Konzepte: Plattenhof in Zürich
Wohnen wie bei Freunden
ZÜRICH. In vielen Hotels dominiert das Bett den Raum und weist ihn somit klar als Schlafzimmer aus. Im Plattenhof ist man bemüht, diesen Charakter zu durchbrechen. Ein Arbeitsplatz mit Tisch und Stuhl fallen im Hotelzimmer ebenso auf wie das Bett. Die Zimmer sind mit Größen zwischen 15 und 23 Quadratmetern zwar nicht riesig, sollen aber das Ambiente eines Gästezimmers bei der eigenen Familie oder bei Freunden vermitteln.
Das Konzept haben Thomas und Beatrice Sos, seit 2003 Pächter des Plattenhofs, entwickelt. Die beiden haben dafür auf langjährige internationale Berufserfahrung zurückgegriffen. Zudem reisen beide gern und schauen sich auf der ganzen Welt innovative Hotelkonzepte an.
Die Leitung des Plattenhofs haben die Pächter in die Hände von Hoteldirektor Peter Sidler gelegt. „Unter der Woche logieren bei uns viele Geschäftsleute, die die familiäre Atmosphäre genießen“, sagt Sidler. Gerade Menschen, die beruflich viel unterwegs sind, finden im Plattenhof ein gemütliches und persönlich anmutendes Zuhause auf Zeit. Dies gilt für Hotel und Gastronomie gleichermaßen. Die Küchenlinie des dazugehörigen Restaurants Sento ist traditionell italienisch, orientiert sich an der „cucina della mamma“. Bestseller sind hier Rinderfilet mit Steinpilzen und Cappelacci mit Trüffeln oder mit Büffel-Ricotta.
Die heimelige Atmosphäre soll der Gast übrigens schon spüren, wenn er das Hotel betritt. Es gibt daher keine klassische Lobby, eingecheckt wird an der Bar. „Man muss sich immer in den Gast versetzen, wissen, wie er denkt und welche Bedürfnisse er wann und warum hat“, sagt Sidler.
Der 37-Jährige hat nach AbschlussBezeichnung für die letzte Stufe im Verkaufsprozess.
weiter mit Mausklick... der Hotelfachschule in Luzern Erfahrungen in New York und in London gesammelt. Seit 2004 lenkt er die Geschicke im Plattenhof. Ihm ist es wichtig, dass sich die Gäste nicht fremd in einer fremden Stadt, sondern von Anfang an wie zu Hause fühlen und sich entsprechend frei bewegen können und auch wollen. „Allein Reisende essen oft viel lieber in der Bar als im Restaurant“, sagt Sidler. Das sei legerer und man könne auch mit anderen Gästen leichter ins Gespräch kommen. Da es in den Zimmern bewusst keine Minibar gibt, ist die Hotelbar auch stets gut frequentiert. Alle Zimmer verfügen allerdings über Flachbildschirm mit DVD-Player oder X-Box. Vor dem Einschlafen kann man sich also noch zum Nulltarif einen Film oder ein Spiel aus der frei zugänglichen Sammlung des Hauses gönnen.
Der Erfolg gibt den Betreibern Recht. Die Auslastung im Plattenhof beträgt rund 79 Prozent. Der Anteil der Stammgäste beläuft sich auf etwa 40 Prozent. Als Eckpfeiler dieses Erfolges sieht Peter Sidler eine faire Preispolitik, die herzliche Atmosphäre und nicht zuletzt die gute Lage. Dennoch ist der Plattenhof für den Passanten nicht auf den ersten Blick als Hotel zu erkennen. Er befindet sich in einem unscheinbaren Bürgerhaus unweit der Universität. Eigentümer des Gebäudes ist eine Studentenvereinigung.
Dass die Auslastung dennoch so hoch ist, liegt wohl auch an dem Alleinstellungsmerkmal, das das Hotel sich als Refugium mit persönlicher Atmosphäre erarbeitet hat. Das müsse man auch in einer Stadt wie Zürich, sagt Direktor Sidler. Zudem müsse man das erreichte Niveau halten, sonst könne das Hotel nicht überleben.
Auch im Marketing weicht der Plattenhof ab von der Standardwerbung und geht eigene Wege. Mit SponsoringFörderung von Personen oder Organisationen im kulturellen, sportlichen, ökologischen oder sozialen Bereich durch Unternehmen mithilfe von Geldern oder Sachleistungen.
weiter mit Mausklick...-Aktivitäten zeigt er, dass er lokal verankert ist und bleibt gleichzeitig im Gespräch. So unterstützt das Haus Veranstaltungen wie das Zürich Film Festival, das Pink Apple Film Festival, die Schweizer Jugendfilmtage und die Züricher Theatergruppe „Spielspitz“. Internationales Marketing betreibt der Plattenhof als Mitglied der Kooperationen der Avantgarde Hotels und der Epoque Hotels. Beide verstehen sich als inspirierende Trendsetter der Branche, die originelle Hotels unter ihrem Dach vereinen. Sylvia Herr




