TV-Köche
Sendungsbewusst
In Zukunft wird jeder für 15 Minuten berühmt sein.“ Die Prophezeiung des Künstlers Andy Warhol scheint sich derzeit vor allem bei den Köchen zu bewahrheiten. Auf allen Fernsehkanälen wird landauf landab gekocht, was das Zeug hält. Und die Nation schaut zu. Doch was treibt die Menschen dazu, anderen beim Kochen zuzusehen?
Köche sind Medienstars – der Lifestyle macht’s möglich. Gutes Essen ist schick und Kochen natürlich auch. Der Fernsehkoch taugt nicht mehr nur zum Ratgeber der guten Hausfrau wie seinerzeit ein Max Inzinger. Er ist zur werbewirksamen Marke geworden. Wo ein berühmter Koch auftritt, dahin strömen die Massen. Und wo er sogar noch selbst kocht, dorthin erst recht. Wie etwa zu den Live-Kochshows von Küchen-Kasper Tim Mälzer im Hamburger Kongress-Zentrum. Die sind regelmäßig ausverkauft.
Der Branche an sich nützt das alles leider nicht. Johann Lafer, Grandseigneur unter den TV-Köchen, sieht sein Tun durchaus kritisch. Er glaubt, wie das Magazin
Zwar profitieren Lokale der gehobenen Kategorie vom Lifestyle-Mehrwert guten Essens, die einschlägigen Branchenzahlen sprechen aber eine andere Sprache. Die zeigen nämlich seit Jahren rückläufiges Geschäft. Den einfachen Gastronomen mag es seltsam anmuten, zu beobachten, wie die eigenen Umsätze kaum zu halten sind, die Einschaltquoten der Kochsendungen, die wie die Shii-Take-Pilze aus dem Boden sprießen, aber in die Höhe schnellen.
Wenn das Zuschauen schon so schön ist, wie schön muss dann erst das Essen sein. Die Branche kann sich nur wünschen, dass möglichst viele der virtuellen Passiv-Esser diese Erfahrung auch ganz reell machen. Der Ruhm Einzelner mag das Ansehen der Branche steigern, nutzen tut er in der Hauptsache den Fernsehköchen selbst. Jedenfalls sehen das 40 Prozent der Teilnehmer einer
