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Spitzenküche made in USA

Witzigmann-Preise in Stuttgart feierlich verliehen / Thomas Keller für „Große Kochkunst“ geehrt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/43 vom 28. Oktober 2006
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STUTTGART. In vier Kategorien wurde am vergangenen Montag in Stuttgart der Internationale Eckart-Witzigmann-Preis vergeben. Im Neuen Schloss der baden-württembergischen Landeshauptstadt nahmen US-Spitzenkoch Thomas Keller (Kategorie Große Kochkunst), der Schweizer Cuisinier Fredy Girardet (Lebenswerk), Berlinale-Chef Dieter Kosslick (Literatur, Wissenschaft und Medien) und die Hamburger Köchin Cornelia Poletto (Nachwuchs) ihre Auszeichnungen entgegen.

„Ich widme den Preis den jungen amerikanischen Köchen“, sagte Thomas Keller in seiner kurzen Dankesrede. Sein Laudator John Kornblum, ehemals Botschafter der USA in Deutschland, hatte Keller zuvor bescheinigt, „eine klassische amerikanische Erfolgsgeschichte geschrieben zu haben“. Von der Küche im kleinen Restaurant seiner Mutter brachte Keller es bis zum Besitzer zweier Top-Adressen in Kalifornien (The French Laundry) und New York (Per Se). Dort praktiziert er einen entschieden innovativen Küchenstil. Eine einfallsreiche Mischung aus klassischer, französischer Tradition und regionalen Elementen. „Thomas Keller hat den Standard für die Kochkunst in den USA etabliert“, so John Kornblum in seiner Laudatio.

Altmeister Frédy Girardet hat vor zehn Jahren sein Restaurant im schweizerischen Crissier in die Hände seines Küchenchefs Philippe Rochat gegeben. Die drei Michelin-Sterne sind geblieben. Girardet habe über Jahrzehnte hinweg als Neuerer gewirkt, eigenständig, vorausschauend und stets unabhängig von Moden, so die Jury in ihrer Begründung. Hunderten von Schülern habe Girardet sein Wissen weitergegeben, hob Marc Haeberlin, Witzigmann-Preisträger 2004, in seiner Laudatio hervor. Eine pure Küche habe Girardet praktiziert, „eine Küche, die wir lieben – ohne Schäume und Stickstoff“, spielte Haeberlin an auf den Avantgarde-Koch Ferran Adrià, Preisträger des vergangenen Jahres.

„Keine Mätzchen, verständlich und köstlich“, so beschrieb Feinschmecker-Chefredakteurin Madeleine Jakits in ihrer Rede für Cornelia Poletto die Küche der jungen Hamburger Gastronomin. Die 35-Jährige kocht in ihrem eigenen Restaurant, das sie gemeinsam mit ihrem Mann führt. Einen Michelin-Stern hat Cornelia Poletto sich erarbeitet; ihr Betrieb zählt zu den zehn besten ausländischen Restaurants in Deutschland. Gelernt hat sie ihren Beruf bei Heinz Winkler, von dessen Perfektionismus sie profitiert hat, auch wenn der Meister sie zunächst nur habe Kerbel zupfen lassen, wie Poletto sich erinnert.

Dieter Kosslick wurde geehrt „als Förderer der Vermittlung des Kulturthemas Essen im Film“. Auf der kommenden Berlinale präsentiert er kulinarisches Kino in der Filmreihe „Look & Cook“. Kosslicks Credo: „Genuss und Verantwortung sind kein Widerspruch.“ Die Laudatio auf Kosslick hielt der Schauspieler Mario Adorf.

Der Eckart-Witzigmann-Preis wird seit 2004 jährlich von der Deutschen Akademie für Kulinaristik in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg, der DaimlerChrysler Bank und weiteren Partnern vergeben.Holger Zwink

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