG (InterConti) kürzlich vorgelegt haben.
Um trotz der schlechten Ergebnisse bei den Kennzahlen wie Umsatz, Ergebnis, RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer), Zimmerpreis und Belegung Postives zu verkünden, konzentrieren sich die Unternehmen gern auf alternative Maßstäbe wie die Zahl der Neueröffnungen 2009, eingeheimste Auszeichnungen und ähnliche weiche Indikatoren. Hilton lässt die harten Geschäftszahlen gleich ganz weg.
Kurt Ritter, President und CEO der Rezidor Hotel Group, bringt es auf den Punkt: „2009 war für uns alle ein herausforderndes Jahr“, und fügt hinzu: „Auch in diesen schwierigen Zeiten setzt Rezidor auf kontrolliertes und profitables Wachstum.“ 36 neue Häuser hat Rezidor 2009 in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten eröffnet, die Gruppe ist mit mehr als 380 Hotels in über 60 Ländern präsent. Der Jahresverlust des Unternehmens nach Steuern beträgt 28,2 Mio. Euro, nach einem Überschuss von 26,1 Mio. Euro im Vorjahr. Der Umsatz sank von 784,9 Mio. Euro im Jahr 2008 auf 677,2 Mio. Euro. Das entspricht einem Minus von 13,7 Prozent. Der durchschnittliche RevPar von Rezidor fiel 2009 um
16,4 Prozent auf 62,90 Euro. Die Belegung war mit 62,1 Prozent ebenfalls schwächer als 2008 (66,4 %). Der Ebitda (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) lag 2009 bei 4,9 Mio. Euro (2008: 70,9 Mio.).
„Eher verhalten und nicht zu optimistisch“ schätzt Jörg Schiffmann, Area Vice President (AVP) Deutschland, Schweiz, Italien und Südosteuropa bei der Rezidor Hotel Group, die Situation für 2010 ein. Der Schwerpunkt der Portfolio-Entwicklung liege weniger auf Deutschland als auf afrikanischen Ländern und den GUS-Staaten. Trotz der Umsatzeinbrüche werde im laufenden Jahr weiter investiert, beispielsweise in die Renovierung des historischen Badhauses im Radisson Blu Hotel in Wiesbaden, so Schiffmann auf AHGZ-Anfrage. Auch stehen Neueröffnungen an: Im Juli startet ein neues Park Inn in Frankfurt, im Winter eines in Stuttgart. Zudem wurde ein Franchise-Partner für Dessau gewonnen.
Die InterContinental Hotel Group (IHG) musste 2009 ein Umsatzminus von 19 Prozent hinnehmen. Die weltweit erzielten Erlöse gingen von
1,9 Mrd. Dollar auf 1,54 Mrd. Dollar zurück. Der operative Gewinn brach um 34 Prozent ein und fiel von 549 Mio. Dollar auf 363 Mio. Dollar. Der RevPar ging bei IHG um 14,7 Prozent zurück. Dabei ist die Gruppe weiter gewachsen und verfügt über 4438 Hotels weltweit. CEO Andrew Cosslett verweist auf eine Belebung des Geschäfts im vierten Quartal 2009. „Die Belegung hat sich stabilisiert. Allerdings bleiben die Zimmerraten unter Druck. Solange die Geschäftsreisenden nicht in großem Stil zurückkehren, wird das Hotelgeschäft hart bleiben.“
Willy Weiland, Vice President Operations, sagte der AHGZ, wie die Ergebnisse für IHG im deutschen Markt ausgefallen sind, gestützt auf die Entwicklungstrends der größeren Häuser mit InterConti-Branding. „Wir haben uns in Deutschland ganz gut geschlagen. Beim RevPar liegen wir etwa
11 Prozent unterm Vorjahr, bei der Belegung rund 5 Prozent“, schätzt er. Die Zimmerrate der Häuser in Deutschland sei im Schnitt um rund 8 Euro gefallen. Für das laufende Jahr ist er relativ zuversichtlich. „Zwar kommt das Geschäft noch sehr kurzfristig rein, aber für die ersten Monate des Jahres liegen wir im Plan. Unter die Werte des abgelaufenen Jahres werden die Zahlen nicht sinken“, ist er überzeugt.
Auch Marriott hat im vergangenen Jahr hohe Einbußen zu verzeichnen. Das Unternehmen meldet einen Verlust von 346 Mio. Dollar aus dem laufenden operativen Geschäft. 2008 hatte Marriott noch einen positiven Ertrag von 359 Mio. Dollar erwirtschaftet. Der bereinigte Ebitda schrumpfte von 1,3 Mrd. Dollar im Vorjahr auf 898 Mio. Dollar, was ein Minus von 31 Prozent bedeutet. Der Umsatz fiel weltweit um rund 15 Prozent, von 12,9 Mrd. Dollar auf 10,9 Mrd. Dollar. Der RevPar sank um rund 20 Prozent. Weltweit betreibt Marriott 3400 Hotels und Residenzen in 68 Ländern.
beh, brg, hz
