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Die Burgherrschaft vom Hohenneuffen: Erika und Axel Vetter Foto: Daniela Haußmann

Erfolgreiche Gastronomie Die Kleineren(52)

Zum Bordeaux einen Schwertkampf

Weinproben, mittelalterliche Tafelei und historisches Markttreiben – auf der Burgruine Hohenneuffen treffen Gaumenschmaus und Geschichte aufeinander

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2008/19 vom 10. Mai 2008

NEUFFEN. Eingerahmt von den Wipfeln der umliegenden Wälder liegt auf einer Felsnase, hoch über dem Neuffener Tal, Süddeutschlands älteste Burgruine: Der Hohenneuffen. Dort wo einst Schwerter und Harnische im Streit erklangen, reift der Wein seit 750 Jahren an den sanft abfallenden Hängen der Schwäbischen Alb. Eine Tradition, an die Erika und Axel Vetter anknüpfen. Seit 26 Jahren hält das Burgherren-Ehepaar das rund 40 Kilometer südlich von Stuttgart gelegene Felsenschloss besetzt. Die 900 Jahre alte Burg war seit vielen Jahren ein Ausflugsziel für Wanderer, schöngeistige Spaziergänger und Familien, die sich am Kiosk bei Bier und Bratwurst eine Pause gönnten. Doch mit Erika und Axel Vetter brach eine neue Ära für die alte Festung an. Wo vor fast drei Jahrzehnten eine karge Inneneinrichtung mit Holzbänken die Gäste empfing, sorgen heute Ritterrüstung, Kachelofen, Gemälde mit historischer Szenerie und Landschaftsmalerei für ein romantisches Ambiente.

Direkt nach dem Studium hielt das Burgherren-Ehepaar Einzug auf dem Hohenneuffen. Damals standen die beiden Hotelbetriebswirte noch selbst hinterm Herd und machten aus dem ehemaligen Vereinsheim ein Restaurant. „Etwa 250.000 Besucher kommen jedes Jahr auf den Hohenneuffen“, erzählt Axel Vetter. „Wenn das Wetter mitmacht, sind es 2000 an nur einem Tag.“ Ihnen zaubert heute Sternekoch Stefan Hammer Gaumenfreuden der regionalen Feinschmeckerküche auf den Teller. Bei gebratener Lachsschnitte auf Dijonsenfsauce genießt der Gast ein einmaliges Panorama auf den Rand des schwäbischen Karststeingebirges und das Alpvorland.

Alle vier Wochen wechselt die Speisekarte. Verwendet werden Frischprodukte regionaler Lieferanten und Wild von umliegenden Jagdrevieren. Wie im Mittelalter weiß man auf der Festung nach wie vor die guten Eigenschaften des Weins zu schätzen. Im Gewölbekeller aus dem 16. Jahrhundert lagern vom Württemberger Trollinger bis zum edlen Rebsaft aus Burgund und Bordeaux Hunderte Flaschen köstlichen Weins. Geschäftsleute, Belegschaften, Rentner, Schüler und Familien finden den Weg zur Burg. „Für jeden ist etwas dabei. Das Angebot reicht von ganz einfacher Gastronomie mit dem Burgkiosk über die gehobenere Küche im Restaurant“, so Vetter, „bis hin zu Banketten und mittelalterlicher Tafeley, bei der Spielleute, Jongleure, Feuerschlucker und Herolde die Gäste in Deutsch und Englisch unterhalten.“

Alljährlich kehrt am vorletzten Augustwochenende das Mittelalter in die historischen Mauern zurück. Heerlager werden aufgeschlagen. Ritter messen sich im Schwerterkampf und Silberschmiede stellen ihr Handwerk vor. „Doch der Mittelaltermarkt ist nur eine von etwa 70 Veranstaltungen im Jahr, die wir selbst im Rahmen unseres Kultursommers organisieren“, beschreibt Erika Vetter das Erlebnisangebot. „Von Mai bis September haben wir an jedem Sonntag bei freiem Eintritt Musik im Burghof.“ In den übrigen Monaten stillen kulinarische Weinproben, Liedermacher, Kabarett und schwäbische Abende den Appetit der Gäste auf Events. Seit 1982 warten die Vetters immer wieder mit neuen Ideen auf. Ein Shuttle-Service bringt bei Hochzeiten und Banketten die Besucher zur Burg hinauf. Der Andrang ist groß. „Wenn wir ausgebucht sind oder jemand lieber zu Hause feiert, bieten wir unser Catering an.“

Für das dienstälteste Burgherren-Ehepaar Baden-Württembergs ist mit der Gastronomie inmitten von Tradition und Natur ein Traum wahr geworden. „Mitten in der Stadt bei all der Konkurrenz wollte ich nicht sein“, erzählt Axel Vetter. „Der Hohenneuffen ist unser Leben geworden.“ Daniela Haußmann

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