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Stoßtrupp gegen Stopfleber

Spitzenkoch Armin Karrer wird von Tierrechtlern massiv unter Druck gesetzt / Fragwürdige Vorwürfe gegen Foie gras / Weitere Restaurants bedroht

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/19 vom 13. Mai 2006

STUTTGART/FELLBACH „Das ist Erpressung!“ empört sich Armin Karrer, angesprochen auf das aggressive Vorgehen der Aktivisten von Peta (People for the Ethical Treatment of Animals) vor seinem Restaurant. Diese wollen, dass der Patron des Sternerestaurants Im Hirschen in Fellbach bei Stuttgart die Gänsestopfleber von seiner Karte nimmt. Da Karrer das ablehnt, haben Vertreter der Tierrechtsorganisation schon zweimal sein Haus belagert und Gäste mit Szenen grausamer Gänsemast verschreckt. Eine Klage gegen Peta läuft.

Dass gerade Karrers Lokal ins Visier der Tierrechtler geraten ist, das ist laut Tanja Breining, Kampagnenleiterin bei Peta, reiner Zufall. „Wir haben die Aktion Anfang März gestartet“, berichtet Breining. „Bundesweit haben wir über 30 Gourmetrestaurants angeschrieben und gebeten, die Gänsestopfleber von der Speisekarte zu nehmen“, erläutert sie die neue Strategie. Nach Ablauf einer gesetzten Frist droht Peta dann mit Demonstrationen vor dem Lokal.

Dort wird dem Wirt und den ankommenden Gästen per Video und plakatgroßen Fotos gezeigt, warum Peta gegen diese traditionsreiche Delikatesse agiert. Der Vorwurf: Bei der „qualvollen Zwangsernährung“ würden Gänsemägen platzen, die dazu verwendeten Metallrohre durchbohrten die Hälse der Vögel. Die Leber werde durch das Stopfen krankhaft verändert. Foie gras sei also „keine Delikatesse, sondern eine Krankheit“.

Armin Karrer fühlt sich zu Unrecht angegriffen. Er kennt seinen Gänseleber-Produzenten im Elsass ganz genau. Er habe ihn oft besucht und die Tiere sogar zwei Tage vor der Schlachtung gesehen. „Die Gänse dürfen dort frei herumlaufen und werden schmerzfrei gefüttert“, versichert er. Daniel Ohl, Sprecher des DEHOGA Baden-Württemberg, hält die Kampagne in ihrer Form nicht nur für „inaktzeptabel“, sondern auch für inhaltlich angreifbar. Es sei mehr als problematisch, dass „Unternehmer, die legal produzierte und legal gehandelte Ware auf der Speisekarte führen, Ziel von geschäftsschädigenden Pressionen“ würden.

Für Ohl ist klar, dass die Tierrechtler „Extrempositionen“ vertreten. Das zeige die Tatsache, dass Peta „mit der gleichen Vehemenz“ auch einen Feldzug gegen das Angebot von Kalbfleisch auf Restaurantspeisekarten führt. Obwohl es unter den Produzenten sicher schwarze Schafe gebe, hält er die Kampagne auch inhaltlich für angreifbar. Das belegten neuere wissenschaftliche Untersuchungen aus Frankreich. Ergebnis: Die „Gavage“, also das Stopfen der Gänse in der Endphase der Mast, ist weder Auslöser von chronischem Stress noch von Schmerzen bei den Tieren. Auch die Behauptung, es handle sich bei der Stopfleber um eine „schmerzhafte Krankheit“, wird von Fachleuten nicht unterstützt. Die Fähigkeit, in kurzer Zeit große Fettreserven zu bilden, ist demnach vielmehr eine natürliche Eigenschaft der Vögel – die Funktionsfähigkeit des Organs bleibe während der „Gavage“ in vollem Umfang erhalten.

Außerdem sei Peta bei der gehobenen Gastronomie an der falschen Adresse, glaubt Ohl. Denn unter Fachleuten sei es heute Konsens, dass eine artgerechte Tierhaltung nicht nur aus ethischen Gründen die beste Art der Fleischerzeugung ist, sondern dass sie auch die qualitativ besten Ergebnisse liefert. Ohl: „Qualitätsgastronomie und Tierschutz schließen sich daher nicht aus – das Gegenteil ist der Fall.“

Unbedingt vermeiden will der DEHOGA, dass mit dem „Hirschen“ ein Präzedenzfall geschaffen wird. „Schon deshalb erhält Armin Karrer von uns jede mögliche, also auch juristische Unterstützung“, betont Ohl. Rechtlich sieht sich Peta auf der sicheren Seite: „Wir haben die Genehmigung vom Ordnungsamt.“

Hilfe von Verbandsseite könnte manch anderer Gastronom noch bitter nötig haben. Denn parallel zur Foie-gras-Kampagne läuft gerade eine gegen Hummer, und Tanja Breining droht: „Herr Karrer wird sicher nicht der letzte Fall sein.“Bernhard Eck

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