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KLARTEXT

Zwangsbeglückung

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2005/10 vom 12. März 2005

Das Gastgewerbe hat langsam genug von der Zwangsbeglückung aus Brüssel. Gerade haben wir unter Brüsseler Druck zum Thema Rauchverbot im deutschen Gastgewerbe besser den Kopf aus der Schlinge gezogen als viele andere europäische Staaten. Mit der Zielvereinbarung, die in der letzten Woche für viel Wirbel in der Öffentlichkeit gesorgt hat, wurde eine partnerschaftliche Lösung mit Augenmaß zwischen Politik und Wirtschaft geschaffen. Aber nun droht bereits neue gesundheitspolitische Zwangsbeglückung. Nach dem Rauchen ist nun der Alkohol dran. Die Gesundheitsgurus in Brüssel bereiten einen Feldzug gegen den Konsum von Wein, Bier und Schnaps vor. Die Mitgliedsstaaten der EU sollen dem Alkoholkonsum an den Kragen gehen. Alkohol soll teurer werden, das Abgabealter für Wein und Bier an Jugendliche soll erhöht und die Promillegrenze auf Null fallen. Mit verschärften Polizeikontrollen soll Jagd auf Alkoholsünder gemacht werden. Das ist nur ein Teil des Arsenals der Brüsseler Verbraucherschützer. Ermuntert von den Erfolgen beim Rauchverbot schlägt nun „Mister Clean“ aus Brüssel wieder zu. Zwar besteht keine rechtliche Kompetenz, dies für die Mitgliedstaaten zu regeln. Doch mit Blick auf die hohen Kosten für die Gesundheitssysteme könnten manche auch daran Gefallen finden. Das deutsche Gastgewerbe kann dies nicht unwidersprochen hinnehmen. Wehret den Anfängen: Erst Rauchen, dann Alkohol. Da sind der Gesundheitsschutzphantasie keine Grenzen gesetzt: Bis hin zur Regelung von Lebensmittelzutaten und Vorschriften für die Köche, was den Gästen eigentlich beim Kochen noch verabreicht werden darf. Man will man nun mit einem Aktionsplan Alkohol einen Schlag gegen Genuss und Lebensfreude führen. Verleihen wir doch den Brüsseler Gesundheits- und Verbraucherschutzbürokraten einmal in Deutschland den Orden „Wider den Genuss“. Alles scheint sich nur noch um die Volksgesundheit zu drehen. Hauptsache gesund und clean. Operation gelungen und Lebensgenuss erledigt. Als ob die Menschen nicht selber in der Lage wären, sich nach entsprechender Aufklärung über gesundheitliche Gefahren umzustellen. Allein der Rückgang des Konsums an Spirituosen, Bier und Wein zugunsten von Mineralwasser und sonstigen Getränken macht doch nur allzu deutlich, dass es derartiger Zwangsbeglückungen aus Brüssel gar nicht bedarf. Stoppen wir den gesundheitspolitischen Amoklauf aus Brüssel. Was wir brauchen ist: Mehr Eigenverantwortung und weniger Staat. So und nicht anders haben wir uns die EU vorgestellt.


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