Stimmung gut, Prognosen gemischt
Die deutsche Wirtschaft wächst / Euro-Schuldenkrise verunsichert Unternehmer
STUTTGART. So zuversichtlich wie derzeit haben sich Hoteliers und Gastronomen selten geäußert. Sie glauben daran, dass ihre Umsätze gut bleiben und sich sogar noch steigern lassen. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaft, Berlin, gibt dieser Einschätzung recht und prognostiziert der deutschen Wirtschaft für das dritte Quartal ein Wachstum von 0,4 Prozent. Die Turbulenzen an den Börsen seien kein Grund zur Panik, meinte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner.
Doch so unterschiedlich, wie Wettervorhersagen sein können, sind die Einschätzungen anderer Institute. Laut Ifo-Institut ist die Stimmung unter den deutschen Firmenchefs (7000 wurden befragt) so schlecht wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Bereits im Juli hatte das wichtige Stimmungsbarometer nachgegeben, im August sank der Geschäftsklimaindex noch deutlicher als erwartet von 112,9 auf 108,7 Punkte. „Die deutsche Wirtschaft kann sich den weltweiten Turbulenzen nicht entziehen“, betonte Hans-Werner Sinn in München.
Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Hans Heinrich Driftmann, sieht die deutsche Konjunktur dagegen im Aufwind. Den Ängsten vor einer Rezession, die vor allem Finanzexperten prognostizieren, setzt er Optimismus entgegen. „Wir haben es nicht mehr mit einem Aufschwung XXL zu tun, aber immerhin noch mit einem Aufschwung XL.“ Der ZEW-Index, der eine Umfrage unter Bankanalysten und Finanzfachleuten widerspiegelt, brach hingegen ein. Der Einkaufsmanager-Index wiederum, der die Lage der deutschen Industrie zeigt, liegt bei 52 Punkten und damit über der Wachstumsschwelle von 50.
Grund zur Sorge geben Unternehmern die Schuldenkrise in Europa, die Wirtschaftslage in den USA und die Turbulenzen an den Börsen. Der deutsche Aktienindex (DAX) ist im August deshalb stark eingebrochen. lef