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Editorial

Was Spirituosen versprechen

Von Hendrik Markgraf, Chefredakteur

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2006/42 vom 21. Oktober 2006

Was trinken Sie in welcher Stimmung zu welchem Anlass? Zum Fußball das Bier, zur Hochzeit das Glas Sekt, zum Feierabend einen Whisk(e)y ?

Was der Mensch wann und wo trinkt, hängt von der Situation ab, von der Stimmung, in der er sich befindet. Und von der Stimmung, die das Getränk verspricht.

Insofern sind Alkoholika Stimmungsmacher. Der Gast trinkt einen Likör, um sich in eine liebliche Stimmung zu versetzen. Ein Schnaps hingegen kühlt das Gemüt eher ab – oder aber er heizt es an. Beide Wirkungen – Beruhigung oder Aufbruch und Enthemmung – stecken in (fast) jeder Spirituose. Die Werbung greift das auf, indem sie dem Konsumenten ein bestimmtes „Verfassungsversprechen“ macht, wie Psychologen sagen.

So verbindet sich mit jeder Marke eine bestimmte Aussicht: Trink mich und du wirst beruhigt, beschwingt, befeuert. Wer als Gastronom diese Marke auf der Karte hat, schließt sich diesem Versprechen an.

So hat im Getränke- und Gastronomie-Universum jedes Produkt seinen eigenen Platz. Wobei es den Platz auch gewollt oder ungewollt wechseln kann. Zum Beispiel Bier. Früher eher ein Getränk für die niedrigen Stände, ist es mittlerweile auch in gehobeneren Kreisen salonfähig geworden. Es hält die Konkurrenz mit anderen kultivierten Getränken aus, etwa mit Wein.

Die Werbung und die Brauer betonen auch gern den beruhigenden Charakter des Gerstensaftes, indem sie dessen Reinheit herausheben. Dennoch haftet dem Bier immer auch etwas mehr Alltägliches an, das edlere Tropfen meiden.

Eine Ausnahme bildet eine Marke, die es wie kaum eine zweite verstanden hat, das Bier in den Rang eines exquisiten Getränks zu heben: Stauder. Hier gelingt das Kunststück, sich mit Stimmungsqualitäten zu verbinden, die sonst nur Sekt oder andere feine Sachen hervorzaubern. Mehr darüber auf Seite 6. Viel Vergnügen bei der Lektüre.

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