Branchenpolitik
Die Hygiene-Ampel kommt nicht
von Holger Zwink
BERLIN. Die bundesweite Hygiene-Ampel ist vom Tisch. Das hat das Bundesverbraucherschutzministerium mitgeteilt. Im Mai vergangenen Jahres hatten die Verbraucherschutzminister der Länder (die einzige Gegenstimme kam aus Bayern) beschlossen, eine bundesweit einheitliche Veröffentlichung der Hygienestandards in Gastronomiebetrieben einführen zu wollen.
Gute Argumente
Dass dies der falsche Weg ist, um die unverzichtbaren Hygiene-Standards zu gewährleisten, hatten Branchenvertreter und DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
weiter mit Mausklick... sofort moniert:
Die öffentliche Anprangerung des Gastwirts, der in daurch seiner Existenz bedroht ist, die fehlendende Möglichkeit zur schnellen Nachkontrolle, um ein möglicherweise schlechtes Ergebnis korrigieren zu können, der eklatante Mangel an Lebensmittelkontrolleuren, die Benachteiligung der Gastronomie, bei der mit der Einführung des Hygienebarometers begonnen werden sollte, obwohl die jüngsten Lebensmittelskandale woanders ihren Ursprung hatten, all das waren Argumente, die letztlich gewirkt haben. Nicht zuletzt bei den Wirtschaftsministern der Länder, die sich gegen die Einführung der Ampel ausgesprochen haben.
Ulrich Brandl Chef des DEHOGA Bayern stellt klar: Gegen das Hygiene-Barometer zu sein, heißt nicht gegen Hygiene zu sein - das Hygiene-Barometer ist nur der falsche Weg zum richtigen Ziel."
Man stehe für Prävention statt Repression. Zudem sei nicht nachzuvollziehen, inwiefern ein roter Farbbalken vor einem Schmuddelbetrieb ein Mehr an Verbraucherschutz bedeuten soll, als die bereits heute mögliche und auch praktizierte sofortige Schließung dieses Hauses.
Veröffentlichung von ernsten Verstößen kommt trotzdem
Allerdings wird es die Möglichkeit einer Veröffentlichung von Hygieneverstößen im Internet dennoch geben: Am 1. September soll das neue Verbraucherinformationsgesetz in Kraft treten. Das bedeutet: Wer sich eines Hygieneverstoßes schuldig macht, der ein Bußgeld von mehr als 350 Euro erwarten lässt, wird auf der Website der prüfenden Kommune veröffentlicht.







Stefan Grüttke, Hamburg
24.07.2012 um 14:17
Betreff: @ Frank-Ulrich John
Auch die (beinahe Gebetsmühlenartige) Wiederholung von Argumenten macht diese nicht besser und schon gar nicht richtiger.
Denn es geht doch nicht um den Gastronomen der (weil es spät geworden ist) seine Küche mal ausnqahmsw2eise so lässt wie sie ist, sondern um eklatante Hygienemängel die zur roten Ampel führen. Schauen Sie sich die entsprechenden Bilder aus berlin doch einfach mal an.
Die Küchen haben seit Wochen (oder Monaten) keine Reinigungsmittel mehr gesehen, überlagerte Waren, nicht fach gerechte Lagerung, etc. die Liste lässt sich beinahe unendlich fortsetzen.
Solch ein Betrieb sei in seiner Existenz gefährdet, wenn er die rote Ampel bekommt? Ich kann nur sagen - mit Recht.
Nochmal - es liegt ausschliesslich am Wirt wie er seinen Betrieb führt und wenn er der Meinung ist, Hygiene gehört eher zu den Sekundär Tugenden soll er bitte auch die Konsequenzen tragen. So einfach ist das.
Darüber hinaus sollten sie wissen, daß die Rechtslage eine sofortige Schliessung eines Betriebes kaum hergibt, eine rote Ampel ist da einfacher.
Auch in Sachen GMP-Bayern sehe ich keine Nachhaltigkeit. Soll heissen einmal zertifiziert hat der Wirt weitestgehend freie Hand was die Hygiene angeht. Wobei ich mich allerdings auch frage, warum die Mitgliedschaft in der DEHOGA ein Qualitätskriterium sein soll?
Ausserdem was spricht dagegen, wenn der Wirt neben dem GMP Zeichen noch das Grün der Hygiene führt?
Sie können es drehen und wenden wie sie wollen, das Nein der DEHOGA zur Hygiene Ampel schützt (gewollt oder ungewollt) die schwarzen Schafe und Schmutzfinken der Branche.
Abschliessend könnte der Vergleich mit dänischer und bayerischer "Gast Freundschaft" durchaus nach hinten losgehen.
Jedenfalls habe ich Service Unfreundlichkeit (folkloristisch romantisch als "granteln" verklärt), die Beantwortung einer Frage nach eine vegetarischen Gericht mit "Stellen Sie sich doch draussen zu den Kühen auf die Weide" oder (bei eine ausländischen Gast) "Wenn der will das ich ihn verstehe soll er Deutsch lernen" in Bayern erlebt und nicht in Dänemark. Aber selbstverständlich waren das Ausnahmen :-)