Gema-Gebühren
Pfeifkonzert gegen die Gema
von Karin Gabler
MÜNCHEN. „Wir sind hier, wir sind laut - weil Ihr uns die Discos klaut!“ klang es gestern lautstark durch die Straßen des Münchner Stadtviertels Haidhausen. Mehr als 2500 Demonstranten marschierten im Protestzug gegen die GEMADeutsche "Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte"".
weiter mit Mausklick...-Gebühren. Wirte, Discotheken- und Clubbesitzer, DJs, aber auch Hoteliers, Künstler sowie Vertreter des DEHOGAAbk. für Deutscher Hotel- und Gaststättenverband.
weiter mit Mausklick... Bayern, des Verbands der Münchner Kulturveranstalter und sämtliche politischen Parteien fanden sich zur Kundgebung am Weißenburger Platz ein.
„Welche Branche kann sich eine Gebühren-Erhöhung von 100 bis 1000 Prozent erlauben“, schimpfte die Sprecherin der Freien Wähler. Die Piratenpartei glänzte mit einem mitreißend sprachgewandten Bruno Kramm, Urheberrechtsspezialist und selbst Komponist: „Wir fordern die Gema zur Rücknahme dieser Tariferhöhung auf“, rief er. „Wenn dies nicht geschieht, wird es zur Rebellion der Clubbesitzer kommen.“ Pfiffe, Buhrufe, und Sprechchöre begleiteten die Demonstration, die durch Haidhausen bis vor die Gema-Generaldirektion in der Kellerstrasse zog.
Die Gema will die Gebühren für Clubs und Discos teilweise bis weit über 1000 Prozent erhöhen ebenso wie für fast alle Straßen- und Vereinsfeste, für Tanzabschlussbälle und gesellschaftliche Events. Schon ab einem Gema-pflichtigen Lied ist die volle Gema-Gebühr fällig, das betrifft auch Kulturveranstaltungen, Kindergarten- und Sportfeste sowie Hotels, die in ihrem Restaurant Musik abspielen. Gastronom Michael Dietzel, Chef von drei renommierten Münchner Gastrobetrieben: „Bisher musste ich im Café am Hochhaus 800 Euro abführen, in Zukunft wären das 15.000 Euro.“ Und P1-Chef Franz Rauch war bisher mit einer Jahresgebühr von 20.000 Euro dabei, nach den neuen Tarifen müsste er 100.000 Euro kalkulieren.
Zur Zeit läuft beim Marken- und Patentamt ein Verfahren gegen die Tariferhöhung. Sollte der Monopolist Gema bei seinen Forderungen bleiben, befürchtet die Branche zahllose Betriebsschließungen und Existenzvernichtungen.




Frauke Zawada, Essen
12.09.2012 um 15:22
Betreff: Modernes Raubrittertum
Ich möchte mal sehen, wie die Gäste im Restaurant reagieren, wenn sie für ihr Schnitzel zukünftig 9,90? bezahlen und dann noch mal 5,-? für die Gema. Die Herren der Gema haben lediglich nach einer Möglichkeit gesucht, den ganzen Rahm abzuschöpfen und sich die Taschen vollzustopfen. Ich kann mir schon gut das Endergebnis vorstellen: Das, was die Gema jetzt fordert wird nicht durchgehen, aber es wird in jedem Falle eine saftige Erhöhung geben. Alle werden froh sein, das sie noch mal davon gekommen sind... äh, wiso davon gekommen? Nein, im Gegenteil, der Kelch wird nicht an uns vorbeigehen, wir werden ihn austrinken und auch noch dankbar dafür sein! Woher ich das weiß? Politisches Parademodell, und da wehrt sich doch auch schon lange keiner mehr! Die Künstler sollen in jedem Fall ihr Geld bekommen, jedoch muß man sich bewußt sein, das auch die Künstler sich dem Markt stellen müssen und nicht, weil sie Künstler sind ihr Geld bekommen, sondern weil sie gut sind und der Verbraucher ihre Musik kauft. Vielleicht ist das auch das Problem, die Gema hat keine Konkurrenz.... noch nicht!