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Mindestlohn

Heftige Diskussion: Kosten Mindestlöhne Arbeitsplätze?

Mindestlohn-Debatte

Mindestlohn soll sich an Zeitarbeit orientieren

3. November 2011
von  

STUTTGART/BERLIN. Ein Ruck geht durch Deutschland. Was bis vor kurzem für Kanzlerin (CDU) ein Tabu war, ist heute bereits beschlossen. Die Mindestlöhne kommen definitiv, sagen Politiker aus ihrem Umfeld, die Frage sei nur noch in welcher Form. Der Vorschlag aus dem Arbeitnehmerflügel der CDU, der sein Konzept für eine Mindestlohnregelung beim CDU-Parteitag am 4. November vorlegt, lautet: Allgemeine Lohnuntergrenzen für alle Branchen zu bestimmen, in denen kein tariflich festgelegter Lohn existiert.

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Wo könnten diese Untergrenzen liegen? Unter 8,50 Euro dürfe kein Stundenlohn mehr sein, fordert die SPD. Der Arbeitnehmerflügel der CDU schlägt vor, den jüngsten Tarifabschluss der Zeitarbeiter als Orientierung zu nutzen. Hier liegt der niedrigste Stundenlohn seit 1. November im Westen bei 8,89 Euro und im Osten bei 7,01 Euro. Allein in 12 deutschen Bundesländern liegen die niedrigsten Tarifstufen im Gastgewerbe derzeit unter diesem Stundenlohn (siehe Grafik). Deutschlandweit verdienen ungelernte Kräfte  in Hotellerie und Gastronomie Stundenlöhne zwischen 6,20 (Brandenburg) und 9,10 Euro (Baden-Württemberg). Und nächstes Jahr im Mai steigt die Entlohnung der ZeitarbeitZeitlich befristetes, gewerbsmäßiges Überlassen von Arbeitnehmern durch ein Zeitarbeitsunternehmen an einen Dritten im Rahmen eines Arbeitnehmerüberlassungsvertrags.
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an auf 8,19 Euro im Westen und 7,50 Euro im Osten.

 
Die Reaktionen auf den Schwenk der CDU sind heftig und zur politischen Debatte geworden. Soziale Gerechtigkeit ist das große Thema, womit sich die SPD von der Bundesregierung abgrenzen und schon für die nächste Bundestagswahl werben will. Politikwissenschaftler sprechen so auch von einem taktischen Linksruck der CDU, um in Zeiten der Schuldenkrise - wo sich alles um Banken und Eurorettung dreht - vom Volk auch noch als sozial und gerecht wahrgenommen zu werden. Aufhorchen lässt, dass laut den Sozialpolitikern der CDU in Deutschland 2 Millionen Menschen für weniger als 6,50 Euro pro Stunde arbeiten. Genannt wird als Brennpunkt neben dem Friseurgewerbe auch die Gastronomie.

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Leser-Kommentare zum Artikel (4)

Uwe Becker, Mainz
Uwe Becker, Mainz

10.11.2011 um 08:42

Betreff: Bezug

Zur Bemessung eines Mindestlohnes sollten nicht bestehende Tarife herhalten. Damit Arbeit sich wieder lohnt muss mit einer Vollzeitbeschäftigung ein menschenwürdiges Leben möglich sein. Solange eine Fachkraft mit über 10jähriger Berufserfahrung keine Familie ernähren kann haben wir eine Schräglage in unserer Gesellschaft. Es braucht keinen Mindestlohn, es ist die Erkenntnis nötig, das billige Arbeiter eine dementsprechende Arbeit abliefern.

Frauke  Zawada, Essen
Frauke Zawada, Essen

03.11.2011 um 18:45

Betreff: Mindestlöhne

NA ENDLICH!!! Wieso muß die Politik eigentlich so etwas initiieren? Wer einen gesunden Menschenverstand hat, kommt ganz allein darauf, das sich Fachleute entsprechend bezahlen lassen wollen. Das Problem des Fachkräftemangels ist hausgemacht, sozusagen selbst gekocht, wer einen Küchenmeister einstellen will, der muß auch einen bezahlen. Einen Mercedes bekommt man ja auch nicht zum Preis eines Fiat 500. Und wer im Service Fachkräfte beschäftigt, der hat den Nutzen eines Zusatzverkaufs, was ein Student meistens eher nicht auf die Reihe bekommt! Und mal ehrlich, wer will schon jedes Wochenende, jeden Feiertag, häufig 10 Stunden und mehr jeden Tag arbeiten und dann noch mit einem Lohn nach Hause gehen, der gegen die guten Sitten verstößt?

Pepijn Boelens, Lam
Pepijn Boelens, Lam

03.11.2011 um 18:13

Betreff: Als fairer Unternehmer bin ich dafür

Wir zahlen unsere Mitarbeiter bereits Stundensätze in, sogar über, den angestrebten Bereich. Gerade wie Herr Deitermann schon anmerkt; man will ja gute Kräfte anziehen und behalten. Gerade aber, weil es in unserer arbeitsintensiven Branche auch schwarze Schafe gibt, gibt es einigen unter uns die unter Konkurrenzdruck selber zum schwarzen Schaf werden. Damit wir ohne Schieflage in der Konkurrenz gehen können, und gute Kräfte nicht nur unserem Betrieb aber generell auch für der Branche erhalten bleiben, - was uns letztendlich alle zu Güte kommt - würde ich ein Mindestlohn begrüßen. Dazu könnte ich noch anmerken das mir außer Deutschland innerhalb Westeuropa kein Land ohne Mindestlohn mehr bekannt ist

Axel Deitermann, Düsseldorf
Axel Deitermann, Düsseldorf

03.11.2011 um 17:04

Betreff: Mindestlohn in Hotelleri und Gastronomie

Die Aufregung in der Branche ist groß, die Geschäftsführerin des DEHOGA spricht im ARD Morgenmagazin von drohenden Entlassungen und Kündigungen. Was ist so schlimm daran, wenn man fordert, das auch ein Gehalt in der Branche seinen Mann bzw. seine Frau ernähren soll. Ich denke, dass der Anspruch hoch motivierte und freundliche Mitarbeiter als gute Gastgeber an die Gästefront zu schicken eine auskömmliche Entlohnung als Basisvoraussetzung beinhaltet. Wie wollen wir bei knapper werdenden Bewerbern gegen die anderen Niedriglohnbereiche ankommen und die Besten für unser Gewerbe gewinnen, wenn wir uns in der Zahlung von Minimallöhnen unterbieten. Eine angemessene Bezahlung für einen harten aber schönen Beruf sollte die Grundlage für zufriedene Mitarbeiter sein, die ihre Zufriedenheit auf die Gäste übertragen. Bei 8.89 ? bzw. 7.01 ? pro Stunde kann wohl nicht die Rede von Spitzenlöhnen sein. Vielleicht kann sich die Branche nach dem, zugegebenermaßen unberechtigtem negativen Image in Folge der Mehrwertsteuersenkung hier wieder ein positives Bild in der öffentlichen Meinung verschaffen. Das wäre ja auch ein Mindestlohn für eine tolle Leistung.

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