Konzepte: Designhotel Rosenbohm in Oldenburg
Übernachten im Musterzimmer
OLDENBURG. Ankommen, auspacken, schlafen, frühstücken, einpacken, abfahren: Das ist im DesignhotelHoteltypus, der auch andere Konzepte umfasst wie Lifestyle-, Boutique-, Art- oder Konzepthotels.
weiter mit Mausklick... Rosenbohm wie in allen Hotel garnis. Doch daneben macht das Oldenburger Haus dem Gast ein Angebot, das doch sehr ungewöhnlich ist – nämlich ihm das Bett, in dem er gerade geschlafen hat, direkt nach Hause zu schicken.
Und nicht nur das Bett. Auch den Nachttisch, die Tapeten, den Teppich, die Lampen, ja sogar die Bettwäsche. Stellt sich die Frage, ob Rosenbohm eigentlich ein Hotel oder ein Möbelhaus ist. Die Antwort: beides! Sogar mit nur einem Eingang – wer Möbel kaufen möchte, hält sich nach fünf Schritten links, wer übernachten möchte, geht nach rechts. Dementsprechend muss, wer die Nachttischlampe aus dem Zimmer haben möchte, noch nicht mal das Gebäude verlassen, um sie zu kaufen.
Wäre ein Oldenburger älter als 130 Jahre, würde er seine Stadt ohne den exklusiven Einrichter kennen, so aber ist das Unternehmen jedermann ein Begriff. „Diesen BekanntheitsgradProzentualer Anteil potenzieller Kunden oder Gäste, die eine Leistung, eine Marke oder ein Unternehmen kennen.
weiter mit Mausklick... wollten wir nutzen, zudem ein weiteres Standbein aufbauen sowie altes und neues Geschäftsfeld verknüpfen“, erläutert Möbelhaus- und Hotel-Inhaberin Kristin Stratmann.
Verschiedene Stile
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Die acht Hotelzimmer wurden am 1. Januar 2012 eröffnet. Sie sind so etwas wie Musterzimmer – in denen man aber für gut 100 Euro übernachten kann. Eingerichtet haben sie acht Innenarchitekten des Möbelhauses, „und deren Geschmäcker sind ziemlich verschieden“, so Stratmann lächelnd. So hat Ludger Tovar in Zimmer 2 überdimensionale Fußbälle als Sitzmöglichkeiten gelegt, Susanne Tovar in Zimmer 3 fliegende Vögelchen als Kleiderhaken angebracht, Gerd Drexhage im schwarz-weißen Zimmer 8 ein mannshohes Zebra an die Wand geklebt. Zimmer 4 von Gislinde Rosenbohm bietet eine Nachttischlampe in Blumenform, deren „Blütenblätter“ sich öffnen, sobald die Birne brennt.
„Stets kam es darauf an, den Raum perfekt zu nutzen“, erläutert Kristin Stratmann weiter. Das Gebäude sei alt, am vorhandenen Platz nichts zu ändern. Spiegel, Trennwände und raumsparende Duschabtrennungen im Bad verhindern jedoch das Gefühl von Beengtheit. Im Gegenteil, es ist behaglich. Und darauf kommt es Stratmann an: „Die Gäste sollen sich bei uns wie zuhause fühlen.“ Das sagt zwar jeder Hotelier, bei Rosenbohm ist es aber doppelt wichtig – sollen die Gäste das Interieur doch für ihr Zuhause kaufen. Kurzzeitig hatte die Chefin überlegt, Preisschilder an die Möbel zu heften. Das wäre nicht nur ein Hingucker, es hätte mit Blick auf die Akzeptanz der Zimmerpreise auch nicht geschadet, die Gäste wissen zu lassen, dass sie in einem 12.000-Euro-Bett nächtigen. Günstige Getränke
Letztlich erschienen Stratmann Preisschilder aber zu aufdringlich, schließlich seien die Zimmer in erster Linie zum Übernachten da.
Entsprechend dem hochwertigen Interieur ist auch das Frühstück. Das wird nicht als Buffet präsentiert, sondern auf Etageren, die außer Wurst, Käse und Marmelade das bieten, was Stratmann selbst morgens am liebsten mag: Rührei, Jogurt, Obstsalat. „Und frisch gepressten Orangensaft!“
Getränke rund um die Uhr bekommt der Gast aus den Designerkühlschränken auf den drei Etagen. Die 0,375-Flasche guten Rotwein kostet dort 6 Euro, das Mineralwasser 2 Euro. „Ich kann es nicht leiden, wenn Hotels fürs Wasser 10 Euro berechnen“, erklärt Stratmann die moderaten Preise. Um einen Espresso aus dem Vollautomaten zu bekommen, reicht 1 Euro.
Das ist nett, allerdings könnten hotelerfahrene Geschäftsleute auch Annehmlichkeiten vermissen: Das Rosenbohm bietet keinen Fahrstuhl, keine Bar, keinen Wellnessbereich. Das Rosenbohm kooperiert aber mit einem Fitness-Studio um die Ecke, so dass die Gäste dort saunieren können.
Die Zwischenbilanz nach einem knappen halben Jahr am Markt fällt für das Hotel gut aus. Die Auslastung liegt bei 60 Prozent, und viele Gäste – wichtig bei diesem Konzept – steuern morgens nicht direkt den Ausgang an, sondern biegen ab ins Einrichtungshaus. Alexander Schmolke


