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Gastronomie

Tisch übers Internet reservieren

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2010/28 vom 10. Juli 2010
von Wolfgang Faßbender

STUTTGART. Noch immer werden die allermeisten Plätze in den gastronomischen Betrieben der Bundesrepublik so gebucht, wie vor 50 Jahren – per Telefon. Doch seit zwei oder drei Jahren scheint eine Reservierungs-Revolution ausgebrochen. „Wir haben das System seit etwa eineinhalb Jahren“, sagt Wolfgang Becker vom Weinhaus Becker in Trier, „und in diesem Zeitraum ist die Tendenz der Onlinereservierungen stetig steigend.“

System bedeutet in diesem Falle die Einbindung eines Reservierungstools in die eigene Website: Der Gast kann selbst nach freien Tischen recherchieren. Das kann mitunter sogar zu einem Ansturm führen. „Etwa 40 Prozent aller Reservierungen kommen online herein“, sagt Gerd Schmid von der Stuttgarter Speisemeisterei. Doch auch geringere Raten sind für immer mehr Wirte Grund genug, einen Vertrag mit OpenTable, Livebookings, Table Booking oder anderen Servicepartnern zu unterschreiben.

„Online reservieren rund 5 Prozent unserer Gäste“, sagt Alejandro Wilbrand von der Post in Odenthal. In Wolfgang Beckers Gourmetrestaurant wird im Durchschnitt ein Tisch pro Woche per System gebucht, im Fine Dining des Frankfurter Tigerpalastes ist es etwa das Fünffache. „Im Winterhalbjahr auch schon mal zehn pro Woche“, berichtet Geschäftsführer Robert Mangold. Doch egal, um wie viele Zugriffe es geht – wer ein Buchungssystem installiert hat, ist meist Feuer und Flamme.

Online-Reservierung unerlässlich

„Im heutigen Zeitalter ist die Möglichkeit der Online-Reservierung aus unserer Sicht unerlässlich“, sagt Oliver Kraft vom Leipziger Falco. Vorteile gibt es viele: Bestellungen können auch nachts erfolgen, Warteschleifen werden vermieden, Missverständnisse aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse ausgeschlossen. Nicht nur Assistenten und Sekretärinnen schätzen es, vom Buchungssystem eine sofortige Bestätigung per Mail zu erhalten, Allergiker geben am Bildschirm Sonderwünsche ein. Alles mit einer verblüffenden Ernsthaftigkeit.

„Die gemachten Reservierungen sind verbindlich“, sagt Wolfgang Becker, „die leider auch stetig steigende Tendenz von No-Show-Reservierungen ist bei OpenTable-Reservierungen deutlich geringer.“ In der Stuttgarter Speisemeisterei berichtet auch Gerd Schmid von großer Verbindlichkeit. „Wir hatten in den vergangenen Monaten gerade mal einen einzigen Fall von Spaß-Buchung.“ Die Buchung per Onlinesystem, bei der die Gäste beispielsweise auch zwischen Innen- und Außenbereich wählen können, hat freilich ihre Grenzen.

„Im Tiger-Bistrot können wir damit leider aus organisatorischen Gründen nicht arbeiten“, sagt Robert Mangold, „da wir einen Großteil unserer Bankettveranstaltungen in den Räumen des Bistrots durchführen.“

Wolfgang Becker hat zwar für sein Zweitlokal ein eigenes System eingerichtet, sieht die dortige Performance aber nüchtern: „Das Weinhaus ist ja eher auf regionales Publikum ausgerichtet, das teilweise gar nicht reserviert.“ Immerhin: ein bis zwei Buchungen pro Woche kommen selbst hier online herein.

Vereinfachte Verwaltung

Auf der Habenseite steht natürlich auch die vereinfachte Form der Gästeverwaltung; Mailings können zielgruppengenau versandt werden. „Wir sind froh, dass wir kein Reservierungsbuch mehr brauchen“, sagt Post-Chef Wilbrand.

Für große Gesellschaften freilich kommen Onlinesysteme nicht infrage, und auch die Kosten sind keinesfalls zu unterschätzen. Je nach Anbieter und Umfang des Vertrages muss man im Monat bis zu 99 Euro einkalkulieren. Die erfolgreiche Einzelbuchung kostet den Gastronomen mal gar nichts, mal 50 Cent oder sogar 2 Euro.

Weitere Nachteile? „Durch die Uhrzeitenvorgabe ist das System sehr statisch“, ist Wolfgang Becker aufgefallen. Viel Geld, wenig Flexibilität: Für manchen Gastronomen gute Gründe, vorerst weiter konventionell mit Telefon, Fax oder E-Mail zu arbeiten. „Für kleinere Restaurants wie unseres ist so ein System schwierig zu benützen“, sagt Peter Nöthel vom Düsseldorfer Hummerstübchen.

„Es kann bei uns jede Minute passieren, dass alles umgestaltet werden muss.“ Und auch die eifrigsten Verfechter der Onlinesysteme können der alten Fernsprechmethode etwas abgewinnen. „Immer noch am wertvollsten für uns ist die telefonische Reservierung“, sagt der Leipziger Oliver Kraft. „Man hat die Möglichkeit, im persönlichen Gespräch einiges über den Gast zu erfahren.“

www.opentable.com

www.livebookings.de

www.table-booking.com

www.online-table.com

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