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TAGUNGEN UND KONGRESSE Großes Wachstumspotenzial auch für kleinere Hotels

Trends aufgreifen und investieren

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2007/15 vom 14. April 2007
von  

Die Tagungs- und Kongresshotellerie bleibt ein Zugpferd der Hotel-Branche in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt die Treugast Solutions Group in ihrem Trendgutachten Hospitality 2006/2007. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) stützt diese Ansicht.

Die DZT erwartet weitere Zuwächse, nachdem Deutschland bereits im Vorfeld der Fußball-WM im Bereich internationaler Tagungen und Kongresse allein aus Europa zwei Prozentpunkte zulegen konnte. Sie geht davon aus, dass die Bundesrepublik ihre Position als weltweiter Messestandort Nummer eins und Tagungs- und Kongressstandort Nummer zwei hinter den USA ausbauen kann. Profitieren werden davon vor allem größere Hotels und Häuser in den Ballungsräumen, so die Treugast in ihrem Trendbericht. Voraussetzung: Sie investieren weiter und verschlafen die aktuellen Trends nicht.

Berlin bei Tagungen vorn

Diese Entwicklung lässt sich am Bespiel Berlin belegen: Die deutsche Hauptstadt liegt laut einer Umfrage der International Congress & Convention Association (ICCA) bei der Beliebtheit der weltweiten Tagungsdestinationen hinter Barcelona, Singapur und Wien auf Platz vier. „2006 war für den Tagungs- und Kongressstandort Berlin trotz der WM mit nahezu 100.000 Veranstaltungen und rund 7,45 Mio. Teilnehmern ein hervorragendes Jahr“, erklärt Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM). Laut jüngster Kongress-Statistik 2006 betrug das Plus bei den in den 156 Berliner Tagungshotels durchgeführten Veranstaltungen 7 Prozent, das der bewirteten Teilnehmer 13 Prozent.

Zwei Hotel-Kooperationen in der Hauptstadt bemühen sich darum, gemeinsam größere Kapazitäten und mehr Großveranstaltungen (auch internationale) nach Berlin zu holen. Das Hotel Palace Berlin, das InterContinental Berlin, das Dorint Sofitel Schweizerhof und das Crowne Plaza Berlin offerieren unter dem Namen „Destination Berlin“ (ehemals „Destination Budapester Straße“) gemeinsam rund 90 Konferenzräume mit knapp 11.000 Quadratmetern.

Vorteil einer derartigen Kooperation ist das „One-Stop-Prinzip“. „Der Kunde fragt in einem der vier Hotels an und wird vom dortigen Bankett-Verkaufsleiter betreut. Die Koordination zwischen den Hotels erfolgt hinter den Kulissen. Der Kunde muss nur eine statt vier Anfragen starten, um Kapazitäten in gewünschter Größe zu erhalten“, erläutert Uta Walther, Public Relations Managerin des Palace Berlin.

Ähnliche Kapazitäten hält seit September 2006 die Hotel Alliance Berlin Potsdamer Platz für Veranstalter bereit. Gemeinsam bringen es das Grand Hyatt, das Ritz-Carlton, das Marriott und das Maritim auf eine Tagungsfläche von rund 10.500 Quadratmetern für mehr als 5000 Personen. „Mit dieser Initiative wollen wir den Potsdamer Platz im In- und Ausland als den Standort für Meetings, Tagungen und Kongresse im Zentrum der Hauptstadt positionieren und gleichzeitig für Berlin als attraktive Kongressdestination werben“, erläutert Fred Hürst, Direktor des Grand Hyatt und Area Vice President Hyatt International.

Das Hyatt hat einen aktuellen Trend aufgegriffen und seine Veranstaltungsräume neu und individuell gestaltet. „Die Gäste sollen sich in dem wohnlichen Ambiente wie in einer privaten Umgebung fühlen, anstatt in einem seelenlosen Hotelkonferenzraum einer Pflichtübung nachzugehen. Wer sich wohl fühlt, ist automatisch kreativer“, sagt Hürst. Doch nicht nur der zeitgemäßen Ausstattung von Konferenz- und Tagungsräumen kommt eine immer stärkere Bedeutung beim Kampf um Kunden zu, auch ungewöhnliche Locations spielen bei der Organisation hochwertiger Events eine immer größere Rolle, so die Treugast.

Profitnehmer vom boomenden Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft sind außer den großen auch kleinere Hotels – wenn sie ihr Potenzial ausschöpfen und sich entsprechend positionieren. Möglichkeiten dazu: Zertifizierungen sowie die Online-Vermarktung oder die Spezialisierung auf Seminare, Kongresse und Tagungen.

Prüfsiegel im Kommen

Die Zertifizierung „Certified Conference Hotel“ ist eine Initiative des Verband Deutsches Reisemanagement (VDR), der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM), des German Convention Bureau (GCB) und der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren. Seit Sommer 2005 will das Prüfsiegel den Standard für die deutsche Tagungshotellerie setzen. Inzwischen haben sich112 Hotels der Prüfung nach bestimmten Kriterien unterzogen und die Zertifizierung erhalten. Zu dengeprüften Auflagen gehören unter anderen: eigener, professioneller Tagungsbereich, standardisierter Abrechnungsprozess, professionelle Veranstaltungsbetreuung, Ausstattung und Dienstleistung für Geschäftsreisende.

Einer der Vorteile für die zertifizierten Hotels ist neben der Kennzeichnung durch das Gütesiegel, dass sie über die VDR-eigene Buchungsmaschine buchbar sind und im Internet mit dem Logo der Zertifizierung gekennzeichnet werden (z.B. bei www.hrs.de , www.tagungonline24.de , www.intergerma.de , www.euromeetings.de , www.starcite-europe.com oder www.tagungsplaner.de ).

Ob kleine oder große Veranstaltung, online gebucht oder telefonisch angefragt – der Markt wächst und besondere Anstrengungen lohnen sich. Schließlich, so die ghh consult GmbH in ihrem Bericht „Der deutsche Tagungs- und Kongressmarkt 2005/ 2006“, lag der durch Tagungs-, Kongress- und Veranstaltungsteilnehmer erbrachte Gesamtumsatz 2005 bei54,4 Mrd. Euro. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Jahr 2002 um 10 Prozent. Uwe Lehmann

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