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Starkes Duo: Die Geschwister Bärbel Lasotta und Udo Schachtsiek Foto: Micaela Buchholz

Erfolgreiche Gastronomie Die Kleineren (49)

Weinmenü vor dem Bollerofen

In Bad Wimpfen bringt ein Geschwisterpaar Tradition und eigenes Profil unter einen Hut. Die Weinstube Feyerabend ist eine Institution in der mittelalterlichen Stauferstadt

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/13 vom 22. März 2008
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BAD WIMPFEN. Die Weinstube Friedrich Feyerabend ist eine Konstante im Wechsel der Zeiten. Die bunt verzierten Bleiglasfenster filtern weiches Licht in die holzgetäfelte Stube. Im Rücken bollert der Kachelofen. Stammgäste werden gerne mit Handschlag begrüßt. Vom Tisch aus blicken die Gäste in die nostalgisch anmutende Konditorei, in der Bärbel Lasotta Torten und Kuchen verkauft, die ihr Bruder Udo Schachtsiek nach alten Familienrezepten herstellt.

Die Hotelfachfrau und der Küchenchef und Konditor halten das Lebenswerk ihrer Vorfahren mit viel Engagement in Ehren. Urgroßvater Friedrich Feyerabend übernahm um 1900 die Bäckerei-Konditorei mit Ausschank. Seitdem wurde in dem Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert immer sehr behutsam renoviert. Vor ein paar Jahren kauften die Urenkel das Nachbarhaus und integrierten es ganz unauffällig in das bestehende Gastronomie-Konzept: Die Konditorei wurde ein bisschen größer, im ersten Obergeschoss entstand eine Küche und daneben, in der Wohnung seiner Kindheit, hat Udo Schachtsiek das Restaurant „Friedrich“ eingerichtet. „Über zwei Etagen, das ist sehr personalintensiv“, sagt Bärbel Lasotta. Der Betrieb arbeitet mit acht Festangestellten und zwei bis drei Aushilfen. Mutter Ilse, ein Wimpfener Original, ist auch noch mit von der Partie. Schließlich prägt sie die Weinstube seit 40 Jahren.

Im Gegensatz zu dem urgemütlichen Lokal im Erdgeschoss, wo Süßes und Schwäbisches serviert wird, strahlt das Friedrich im ersten Stock schlichte Eleganz aus. „Im Stil der 1920er Jahre“, sagt der Küchenchef und Konditor. Seit 2005 serviert er in diesem Ambiente frische europäische Küche mit Einflüssen aus allen Ecken der Welt. Zutaten regionaler Herkunft seien ihm wichtig. In der häufig wechselnden Karte finden sich kleine Gerichte, wie bayerische Kalbsleberknödelsuppe, aber auch Barbarie-Entenbrust mit Gemüse und Parmesan-Risotto. Sehr gute Erfahrungen hat Schachtsiek mit dem Menü des Tages gemacht, das er mit vier oder drei Gängen anbietet. Beliebt seien auch Fischwochen, kulinarische Lesungen und Weinmenüs. Was die Weinkarte angeht, konzentriert sich Schachtsiek bewusst auf europäische Gewächse.

Der eigentliche Publikumsmagnet, vor allem am Wochenende, sei immer noch die Weinstube mit Café – eine Institution in der mittelalterlichen Stauferstadt. Tatsächlich drängeln sich alle um die Tische, um das fast schon museale Ambiente zu genießen.

Der heutige Wochenendtourismus sei jedoch auch nicht mehr, was er mal war, als es noch keine ausgefeilte Freizeitindustrie gab, sagen die Geschwister. Wochentags ist es recht ruhig und beschaulich in den kopfsteingepflasterten Gassen der Stadt. „Würde unser Lokal in Heidelberg stehen, wäre es ständig voll“, da sind sich die beiden einig. Udo Schachtsiek wünscht sich vor Ort noch mehr Mitbewerber aus der gehobenen Gastronomie: „Das belebt das Geschäft für alle.“ Micaela Buchholz

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