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Michel Prokop: Der General Manager hat ein eigenes Inklusionsprogramm gestartet.

© Hotel

Gastbeitrag

Nicht wegschauen, einstellen!

aus: AHGZ-Druckausgabe Nr. 2016/2 vom 16. Januar 2016

Seit Jahren beklagt die Gastronomie einen wachsenden Mangel an Nachwuchskräften in Deutschland. Dieses Problem kommt nicht von ungefähr. Die fehlenden Azubis im Gastgewerbe sind die Quittung jahrelanger Versäumnisse der Branche. Jetzt sollen es die Flüchtlinge richten. Auch in meinem Haus ist ein erstes Integrationsprojekt in Eigeninitiative gelungen: In der Spülküche arbeitet seit kurzem ein syrischer Flüchtling – und es werden sicherlich mehr. Dies ist ein Ansatz, aber kein Allheilmittel auf lange Sicht. Weitere Maßnahmen sind notwendig, um zukünftig für qualifizierte Fachkräfte zu sorgen. Und so frage ich mich, warum unsere Branche nicht auch andere Potenziale nutzt – nämlich solche vor der eigenen Haustür?

Eine Aushilfskraft mit Handicap öffnete mir vor einigen Jahren die Augen. Alle Gäste schwärmten von der freundlichen, serviceorientierten Art dieses Mitarbeiters. Auch mich überzeugte sein außerordentliches Engagement. Solch hochmotivierte Leute können wir gut gebrauchen, dachte ich mir, und bot ihm eine Festanstellung an. Dies war der Auslöser für den Start eines eigenen Inklusionsprogramms!

Eigentlich sollten Weltoffenheit, Toleranz und Liberalität in kosmopolitischen Branchen wie unserer zum Selbstverständnis gehören. „Versuche niemals jemanden so zu machen, wie du selbst bist. Du solltest wissen, dass einer von deiner Sorte genug ist.“ Was der amerikanische Schriftsteller und Philosoph R.W.Emerson schon im frühen Neuengland erkannte, hat bis heute Bestand: Wir sollten die Menschen im Umfeld nicht nach dem eigenen Abbild formen, sondern sie mit ihren Möglichkeiten akzeptieren. Sie sinnvoll in die Gesellschaft einzubinden, ist der nächste Schritt.

Um diese Idee auch in andere Häuser zu tragen und Kollegen zu ermutigen, sich am Vorhaben zu beteiligen, initiierte ich im April 2014 mit Gleichgesinnten die Gründung des Fördervereins für die Integration Behinderter und behinderter Jugendlicher in das Berufsleben in Hotellerie und Gastronomie (FIBIH). Das Ziel: Engagierten, vielversprechenden behinderten Menschen mit einer Neigung für die vielfältigen Berufsbilder in unserer Branche eine Chance zu geben. Die finanziellen Mittel für diese verantwortungsvolle Arbeit rund um das Thema erwirbt FIBIH hauptsächlich mit Benefiz-Veranstaltungen. Zu den Partnern zählen das Berufsbildungswerk Südhessen, die Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH, die Wetterauer Werkstätten und die Lebenshilfe Wetterau. Geplante und auch teilweise schon realisierte Projekte: die Einrichtung von Praktikumsstellen und Arbeitsplätzen, Informationsabende zu Ausbildungsberufen in Hotellerie und Gastronomie, die auch für Menschen mit Behinderungen zu erlernen und auszuüben sind, ein Treffen mit interessierten Eltern behinderter Jugendlicher. Außerdem werden wir einen Leitfaden erarbeiten, der als erste Quelle und Hilfestellung für potenzielle Arbeitgeber aus dem Gastgewerbe dient.

Mit Freude beobachte ich in jüngster Vergangenheit eine Reihe privater Initiativen betroffener Eltern. Ich hoffe, dass weitere Nachahmer folgen werden – und dass die Mitgliederzahl unseres Fördervereins wächst!


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