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Verbände

Wirbel um Eurotoques

Ernst-Ulrich Schassberger verlässt mit Eurotoques Europa den internationalen Dachverband

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/23 vom 7. Juni 2008
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STUTTGART. Die Köchevereinigung Eurotoques mit ihrem umstrittenen Deutschland-Chef Ernst-Ulrich Schassberger (62) kommt nicht zur Ruhe. Der Dachverband Eurotoques International in Brüssel hatte die rund 500 deutschen Mitglieder schriftlich aufgefordert, sich von ihrem Präsidenten zu trennen und eine neue Vereinigung zu gründen (ahgz.de vom 30. Mai). Grund dafür war, dass die deutsche Sektion seit drei Jahren keine Beiträge mehr abgeführt hat. Damit „befinden Sie sich ohne Wissen in einer rechtswidrigen Situation“, hieß es in dem Schreiben. Brüssel warf dem deutschen Präsidenten außerdem „kommerzielle Ziele“ vor.

Schassbergers Reaktion blieb nicht aus: Kurz vor Redaktionsschluss am vergangenen Mittwoch ließ er per Pressemitteilung verbreiten, dass die Vereinigung „Eurotoques Europa“, der er vorstehe, sich von Eurotoques International getrennt habe. Er wirft der Dachorganisation vor, „Unwahrheiten und Verzerrungen“ zu verbreiten. Seinen Angaben zufolge hat „Eurotoques Europa“ 4000 Mitglieder. Andere Länder könnten sich dem neuen Dachverband anschließen.

Es brodelt also bei Eurotoques. 3-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt, einer der Vizepräsidenten, bestätigte gegenüber der AHGZ, dass er sich „von Eurotoques schriftlich losgesagt“ habe. „Ich möchte nicht mehr in Zusammenhang mit Eurotoques genannt werden“, sagte der Küchenchef der Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn, und fügte hinzu: „Ich kann mich damit nicht mehr identifizieren.“ Der nationale Alleingang Schassbergers sei jetzt erst durch das Schreiben aus Brüssel bekannt geworden.

Otto Geisel, Präsident von Slow Food Deutschland, kann über das Verhalten von Eurotoques-Chef Schassberger nur den Kopf schütteln. „Ich hatte nie Händel mit Schassi. Aber er ist verwirrt“, sagt Geisel, der sich erstmals in seinem Leben zu einer Strafanzeige gezwungen sah. Schassbergers Sprecher Klaus Scherr hatte in einem Interview mit der Südwest Presse die Genießervereinigung Slow Food in Zusammenhang mit der Scientology-Sekte gebracht. Nach Ansicht von Geisel sind diese Vorwürfe „absurd“.

Inzwischen hat sich die in Kaisersbach-Ebni im Schwäbischen Wald ansässige Köchevereinigung Eurotoques verpflichtet, künftig derartige Äußerungen zu unterlassen. Schassberger distanzierte sich „ausdrücklich“ vom Vorgehen seines Sprechers.

„Dies ist ein Trauerspiel für die ganze Branche. Es ist schade, dass eine gute Idee jetzt so verbogen in der Öffentlichkeit steht“, kommentiert Otto Geisel den Krach. Harald Wohlfahrt stellt fest: „Dies ist nicht mehr seriös.“ Den Baiersbronner Spitzenkoch stört auch, dass es bei Eurotoques Deutschland keine Mitgliederversammlung gibt und dass Ernst-Ulrich Schassberger weder einen Jahresbericht noch einen Kassenbericht veröffentlicht.

Schassberger hatte bereits vor zwei Jahren für Schlagzeilen und für Kopfschütteln in der Branche gesorgt. Nach einem Streit mit seiner Frau und seinen Kindern, denen er das Hotel am Ebnisee übergeben hatte, warf er seinen Sohn, den Sternekoch Ernst Karl Schassberger, aus der Köchevereinigung. „Ich hatte mir damals schon überlegt, auszutreten“, sagt Wohlfahrt. Jetzt sei das Fass übergelaufen.

Der Slow-Food-Sprecher Ulrich Rosenbaum glaubt den Hintergrund für Schassbergers Angriffe auf Slow Food zu kennen: „In seiner Not will er nun uns was anhängen.“ Viele Mitglieder von Eurotoques würden auch Slow Food angehören, und vielen schmecke der „Absolutheitsanspruch“ von Schassberger überhaupt nicht. Eurotoques müsse wieder in ruhigere Fahrwasser gebracht werden. „Das wird mit dem jetzigen Präsidenten sicher nicht gelingen“, urteilt Rosenbaum.


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